Zweite Pilgerreise nach Russland, 2015

Zum freien Austausch der Yogis untereinander über beliebige Sachverhalte

Montag 1. Juni, Nishni Nowgorod

Beitragvon kashiraja am Sa 04.07.2015 13:39

Die beiden Russland-Reiseberichte 2014 und 2015 wurden inzwischen überarbeitet und als eBook in verschiedenen Formaten mit dem Titel "Russland heute - zwei (spirituelle) Reiseberichte" herausgegeben. Darin findet man auch Verlinkungen zu rund 500 Fotos in Web-Alben. Zu beziehen u.a. bei http://www.fyue.de/shop

Obwohl der Zigeuner davon gesprochen hatte, dass es heute sehr heiß werden würde, regnet und gewittert es in der Nacht (und auch die nächsten) stark und es wird wieder kühler. Der Himmel ist erst mal bedeckt, sodass ich in der Sandgrube zwischen den Grundmauern verfallender Gebäudeanlagen, in der ich unbehelligt stehe, ruhig noch etwas bleiben kann. Ich hab auch etwas Internet und dort erfahre ich, dass Russland die Satellitenfotos zum Flugzeugabschuss über der Ukraine gefälscht hatte und dass Russland mit einer ganzen Armee bezahlter Trolle das öffentliche Meinungsbild im Internet schönt und beeinflusst ...

Als ich gegen 14:00 Uhr weiterfahre, hab ich bald wieder einen Anhalter neben mir sitzen. Er ist schon 52. Weil er nicht raucht und nicht trinkt, sieht er aber um 10 Jahre jünger aus. Er erzählt viel. Leider verstehe ich aber nur wenig, weil er sehr undeutlich und schnell spricht. Er war nur zu Armeezeiten vor 35 Jahren mal im Ausland (in der Mongolei). Auf die Krim angesprochen zeigt er, dass er, wie so viele im Land die ja sehr plausiblen aber für den aufgeklärten Westeuropäer doch unzeitgemäßen Argumente Putins gut verinnerlicht hat. Das kann man den Leuten hier nicht übel nehmen, Man lebt hier, so scheint es, als gäbe es nur Russland, dass andere Länder auch berechtigte Interessen haben könnten, geht über die Vorstellungsfähigkeit der Menschen hier hinaus. Wo sollte es auch herkommen, Das ist das, was Putin braucht und er tut nichts, dass sich daran etwas ändert. Im Gegenteil. Deshalb halte ich es auch für keine Beleidigung, Putin als Volksverhetzer und Lügner zu bezeichnen, sondern nur um die Beschreibung einer Tatsache. Wäre Putin als mächtiger Volksverhetzer in Europa nicht alleine, hätten wir schon längst wieder den heißesten Krieg.

Die aufgeschlosseneren Russen scheinen mir schon längst das Land verlassen zu haben. Zurückgeblieben sind die Nationalisten und Chauvinisten. Denn natürlich kann man sich heutzutage, wenn man will, über Internet schon informieren.

Mein Beifahrer ist noch so freundlich mich in der riesigen Stadt (fast 1,3 Mio. Einwohner) bis in die Altstadt zu lotsen. Alles ganz anders, als ich mir das vorstellte. Die Altstadt, in der außer einigen verfallenden Holzhäusern in entlegenen Ecken und Winkeln, keine Bauten älter als spätes 18. Jh. stehen, liegt rund 100 m über den Flussniveaus der beiden Riesenflüsse Oka (so breit wie die Donau in Budapest) und Wolga (mindestens doppelt so breit). Im Kreml (fast jede größere alte russische Stadt hat einen Kreml (Festungsanlage)) stehen Regierungsgebäude und Museen. Russisches Kriegsgerät aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, das hier gefertigt wurde, wie der T34 Panzer oder die Katjuscha Raketenwerfer sind ausgestellt. Eine schön gestaltete Parkanlage steht allen offen. Bevor sich mein Lotse von mir verabschiedet hatte, hatte er mir noch erklärt, dass die pompöse Treppenanlage neben dem Kreml vom Altstadtniveau hinunter zur Wolga (wie noch einiges andere) von deutschen Kriegsgefangenen gebaut worden sei.

Gleich in der Nähe des Kremls und der schönen Aussicht stelle ich mein Hotel ab, und da es in dieser Stadt keine Parkgebühren zu geben scheint, bleibt es hier auch die nächsten Tage stehen, und zwar unbehelligt (in Gießen hat man mir vor zwei drei Wochen die Polizei auf den Hals gehetzt, nur weil ich auf einem Parkplatz zwei Nächte gestanden bin). Hier scheint die Bevölkerung die Scherben, die Putin und Kampfgenossen zerschlagen, mit Freundlichkeit und Duldsamkeit wieder kitten zu wollen. Russland ist eigentlich das ideale Land für Caravan-Reisende. Ich hab hier aber noch kein Campingauto gesehen. Richtet sich vielleicht gegen diese das Gesetz mit den 4 Euro pro Kilo?

Im Internet stoße ich am Abend noch auf die Ankündigung des jährlichen Kundalini-Yoga-Festivals in Russland (http://yogafestival.ru)
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Di, 2. Juni Nishni - Bib - contemporary dance performance

Beitragvon kashiraja am Sa 04.07.2015 14:33

Ich erhole mich noch von einer Magenverstimmung und brauche deshalb länger, bis ich in den Tag hineinkomme. Es ist kühl und regnerisch. Deshalb setze ich mich nach einer Rundfahrt durch die Altstadt in die Zentralbibliothek von Nischni, wie die Stadt hier kurz und bündig heißt. Auch wenn man nur in den Lesesaal will, muss man sich umständlich registrieren und beim Verlassen des Gebäudes wieder abmelden. Überall veraltete Technik und Produktionsweisen. Damit ist das Land nicht gegen westliche Produkte konkurrenzfähig.
Deshalb versucht Putin vielleicht das Land abzuschotten, damit es nicht der westlichen Konkurrenz ausgesetzt ist.
Doch solange er nichts tut, dass der Abstand zum Westen aufgeholt wird, verschlimmert er dadurch nur die Situation, weil sich der Westen schnell weiterentwickelt, während Russland scheinbar zufrieden mit dem Erreichten stagniert.
Da die Produktivität sehr gering ist (und die Qualität des Produzierten in der Regel schlecht), ist es nur folgerichtig, dass der Lebensstandard gering ist. Putin scheint aus der Sowjetzeit nichts gelernt zu haben. Die Idee war ja bisher Angleichung durch Kooperation. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Land den Abstand ohne Kooperation aufholen soll, vielleicht durch Kooperation mit China?

In der Bibliothek gibt es mehr Bedienstete als Nutzer, Angebot und Technik fast noch wie zu Sowjetzeiten. Kein Vergleich zum Gasteig in München.

Um 19:00 Uhr gleich in einem Ausstellungssaal des Kremls zur Vorstellung einer contemprary dance Performance durch eine Amateurgruppe, in die auch Yoga-Elemente einfließen. Danach Diskussion der Teilnehmer mit den noch wenigen gebliebenen Zuschauern. Dass trotz der Anfeindungen gegenüber dem Westen die Strömungen und auch die Denkweisen der westlichen Welt nach Russland einfließen, kann Putin mit seinem ganzen Apparat nichts machen. Die jungen Leute äußern sehr fortschrittliche Gedanken und zeigen mir, dass es in den Köpfen zumindest der Jungen doch nicht so trostlos aussieht, wie es manchmal den Anschein haben mag.

Am Abend erreicht mich eine Rundmail von Vera. Guruji sei zurück nach Paris geflogen und er würde nun doch im nächsten Jahr wieder nach Russland kommen. Seine Ankündigung am Sonntag sei nur die Folge einer Verstimmung mit ihr gewesen, für die er sich entschuldige.

Grund dieser Verstimmung war wohl, dass bei diesem Verheiratungsthema zwischen Kriyabans, das die ganze Woche aktuell war und für die sich die Russen und besonders einige der Frauen sehr aufgeschlossen zeigten, auch mal Vera für einen Mann als Kandidatin vorgeschlagen wurde. Mit der Begründung, Vera hätte zu viele »psychologische Probleme«, was er auch noch ausführlicher erläuterte, lehnte Guruji den Vorschlag aber ab.
Vera, 46, die viele Jahre für Guruji sehr viel organisiert und ihn unterstützt und Gruppen nach Indien begleitet hat und auch diesen Retreat organisierte und sicher nicht neurotischer ist, als die meisten anderen Frauen (ich halte sie sogar für sehr umgänglich und vernünftig), war davon natürlich nicht erfreut. Doch die Russen lassen sich halt noch sehr viel von diesem »verwirklichten Meister« gefallen.

Deshalb finde ich es auch sehr schwach von Shibendu Lahiri, dass er seine Stellung nicht nutzt, den Russen deutlich die Leviten zu lesen. Da er aber alle anderen Formen der Religiosität als seine eigene als nichtswürdig ansieht, ist es logisch, dass er die Amerikaner wegen des Wildwuches dort nur verachtet kann. Außerdem ist er politisch offensichtlich nicht gut informiert und zieht aus Fehlinformationen Fehlschlüsse. Zum Beispiel behauptet er, Gorbatschev sei ein amerikanischer Agent gewesen, der sich gleich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den USA niedergelassen habe.
Außerdem trägt er den Amerikanern offensichtlich immer noch nach, dass sie sich zur Zeit der Abspaltung Pakistans hinter die Pakistanis stellten. Die Russen hinter Indien ...

Ich lese auch von dem zweifelsfreien Beweis, den eine russische Rüstungsfirma führt, dass die Ukraine die Malaysische Boeing abgeschossen hat, alles wird ganz ausführlich dargelegt. In der deutschen Presse, wird das zwar nicht so überzeugend wiedergegeben, doch die Russen selbst sind der Propaganda Putins hilflos ausgesetzt und können nur schwer daran zweifeln, dass es nicht die Ukraine war. Von den Fälschungen der Satellitenfotos wird in Russland natürlich nicht berichtet.
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Mi. 3. Juni Vom Kommunismus zum Faschismus - Gott ist übera

Beitragvon kashiraja am Mo 06.07.2015 14:37

Bis um 14:00 Uhr gibt es noch mal einige heftige Regenschauer und ich verzieh mich in die Bibliothek. Damit scheint aber die Regenperiode, die auch nur aus wiederholten Schauern bestand, abgeschlossen. (Hoffe ich voreilig und lasse mir am nächsten Morgen, kurz bevor das wirklich schlechte Wetter, das bis zum 1. Juli anhält, anfängt, auch noch ein Glatze scheiden. Die häufigen Schauer in Nishni scheinen normal und wohl auf die Erhebung des Reliefs zurückzuführen zu sein).

Ich fahre zur in der Sowjetzeit dem Verfall preisgegebenen und nun wieder aufgebauten Kirche neben dem »Messegelände« (Jahrmarkt). Dort komme ich mit einem pensionierten Sänger ins Gespräch, der mich auch gleich darauf anspricht, ob ich schon auf der Krim war und hier sehe ich mal die Möglichkeit, deutlicher meine Meinung zu äußeren (wahrscheinlich, weil ich mir sicher bin, im Notfall leicht abhängen zu können?). Der Mann leidet offensichtlich unter seiner Armut, und weil er sich den Sozialismus zurückwünscht, gehe ich davon aus, dass er zur Sowjetzeit zur privilegierten Klasse gehörte. Er sagt auch, dass die Innenpolitik Putins Mist ist, dass aber wegen seiner Außenpolitik alle hinter ihm stehen würden. Auf einige unbeholfene Einwände meinerseits geht gleich das Gewettere gegen die Amerikaner los und Obame bezeichnet er mehrmals als Affen. Das sind ja die Parolen, die Putins Troll-Fabriken in die Welt setzen. Da hat Putin also ganze Arbeit geleistet. Da haben wir nun alles beisammen: neben übersteigertem Nationalismus, Großmachtstreben, Diskreminierung von Minderheiten auch noch Rassismus.
Alle Elemente von Faschismus (natürlich um einiges abgemildert, nicht mehr so wie zu Hitlers Zeiten) sind in diesem Land vorhanden, was etwas ganz Natürliches ist, zum Problem wird es, wenn der Staat das fördert oder sogar betreibt. Und dabei beschimpft Putin die Ukraine als Faschisten. Und naive Trolle im Westen trollen dem nach ...

Man sieht in dem Land auch keine Schwarzen (erst in Petersburg bekomme ich welche zu Gesicht), hier in Nishni Nowgorod auch keine Touristen. Wenn es Ausländer gibt, dann stammen die aus dem ehemaligen Sowjetrepubliken, einen Türken sehe ich.

Ohne Zweifel hat Putin Charakter, aber er verführt sein gutmütiges Volk genauso wie der charakterstarke Hitler es mit den Deutschen getan hat. Die Russen hatten das Pech, dass sie den Krieg gewonnen haben. Die Deutschen wurden vom Nationalsozialismus befreit. Durch den Sieg wurde in der Sowjetunion die Stellung der Partei noch gefestigt ...

Irgendjemand muss ja für die ineffektive Produktionsweise und Bürokratie in diesem Land bezahlen. Bezahlen tun die einfachen Bürger mit geringem Lohn oder Pensionen bei hohen Preisen. Die Preise sind hier wie bei uns im normalen Supermarkt (keine Discounter). Bei einigen Produkten sind die Preise viel höher, es gibt nur wenige Produkte, die etwas billiger sind.

Die Amerikaner sind in Russland der Sündenbock für alles und Putin spricht über sie wie über ein paar dumme Jungs, wie das ja bei uns auch in eignen Kreisen der Fall ist. So sieht Undankbarkeit aus. Dabei verdanken die Russen eigentlich alles den Amerikanern. Hätten die Amerikaner die Russen im Krieg und vor dem Krieg nicht unterstützt, hätten sie die Deutschen nicht bezwungen. Es war auch Ford, der hier in den 30er Jahren die Fahrzeug- und damit auch die Panzer- und Geschützindustrie mit aufbaute. Ohne diese endlose Produktion von Panzern und Geschützen, wäre es den Russen nicht leicht möglich gewesen, den Deutschen Paroli zu bieten.

Man kann zwar nicht behaupten, dass man im Westen den Sinn des Lebens schon deutlich erkannt hat. Aber doch deutlicher als hier. Hier vegetiert man mehr oder weniger vor sich hin und scheint damit zufrieden. Auf dieses Niveau möchte uns diese Möchtegernweltmacht wohl herunterziehen.
Es ist auch so einfach, Entscheidungen in einem Land der Korruption und Autokratie zu treffen. (Aber wenn ich mir das endlose Getue um Griechenland anhöre, werden mir die Vorteile eines derartigen Regierens natürlich auch wieder klar.)

Im Laufe des Tages besuche ich mehrere Kirchen und mache am Abend im Blagoveshchenskiy-Kloster die Vesper mit den Mönchen mit (es sind so 10 Mönche und 4 laikale Bedienstete beteiligt, man steht zuerst, dann sitzt man, während vorne ein Antifongesang (Wechselrezitation) stattfindet). Dann steht man wieder, gibt etwas Floskeln dazu und ganz zum Schluss machen alle eine Runde an allen Ikonen vorbei mit Küssen und Erzeigung der Ehrerbietung. Bevor man hinausgeht, holt man sich noch den Segen von drei ranghohen Mönchen mit Verbeugung und Handauflegen). Die Energie in den Kirchen und besonders in der Vesper war überall erstaunlich groß und deutlich zu spüren. Die orthodoxe Kirche, wie jede Organisation blüht natürlich nur, weil sie irgendwoher Geld bekommt, ihr deshalb aber alle Heiligkeit abzusprechen, wie das viele der modernen Russen tun, heißt das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wie in jeder Organisation und natürlich besonders in spirituellen, ist auch hier Gott, und zwar sehr deutlich. Leider bemüht sich aber die »pravaslawische« Kirche (die nicht »rechtgläubige« Kirche heißt, wie von mir im letzten Jahr noch gedacht. »Prava slava« heißt »richtiger Lobpreis«.) nicht durch Reformen für größere Bevölkerungskrise attraktiv zu werden. Das braucht sie aber auch nicht, wenn nur genügend alternative Formen der Spiritualität gedeihen.

Auf dem bescheidenen Messegelände, das nur aus einer Halle, in der gerade indische Tage stattfinden (Produkte aus Indien zum Verkauf, natürlich um einiges teurer als in Indien), und den historischen Jahrmarkthallen (ein Prachtbau, aber offensichtlich ungeeignet für die Erfordernisse des modernen Messegeschehens) besteht, gibt es auch einen »Russenmarkt« (Lebensmittel, Kleider etc.).

Die Stadt ist schön gelegen, hat seine Sehenswürdigkeiten, doch im Vergleich zu München (ungefähr gleiche Einwohnerzahl) ist die Infrastruktur, das gesellschaftliche Leben etc. hier nur als sehr kümmerlich zu bezeichnen. Mit welchem Recht will dieses Land Großmacht sein. Das hört sich für mich so ähnlich an, als wolle die Antarktis Großmacht sein, bloß weil das Land groß ist.

Wegen seiner Rüstungsfirmen war die ganze Stadt Nishni Nowgorod von 1959 bis 1991 für Ausländer eine gesperrte Stadt. Kreuzfahrtschiffe auf der Wolga mit Ausländern an Bord mussten in der Nacht vorbeifahren. Ans Land durfte niemand. Daraus spricht eine ziemliche Veranlagung zur Psychose der Russen, unter der das Land zur Zeit des Kalten Krieges litt. Aber auch heute noch ist diese Psychose, die Folge eines Minderwertigkeitskomplexes und fehlender Aufklärung über die wirklichen Verhältnisse im Westen, immer noch zu spüren.

Ich wünsche mir für Russland einen Staatsmann, der darauf hinarbeitet, dass das Potenzial der Bürger richtig genutzt wird, nicht einen der die Pfründe einer privilegierten und skrupellosen Kaste verteidigt, indem er das Selbstwertgefühl der gesellschaftlich und sozial unterbelichteten Bürger mit außenpolitischen Rüpelhaftigkeiten und Nationalismus stärkt. Einen der nicht Lügen und Zwietracht verbreitet, sondern einen der aktiv bei der Befriedung der Welt mitarbeitet und durch Kooperation den zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rückstand in seinem Land aufholt.

Polen ist das schönste Beispiel, wie das funktionieren kann. Die Russen erscheinen mir als ein betrogenes Volk.

Da aber am Ende doch nur Fortschritt in Richtung des Zentralmagneten wichtig ist und die Welt noch tief im Dualismus verankert ist, muss wohl irgendeiner die Rolle des Widersachers übernehmen und alles hat seinen Sinn.
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4. Juni - Wieder zurück nach Westen

Beitragvon kashiraja am Mo 06.07.2015 15:13

Da die Batterie meines Autos leer ist, muss ich bis zum Abend bleiben (ich komme nicht aus der Parklücke, um das abschüssige Gelände nutzen zu können). Es regnet wieder, nachdem der Tag verheißungsvoll begonnen hatte und ich gehe in die Bibliothek). Als ich um 18:30 in Richtung Ivanova losfahre, ist das Chaos des Berufsverkehrs noch in vollem Gange, ein einziges Hickhack mit gegenseitiger Behinderung, ich sehe 3 Unfälle davon einen schweren mit Biker. Bei Blechschäden bleiben die betroffenen Autos mitten auf den Straßen stehen und verhindern den den Verkehr zusätzlich (dagegen wird 2 Wochen später ein Gesetz erlassen - 1000 Rubel (20 Euro) Strafe) Der pensionierte Sänger hatte gestern gesagt, dass es gescheiter wäre, wenn statt der Kirchen die Wohnungen hergerichtet werden würden. Im Straßenverkehr liegt hier auch sehr vieles im Argen. Doch es heißt ja: »Suche erst das Reich Gottes, dann wird dir alles andere dazugegeben«. Auf dem Land sehe ich noch viele ursprünglich prächtige, aber seit Jahrzehnten verfallende Kirchen ...

Die Stadt hat eine riesige Ausdehnung, muss sie auch haben, wenn allein hier während des Zweiten Weltkrieges mehr Geschütze produziert wurden, als von Nazideutschland insgesamt.

Entlang der Wolga dichte Besiedelung. Als ich mich von ihr entferne wieder die üblichen eintönigen Waldebenen. Auf einem Waldweg in der Nähe eines Ortes finde ich einen ruhigen Platz, an dem der einzige Nachteil die vielen Stechmücken sind.
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Fr. 5. Juni - Greenpeace, wo bist du?

Beitragvon kashiraja am Mo 06.07.2015 15:44

Als ich am Morgen die Gegend erkunde, stellt sich heraus, dass ich mich ganz in der Nähe von hoch eingezäunten alten Datschenkolonien befinde. Das Ganze ist eine Mischung aus Schrebergärten, Konzentrationslager und Campingplatz. Auf den Parzellen werden Kartoffeln, Erdbeeren, Möhren und verschiedene andere Dinge angebaut. Sanitäre Einrichtungen sehe ich keine und eine kommunale Müllentsorgung gibt es offensichtlich auch nicht. Den Müll entsorgt man großflächig im angrenzenden Wald und in Entwässerungsgräben. Nichts von irgendeiner Datschenidylle. Die Leute, die da sind, sind mit Gärteln beschäftigt, ansonsten liegt hier der Hund begraben. Keine landschaftlichen Reize. Im Wald, der wie in den mittleren Breitengraden üblich in Russland kein Hochwald ist, sondern aus mittelgroßen Bäumen mit viel undurchdringlichem Unterbewuchs besteht, Wege nur so weit gut, wie auch ausreichend Müll vorhanden, d.h., die werden offensichtlich nur zur Müllentsorgung genutzt.

Im Dorf stattliche Häuser in der Regel von hohen Zäunen umgeben. Man sieht hier nichts von irgendeinem Gemeinschaftsleben.

Das macht alles gar keinen guten Eindruck. Die Krim also vielleicht auch eine Akquisition nach dem Motto: »Bei uns Zuhaus herrscht ein Saustall und Trostlosigkeit. Wir müssen auf die Krim fahren können, wenn wir es mal schön haben wollen?« Zeitgemäßer und charakterstärker wäre eine Haltung: Räumen wir erst mal den Müll bei uns auf und entwickeln wir unsere Gesellschaft, vielleicht legt sich dann unsere Sehnsucht nach der Krim.

Das war eine Datschenkolonie der ärmlicher Kategorie. Am Ufer eines breiten Flusses stoße ich auf eine geplante und teilweise fertiggestellte Datschenkolonie für die begüterten der Gesellschaft. Da steht ein Häuschen für den Wachmann am Tor, die Leute kommen mit großem Geländewagen an und die neuen Häuser haben ganz andere Dimensionen. Viele ausgewiesene Parzellen noch nicht bebaut.

Am selben Fluss mehrere Kilometer weiter finde ich auch den ersten idyllischen Ort, um mal zu verweilen und die Landschaft zu genießen. Ich lese und wandere etwas am Ufer entlang. Etwas landeinwärts wieder eine Datschenkolonie der ärmlicheren Sorte und dazwischen ein hoher Müllberg am Wegesrand.

Weiter gehst durch ein Gebiet, in dem Landwirtschaft betrieben wird. Das bietet auch mehr landschaftliche Reize.

Einen Stellplatz für die Nacht finde ich in den Anlagen einer verfallenden Kolchose am Rande eines größeren Ortes, dessen nicht geteerte Straßen nur aus Schlaglöchern und größeren und kleineren Pfützenkuhlen besteht. Holzhäuser (nur ein paar größere Wohnanlagen in hässlicher Plattenbauweise) jedoch so ziemlich alle bewohnt. Das Ganze erinnert mich an die DDR der 70er Jahre.

Hier, wie in vielen anderen kleinen Ansiedelungen, durch die ich komme, hat sich offensichtlich seit der Sowjetzeit nichts verändert. Es ist eher schlechter geworden.

Das wären eigentlich die Probleme, die Putin angehen müsste. Da er das nicht kann oder will, dopt er sein Volk mit seiner Außenpolitik. Das Volk schreit Hurra, wie das deutsche ja auch zu Hitlers Zeiten, obwohl es der Betrogene bei dem Spiel ist.


Da Putin an den Zuständen im Land nichts ändert, verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung, weil die unproduktive inländische Erzeugung mit höheren Preisen bezahlt werden muss. Es gibt kaum noch ausländische Produkte. Die Angebotsvielfalt hat stark nachgelassen und die inländischen Produkte sind oft von sehr viel geringerer Qualität. Schokolade z.B. ist extrem überzuckert. Das Land hat den Weg zurück in die Mangelwirtschaft der Sowjetzeit eingeschlagen, so scheint es mir (allerdings herrscht in Petersburg auf dem Markt, den ich gut eine Woche später Besuche, Überfluss an allem und es fehlen eher die Käufer, viel Obst und Gemüse verfault schneller, als es verkauft wird ...)

Da ist es vorprogrammiert, dass Putin seinem Volk immer wieder von der Schnapsflasche »außenpolitischer Erfolge«, d.h. Landzugewinn, zurück zur alten Größe, von der die meisten einfachen Russen zu träumen scheinen, einen Schluck genehmigen muss. Wenn man Putin und seien Gesinnungsgenossen nicht klar macht, dass das so nicht geht, ist das für ihn eine Einladung, es bei der nächsten Gelegenheit wieder so zu machen. Das sind die Altlasten der Sowjetzeit, dass Russen in ausreichender Stärke in allen angrenzenden Ländern sitzen und um plausible Argumente ist Putin nie verlegen.

In Russland herrscht im Vergleich zum reichen Westen noch viel mehr das Habenbewusstsein, weniger das Seinsbewusstsein. Das gleiche Phänomen stellt man ja auch im Vergleich von West und Ostdeutschland fest. Es ist großteils eine Folge der kommunistischen Zeit, die die Bewusstseinsentwicklung aufgehalten hat. Das ist einerseits alles sehr natürlich, doch wie löst man den Konflikt auf?

Am Abend seh ich mir noch einen neueren Spielfilm aus russischer Produktion an, den ich mir letztes Jahr gekauft habe, »Die Zitadelle«. Zu meinem Erstaunen wird Stalin als der gutmütige und weise Übervater dargestellt ...

Die Richtung, die Russland unter Putin eingeschlagen hat, scheint klar. Aber ist das vielleicht sogar notwendig oder sogar etwas Gutes? Das bringt mehr Konflikte, was nicht erfreulich ist. Doch vielleicht oder sogar sehr wahrscheinlich oder wenn man es mit einem Advaite-Bewusstsein betrachtet, ganz sicher, ist ja auch das notwendig, damit die Menschen erwachen.

Nur von einem bin ich überzeugt. Dass eine Haltung im Westen a la: »Bravo Putin, nur weiter so.« falsch wäre. Wie so viele andere allein Regierende vor ihm ist Putin sicher nicht davor gefeit, größenwahnsinnig und maßlos zu werden,.in der Tat denke ich, er ist auf dem besten Weg dahin, wenn ich nur an die TV-Produktion »Der Präsident« denke, in der Putin in 90 Minuten der selbstgefällige Mittelpunkt bei der glorreichen und raffinierten Rückführung der Krim »heim ins Reich« ist.

Nun denke ich an das Jahr 2002 zurück, als ich das erste Mal mit dem Auto durchs Land fuhr. Da war ich von der russischen Musik im Radio (Radioempfang ist jetzt besser, ich musste mein Gerät erst auf geringere Empfindlichkeit zurückstellen) begeistert. Heute kommt mir alles so farblos und eintönig vor. Ist das vielleicht auch Folge der putinschen Politik, frage ich mich. (In Riga wird mir klar, dass vieles vom DJ abhängt. Das Ruskoe Radio (rusradio.ru, in dem nur russische Musik kommt) wird über Radioempfang in allen größeren Städten der ehemaligen Sowjetunion regionalisiert gesendet (wohl wegen lokaler Werbung), im Internet scheint es nur eine Version zu geben. Es gibt immer noch diese ergreifenden neuen russischen Songs, in Russland selbst werden sie kaum aufgelegt ...)
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Sa., 6. Juni - Dorf-Stadt-Gegensatz -- Ivanova

Beitragvon kashiraja am Mo 06.07.2015 16:31

Nach dem 7 Mal Schibendu III Kriya (Samantrak) habe ich den Eindruck, dass ich die Technik richtig auf mich angepasst habe. So wie der Meister sie erklärt hat, funktionierte sie nicht. Jetzt habe ich bei geringem Aufwand sehr gute Wirkung. Knackpunkt bei mir ist vor allem die Atmung ...


Im Grunde ist Russland wirklich nicht mehr als eine Regionalmacht, obwohl man das ja natürlich nicht laut sagen darf, weil das gleich wieder beleidigte und irrationale Reaktionen hervorruft. Das gibt aber einen anderen Hinweis, womit man es hier zu tun hat, und wie man damit umzugehen hat. Die Russen gebärden sich und sind auch wie Kinder oder positiv mit der Hoffnung, dass es wirklich zutrifft, wie der junge Parzival. Sie handeln impulsiv, wollen nur das Beste, aber verstehen nicht, dass aus anderer Perspektive, das nicht immer das Beste ist. Sie wollen immer nur gelobt werden und überall nur die Besten sein. Wenn sie irgendwo nicht die Besten sind, versuchen sie durch alle möglichen legalen oder illegalen Tricks doch die Besten zu werden (Sport) und wo das mit den unredlichen Ticks nicht klappt (Fußball, innovativen Entwicklungen), da verdrängt man die eigenen Schwächen und übertüncht das mit Selbstverherrlichung, Selbstbeweihräucherung und Rückblicke auf vermeintliche glorreiche Siege.

Zu Selbstkritik und tatkräftigen Reformen scheint das Land nicht fähig.

Umgehen müsste man demgemäß mit dem Land so: Gutmütig und wohlwollend zurechtweisend, die Grenzen aufzeigen, wie man das bei Kindern auch macht. Im Großen und Ganzen tut dies die westliche Politik.

Die Ukraine ist sicher nicht besser als Russland. Sie stammen ja von den gleichen Eltern ab. Dort sind die Verhältnisse eher noch schlimmer. Doch da die Ukraine die Schwächeren sind, die von Russland aus verschmähter Liebe kaltblütig fertiggemacht werden würden, ist es meiner Meinung nach richtig sich auf deren Seite zu stellen. Außerdem besteht die Hoffnung, dass man die Ukraine mithilfe des Westens von seiner ererbten korrupten und autokratischen Kultur befreien kann. Bei Russland hat die Hilfe nur dazu geführt, dass das unbegründete Großmachtstreben vor jede innere Entwicklung gestellt wurde, weil die herrschenden Kreise an einer Veränderung des Status Quo der Machtstrukturen (und damit auch Finanzstrukturen) im Land nicht interessiert sind.

Ich will noch eine Runde durchs Dorf machen, steige aber zuerst auf einen Funkmasten um einen Überblick zu bekommen, in der Ferne noch weitere verfallende landwirtschaftliche Hallen und so was, was aussieht wie Flutlichtanlagen. Das stellt sich dann aber als kleine verrostende Wassertürme heraus. Der Ort hat keine Kirche, einige trostlose Plattenbauten mit mehreren Wohnungen. Eine geteerte Hauptstraße, bei der man die ganze Breite braucht, um den vielen Schlaglöchern auszuweichen.

Auf halber Höhe wird der Wind so stark, dass ich mich entschließe, nicht mehr weiterzugehen. Ja, genau. Wind und Windräder, Solaranlagen in Russland habe ich noch nichts davon zu Gesicht bekommen. Ich fühle mich wie in einem vergessenen Entwicklungsland.
Von oben sieht man auch, wo der Müll entsorgt wird. Auf einem Feld 50x50 m ist er meterdick aufgehäuft. Auch Hecken dienen als willkommenes Mülldepot.

Die Straße nach Ivanova ebenfalls in sehr schlechtem Zustand, deshalb tucker ich mit nur 70-80 km/h. Mehr will ich meinem Auto nicht zumuten.

Ivanowa dann wieder eine ganz andere Welt. Eine Stadt, die einen gepflegten und modernen Eindruck macht. Zwei Welten, die in Russland so nah beieinanderliegen, ähnlich wie ich das letztes Jahr in Weißrussland erlebt habe. Da die Städte hier aber moderner und belebter sind, ist der Unterschied frappierender.

Die Stadt macht einen angenehmen Eindruck, bietet aber keine besonderen Sehenswürdigkeiten neben den üblichen (paar kleine Kirchen, einen Brunnen, an dem gute Musik (hauptsächlich westlich) mit der Brunnenaktivität synchronisiert ist und einigen Plätzen. An einem spielt eine Jazzband und es versammeln sich vor allem Alte zum Tanz (erinnert mich an China). Ein Schwarm von rund 50 Iwanover Schönheiten wird zum Fotoshouting von Platz zu Platz chauffiert ...

Nebenbei hör ich Radio, der einzige Informationssender, der auch nur in der Nähe der Stadt erreichbar ist, ist Sport FM. Da geht es sehr viel um russische Sportlegenden und um die vielen Siege Russlands. Das ist das schöne am Sport. Es gibt so viele Veranstaltungen, und wenn man nur von den eigenen Siegen berichtet, gewinnt man das Gefühl der Überlegenheit des eigenen Volks. Das steigert das Selbstwertgefühl. Das ist aber nicht nur in Russland so.

Am Abend seh ich mir in einem Irish Pub noch das Endspiel der Champions-Leage an. Das läuft natürlich unter dem Motto »Sprachtraining«.
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So. 7.6. Müll - Pavel - Volgorechenzk

Beitragvon kashiraja am Mo 06.07.2015 17:37

Ivanova ist eher eine profane Stadt, obwohl sie zum goldenen Ring gehört, deshalb fahre ich am Morgen gleich weiter.

Auf dem Weg nach Kostroma stoße ich auf den Beweis für die großflächige und übliche Praxis der Entsorgung des Mülls in der Landschaft. Nicht weit von der Hauptstraße entfernt eine inzwischen seit zwei Jahren geschlossen offene Müllkippe, die angrenzenden Wälder und Bäche genauso versaut.

Am liebsten würde ich irgendwo und am besten an die Tür der Duma in Moskau schreiben: Russland ist ein großer Schweinestall. Doch das ist Aufgabe der Russen selbst.
Wenn mich aber wieder jemand fragt, wie mir Russland gefällt, werde ich sagen, dass mir Russland wie ein großer Schweinestall vorkommt, in dem ein Kindergarten von einer Horde streitsüchtiger Jugendlicher regiert wird.
(An dem was ich an die Tür der Duma schreiben würde, feile ich noch etwas herum und komme schließlich zum Schluss: »Russland - das Land der Lüge. Russland - das Land des Faschismus. Russland - das Land des Mülls«.

Das mag ich überhaupt nicht, wenn man meine Freundin, die Natur beleidigt. Vermüllung dieses großen Landes ist eine riesige Beleidigung. Greenpeace täte in diesem Land not. Greenpeace, wo bist du?
Nun fällt mir auch auf, dass auf den Hauptstraßen vom Westen nach Moskau immer wieder Schilder mit der Aufschrift, man solle keinen Müll in die Landschaft werfen, angebracht sind. Östlich von Moskau keine Spur von solchen Schildern. Ist das alles nur Fassade, was da manchmal an gesundem Menschenverstand aufscheint. Man tut so was, um vor dem Westen in gutem Licht zu erscheinen. Einen eigenen Antrieb, die Umwelt sauber zu halten, scheint es nicht zu geben.

In Russland gibt es also entweder von Menschen versaute Natur oder undurchdringliche Wildnis. Wanderwege, Fahrradwege, Naherholungsgebiete? So was kennt der Russe nicht. Statt dessen genehmigt er sich die Krim und versteht die Welt nicht mehr, wenn man ihm sagt: So geht das nicht. Wenn man im Radio nichts an Information als die eigenen Erfolge im Sport präsentiert bekommt. Dann ist es auch leicht nachzuvollziehen, wie derartige Reaktionen zustand kommen, die man eigentlich dem normalen Russen nicht übel nehmen darf.

Verblüffend ist auch die Ähnlichkeit der Gesellschaftsstrukturen, die Tolstoi in Anna Karenina beschreibt, mit der, die heute vorhanden ist, und die in der Sowjetzeit herrschte. Es sind vielleicht die Dynastien, und die Köpfe anders. Doch die Strukturen sind dieselben geblieben. Eine kleine Oligarchie zieht die strippen und lebt gut. Das breite Volk lebt in einer gewissen geistigen Umnachtung und lässt sich von einer korrupten Clique am Gängelband führen. Liegt diese Mentalität vielleicht in den russischen Genen. Auf jeden Fall wird es schwer sein, daran etwas zu ändern, vor allem von außen. Wenn sich in Russland selbst nichts regt und der Großteil der Bevölkerung damit offensichtlich zufrieden ist.

Erfreulicher wäre, wenn die Gesellschaft der unseren nur um 40 oder 50 Jahre hinterherhinken würde. Bei uns war es in 60er-70er Jahren auch noch üblich, Müll im Wald zu entsorgen. Allerdings hat man bei uns aktiv daran gearbeitet, dass sich an der Situation was ändert. Hier arbeitet man aktiv daran, dass sich an der Situation nichts ändert.

Als ich nach Kostroma weiterfahren will, steht bald wieder ein Anhalter am Straßenrand, ein 22-Jähriger Mann, der in Ivanova beim Rollerskaten war. Und bald denke ich, den schickt mir wohl Gott, um meinen abfälligen Gedanken über Russland wieder etwas auf die Beine zu helfen. Im offenbare ich gleich meine neue Erkenntnis und er pflichtet mir bei von wegen Umweltverschmutzung, dass es keinerlei Recycling gäbe und aller Müll nur auf Müllhalden verbracht werde. (Wenn der Müll sowieso nur irgendwo in der Landschaft entsorgt wird, ist der Gedanke sicher schwer zu vermitteln, warum man das nicht gleich an Ort und stelle tun darf). Pavel kümmert sich nicht um Politik. Was da in der Ukraine geschehe, sei Kindergartengetue und die Wahlen nur eine Farce.

Er lädt mich zu sich in eine 40 km vor Kostroma liegende Kleinstadt, Volgorechenzk, ein und er möchte mir auch etwas von der russischen Natur zeigen, von der ich so enttäuscht bin. Sein von seiner Mutter getrennt lebender Vater ist auf Dienstreise in Moskau und wir richten uns in dessen einfacher, typischer aus Sowjetzeit stammender, gepflegten Wohnung ein. Am Abend machen wir noch einen Spaziergang zur Wolga. Als wir nur etwas aus den Plattenbauten heraus sind und der erste Vogel zwitschert: sagt er: Schon sind wir in der Natur. Ich muss schmunzeln. Um uns herum Industriebauten, Lärm vom Elektrizitätswerk und die überall in Russland aufscheinenden oberirdischen verrosteten Leitungsrohre. Da herrschen offensichtlich ganz andere Ansprüche an die Natur. Doch ist es schön, sich mit dem jungen Mann zu unterhalten. Er beschäftigt sich gerade mit Freud und Jung und hat einen tiefen und liberalen Glauben an Gott, der aus dem orthodoxen Glauben herausgewachsen ist. Seit rund zehn Jahren hat die Stadt auch eine Kirche und die Mutter ist auch gläubig. An der Wolga ist in der Ferne wirklich schöne Natur zu erkennen. Das bisschen Strandabschnitt, das von den Städtern genutzt wird, ist allerdings durch industrielle Nutzung überprägt.
In der Dämmerung fahren wir noch auf die Datscha seiner Mutter ein paar Kilometer außerhalb der Stadt. Das ist eine einfache und gepflegte Datschenanlage, wo wieder viel Obst und Gemüse angebaut wird. Probleme mit Nacktschnecken, die bei uns den Gemüseanbau im heimischen Garten inzwischen ad absurdum führen, gäbe es dort nicht. Am Abend essen wir gemeinsam und sehen uns noch Mr. Nobody in russischer Synchronisation an.
Pawel studiert Medizin macht aber Freisemester, weil er gerade keine Lust mehr zum Lernen hat, und verdient sich Geld als Service-Begleiter bei der Bahn. Er geht auf die Strecke nach Workuta und zurück und ist dazu 7 Tage unterwegs, dann 3 bis 4 freie Tage, um wieder für 7 Tage auf Fahrt zu gehen. Dafür bekommt er im Monat 300 bis 400 Euro ...
Dazu hat er morgen eine Vorbereitungsprüfung. Am 10. geht er das erste Mal auf Dienstreise.
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Mo. 8. Juni - Kostroma - Volgorechenzk

Beitragvon kashiraja am Di 07.07.2015 14:47

Wir fahren am Morgen nach Kostroma, und während Pawel die Prüfung schreibt, schaue ich mir den interessanten an der Wolga gelegenen Stadtkern mit viel Markttreiben an. Zum Abschluss lese ich mir noch eine Freilichtinformationstafelreihe zum Zweiten Weltkrieg durch, am 9. Mai war ja 70. Jahrestag des Sieges. Das wurde groß gefeiert und derartige Ausstellungen, teilweise Überbleibsel dieser Feier, die aber sicher Jahre stehen bleiben, findet man in jeder größeren Stadt. Es tut gut, mal die andere Blickweise kennenzulernen: Von vielen Heldentaten und kleinen Siegen wird berichtet, »The winner takes it all.«

Weil ich fühle, dass hier noch nicht alles herausgeholt ist, fahre ich den jungen Mann und seine 4 Jahre jüngere Schwester um 14:00 Uhr wieder zurück nach Volgorechenzk.

Volgorechenzk ist eine 17 000-Einwohner-Stadt, besteht aber nur aus eintönigen fünfstöckigen Plattenbauten, einigen Geschäften (hauptsächlich Lebensmittel mit vergleichbarem Angebot) und in der Mitte ein Haus der Kultur.

Bis wir nach dem Essen immer noch in Fabriknähe zur Wolga fahren, ist es schon spät. Dort wo die richtige Natur beginnen würde, führen nur sehr schlechte Wege hin. Am Abend kommt noch ein Freund in die Wohnung und wir sehen beim Essen wieder einen Film an.

Die beiden sind sehr locker drauf und ziemlich tiefsinnig. Beide haben sich mit Carlos Castaneda beschäftigt, kennen Osho und zeigen sich auch für die »Autobiographie eines Yogi« aufgeschlossen. Deshalb überlasse ich ihnen mein russisches Exemplar. Die Englischkenntnisse der Russen auch mit höherem Abschluss sind meist ziemlich dürftig. Deshalb sind sie auf die spirituelle Literatur angewiesen, die bereits übersetzt ist, und die scheint nicht so üppig zu sein, obwohl der Sophia-Verlag bei Übersetzungen ziemlich aktiv zu sein scheint.

Ich verstehe ganz gut, was sie erzählen, kann mich aber, wenn es in die Tiefe gehen soll, nur schlecht ausdrücken.

Wenn ich mich hier mit diesen spirituell aufgeschlossenen Jungs unterhalte, tritt alles negative in Russland, das mir bisher aufgefallen ist, in den Hintergrund.
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Di. 9. Juni - Jaroslawl

Beitragvon kashiraja am Di 07.07.2015 15:10

Ich mache nur 10 dieser Shibendu Kriyas dritte Stufe (Samantrak) und die Technik entfaltet schon ihre volle Kraft. Da kann ich mich bei 200 wieder auf etwas gefasst machen ...
Angesichts dessen kann ich aus der Buchführung zu den Techniken einiger Russen (Guruji hatte sie gezeigt), die lückenlos von 10 bis 200 keinen Tag pausiert haben und danach noch munter ohne Unterbrechung auf der Stufe von 200 weitergemacht haben, nur daraus schließen, dass die Techniken bei den meisten ganz anders wirken als bei mir.

Sehr wahrscheinlich fehlt ihnen die Vorbereitung durch die SRF, die FYÜ und andere Techniken, die bei mir zu einer ganz anderen Aufnahmefähigkeit geführt haben. Es gibt leider noch keine Lehrbriefe in russisch und auch für Übersetzung der FYÜ-Lektionen hat sich in Russland noch keiner gefunden. Das ist ebenfalls symptomatisch. Und ich mache mir Gedanken darüber, wie ich eine Übersetzung der FYÜ-Lektionen anstoßen könnte.

Pavel begleitet mich noch nach Jaroslawl, weil er dort Rollerskaten will. Wir sprechen viel miteinander und ich gewinne noch einige interessante Eindrücke.
Weil er persönlich oder über Ecken keinen aus der Armee kennt, der in der Ukraine oder auf der Krim mitgekämpft hat oder mitkämpft, glaubt er nicht, dass sich Russen an den Kämpfen beteiligen.
Außerdem hat er ganz falsche Vorstellungen von unserem gesellschaftlichen Leben und unseren politischen Verhältnissen. Er projiziert mehr oder weniger die eigenen Verhältnisse auf den Westen, nur wären bei uns die Politiker nicht so korrupt, von der breiten Bürgerbeteiligung und den öffentlichen Diskussionen von allem, was politisch oder gesellschaftlich im Land geschieht, hat er keine Ahnung. Auch geht er davon aus, dass bei uns wie bei ihnen der Unterschied zwischen Stadt und Land gleich krass ist.

Wir gehen noch gemeinsam in eine Pizzeria essen, in der es auch russische Gerichte gibt. Die russischen Gerichte sind an Einfachheit nicht zu Überbieten, das eben, was früher die Leibeigenen gegessen haben. Die Pizzen sind auch ganz anderes als bei uns, der Teig ganz dünn, ohne Rand und auch kein Pizza-Teig, aber Pawel sagt mir, so müsse eine Pizza sein ...
Auch dieser ziemlich aufgeklärte junge Mann ist in Bezug auf viele Dinge im Westen ziemlich desorientiert, aber zumindest weitgehend aufgeschlossen. Andererseits haben ja auch viele bei uns keine Vorstellung davon, wie es in Russland wirklich zugeht und jeder schließt von seiner Welt auf die andere. Genauso ist es ja auch im Umgang mit anderen Menschen, dass man zunächst davon ausgeht, dass der andere so funktioniert, wie man selbst – zumindest geht es mir immer so.

Als ich ihm versuche, etwas zu erklären, wie die Verhältnisse bei uns wirklich sind, äußert er den Wunsch, mal in den Westen zu reisen. Dazu bräuchte er aber zumindest etwas bessere Englischkenntnisse. Der Prozentsatz der Russen, auch der jugendlichen mit höherem Schulabschluss, die einigermaßen gut Englisch beherrscht, scheint mir sehr gering. Dabei wurden die Russen immer für ihre Sprachkenntnisse gerühmt. Das gilt aber wohl nur für Reiseführer und Lehrer ...

Der Fernseher ist das erste Medium der Bildung und Unterhaltung. Radios werden kaum genutzt und dann auch nur die Musiksender.
Obwohl ich immer Ausschau danach halte, habe ich seit Moskau keinen Buchladen mehr gesehen ...

Jaroslawl mit knapp 700 Tausend Einwohnern hat viele Kirchen in einem schönen historischen Stadtkern. Die Stadt zeichnet sich durch schöne Uferanlagen zur Wolga hin, Fahrradwege, Anfänge der Mülltrennung (Getränkedosen oder Flaschen) aus. Auch ein alternativer Informationssender, Echo Moskwü, ist hier gut zu empfangen. Es scheint also sehr von den Kommunen selbst abzuhängen, wie weit sie fortschrittliche Elemente umsetzen. Außerdem scheint mir inzwischen eine Verbindung erkennbar: Je mehr Kirchen, desto gepflegter, desto mehr kümmern sich die Menschen, desto bewusster sind sie.

Auch zum Zweiten Weltkrieg gibt es hier umfangreiche Informationstafeln an verschiedenen Orten.
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Mi. 10. Juni Yaroslawlya, Bemerkungen

Beitragvon kashiraja am Di 07.07.2015 15:40


Ich schau in mehrere Kirchen, (in einer fällt mir das Smartphone aus der Hose – ich bekomme es wieder. Das muss ich schon feststellen: In Russland ist mein Sicherheitsgefühl sehr hoch). Ein heruntergekommenes Kloster, in dem die Spuren früherer reichhaltiger Bemalung nur noch an einzelnen Stellen zu erkennen sind, wird wieder aufgebaut. Mehrere Kirchen sind nur als Baudenkmäler erhalten und nicht zugänglich.
In der großen, wunderschönen Kirche Iljja Proroka, in der kein Flecken Wand unbemalt ist und die sich nur erhalten hat, weil es zum Museum umgewandelt wurde, ist eine sehr starke Energie zu spüren.

Die »richtig lobpreisende« Kirche scheint mir in dem Land gute Arbeit geleistet zu haben und noch heute zu leisten. Mit der Bekämpfung von Kirche und Religiosität haben sich die Kommunisten ihr eigenes Totenbett gezimmert. Im Vergleich zu dem, was die Kirche in großer Breite und im ganzen Land leistet, ist die Kriya-Yoga-Aktivität dort nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Russland scheint mir also nicht nur in der gesellschaftlichen Entwicklung, auch in der spirituellen 40-50 Jahre hinterherzuhinken. Mit der starken Position, die die Kirche in Russland inzwischen einnimmt, ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich daran was ändert.

Diese 40-50 Jahre Unterschied in den Entwicklungen ist die Ursache für den herrschenden Konflikt und das gegenseitige Unverständnis zwischen Russland und den westlichen Ländern. Was für die eine Seite gerade richtig und passend ist, ist für die andere gerade nicht ganz stimmig.

Auch von den zahlreichen Infotafeln zum 70-jährigen Jubiläum des Sieges im großen, vaterländischen Krieg lese ich. Für viele sind die Kriegsteilnehmer inzwischen Urgroßväter. Hier wird von den Schicksalen von Leuten aus der Gegend berichtet und was Yaroslawlya zum Kampf beigetragen hat. Die andere Sichtweise macht das Bild erst komplett. Für die Deutschen ist der Krieg gern der Blitzkrieg. Die Russen behandeln den siegreichen Marsch nach Berlin ausführlicher.

Die religiösen Russen haben die Angewohnheit, sich zu bekreuzen, wenn sie an einer Kirche oder Kreuz vorbeikommen, oder wenn die Kirchenglocken erschallen.

Für den normalen Russen scheint die Natur nur der Ort zu sein, an dem man seinen Müll entsorgen kann oder man will an einen See oder Fluss oder in die Datscha, um zu angeln oder der Erde etwas abzutrotzen und so sein kärgliches Einkommen ein bisschen aufzubessern. Wenn man es schön haben will, träumt man auf der Krim. Ein Naturbedürfnis in der Form, dass man sich einfach still in reiner Natur aufhalten will, um zu wandern oder spazierenzugehen, scheint der Russe viel weniger zu kennen, als wir das hier in Deutschland gewohnt sind. Wanderlust, Wandern scheint ihm kein Begriff zu sein. Man geht zwar spazieren. Ob das aber zwischen Müll, Trümmern und Gestank ist, scheint wenig Unterschied zu machen. Naherholungsgebiete Fehlanzeige. Pawel meint, dass sich viele Russen am Wochenende einfach immer noch nur betrinken .... Sehr wahrscheinlich wird auch viel fernsehgeschaut. Auch Pawel machte den großen 60 Zoll Flachbild-Fernseher in der Wohnung seines Vaters gleich an, sobald er wach geworden war. Internetverbindung, die es auch geben soll, bringt er nicht hin.

Es ist zwar einerseits ermutigend, dass Pawel in einer Umgebung, die Rudolf Steiner vielleicht als tödlich für die seelische Entwicklung eines Kindes bezeichnen würde (die ganze Zeit in dieser trostlosen Umgebung gelebt), trotzdem zu sehr aufgeklärten Ansichten gefunden hat. Aber ein bisschen mehr westliche Werte würden den Russen sicher auch nicht schaden ...

Was mir überall aufgefallen war:
95 % ausländische Autos, davon zu 80% asiatischer Herkunft (Korea, Japan, China) sehr wenige deutsche Autos, Lastwagen weniger ausländisch, da sind noch viele uralte Dreckschleudern unterwegs ...

Am Abend fahre ich noch weiter nach Rybinsk. Die Hauptstraße säumen Häuser im vorsowjetischen Stil, von denen einige bereits restauriert sind, viele noch die Spuren langer Vernachlässigung tragen. Auch eine gepflegte Uferanlage. Entfernt man sich von der Stadtmitte, kommt man bald in die Trostlosigkeit sowjetischer Quadratbauweise in üblen Erhaltungszustand ...

Ich übernachte zentral neben der großen Kirche.
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Do. 11. Juni Rybinsk - 300 km vor Peter

Beitragvon kashiraja am Mi 08.07.2015 17:02

Und kann am Morgen neben meinen Arbeiten und der Mahlzeit schön dem Treiben am Platz zusehen.

In der Kirche eine amüsante Szene: In Jaroslavel stand an manchen Kirchen, dass der Gebrauch von Telefonen in Kirchen verboten ist. Hier wird gerade eine Art Andacht zelebriert. Ich bin gerade dabei, die Energie zu testen, da erklingt ein Telefon und die Andacht verstummt, der Priester spricht und ich denke schon, dass er jemanden zurechtweist. Als ich die Augen öffne, sehe ich, dass der Priester etwas zur Seite getreten ist und sein Telefongespräch hält. Als er fertig ist, geht es weiter mit der Andacht ...

Auf der Weiterfahrt wieder sehr schlechte Straße. Bei uns gibt es einen Aufschrei der Nation, wenn irgendwo ein paar Schlaglöcher auftauchen. Hier scheint es, dass viele Straßen nur aus Schlaglöchern bestehen. Ich biege bald in den Wald ab, als die Straße eng an der hier breiten Wolga vorbeigeht. Den Kilometer zum Wasser laufe ich, weil der Weg für mein Auto nicht zumutbar ist, leider wieder Müll, Müll, Müll. Russland das Land des Mülls. Woher kommt das? Vermüllt man bei uns weniger, weil man sich wegen der Enge mehr auf die Finger schaut ... Am Ufer ein sehr starker Wind, über den sich jedes Windrad gefreut hätte. Russland ist aber natürlich nicht interessiert an sauberer Energie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Russland irgendetwas zur CO2 Reduktion beiträgt. Auf der Weiterfahrt sehe ich streckenweise Ansammlungen rauchende Industrieschornsteine wie bei uns Windparks stehen.
Was für ein Land, ich hab’s immer noch nicht verstanden und das Verständnis fehlt mir auch, wie sich so ein Land als Großmacht aufmanteln kann. Ein Verständnis habe ich eher dafür gewonnen, wie die Nazis darauf kommen konnten, Lebensraum im Osten erschließen zu wollen. Diese Idee ist mir bisher immer als absurd vorgekommen. Nachdem ich aber sehe, wie viel Land hier brachliegt, versumpft ist, wie dünn besiedelt es ist und wie Russland mit seinem Zuviel an Land umgeht, verstehe ich die Idee, die dahinter steckt und sie ist nicht mehr so weit hergeholt. Bei uns zertreten sich die Leute und hier sind weite Landstriche auch auf Breitengraden, die bei uns dicht besiedelt sind, völlig unbesiedelt und unerschlossen. Das sind jedoch nur Gedankenspiele des Verstandes. Gott hat offensichtlich etwas ganz was anderes vor und kümmert sich um die kleinlichen Urteile der Menschen wenig. Wenn wir Hitler etwas zu danken haben, dann das, dass derartige Ideen und das Handeln danach, weithin als Unsinn angesehen werden. Genauso wie wir den Kommunisten und den ehemaligen sowjetischen Völkern danken müssen, dass sie sich für das Experiment einer sozialistischen Gesellschaft ohne Gott hergegeben haben und das alles bis zum bitteren Ende durchspielten, sodass heute jeder seine Schlüsse daraus ziehen kann und sich belehren lassen kann und derartige Ideologien keine massenhafte Verbreitung mehr finden.

Das Wetter seit einer Woche sehr kühl. Die Temperatur kaum einmal über 20 Grad und immer ein kalter Wind. Da hab ich mir grad zum richtigen Zeitpunkt eine Glatze scheiden lassen ...

Wegen der Kühle und regnerischem Wetter fahre ich noch bis rund 22 Uhr weiter. Noch 300 km bis St. Petersburg. Den Namen der ehemaligen Hauptstadt haben sie umbenannt. Straßennamen und Kreisnamen sind die alten geblieben. So gibt es hier Leningradskaja Straße und Bezirk. Es stehen auch noch viele Lenindenkmäler – es sind halt auch die Ideale und Personen, auf die dieses Land stolz ist und von denen sich dieses Land leiten lässt, die nicht ganz so ideal sind.

Anna Karenina, sehr gut erzählt, aber doch nur eine Liebesgeschichte mit moralischem Fingerzeig. Der Spieler von Dostojewski der Idiot, der Revisor, Eugen Onegin. Dagegen bei uns: Die Räuber, Götz von Berlichingen, Faust, Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre, eine ganz andere Ausrichtung, die auch unser Denken ganz anders prägen.

Aber Hauptsache es ist das Eigene und nichts Fremdes. Ein groß angelegtes Lehrstück, was Dünkel mit einem ausrichtet. Dieses Land hätte es sehr nötig, viel von anderen Ländern zu lernen. Aus Großmannssucht, Selbstüberschätzung und falschem Dünkel schottet man sich ab und lebt im gewohnten Trott weiter. So kann man natürlich auch leben. Doch leider hält man damit den Verkehr auf, d. h. die Entwicklung in anderen Ländern, die gerne aus dem Sumpf herauswollen, in dem sich Russland so gerne suhlt und sich dabei ständig selbstgefällig auf die Schulter klopft.

Eine andere, vielleicht wohlwollendere Sichtweise ist die: Russland hat im Entwicklungsplan der Erde die Aufgabe übernommen, das Experiment des Kommunismus bis zum bitteren Ende durchzuexerzieren. Das war nötig und ein Dienst an der Weltgemeinschaft. Unter den Altlasten dieses zum Scheitern verurteilte Experiments, das 70 Jahre negative Entwicklung bedeutete, leidet das russische Volk noch heute und es hat alles Verständnis und guten Willen verdient, dass man versucht ihm zu helfen da herauszufinden und herauszukommen. Doch es ist schwierig, da der Kommunismus sichtbar und unsichtbar (in den Köpfen) mehr Schaden angerichtet hat, als wir im Westen vermuten.

Ich fahre auf eine der wenigen abzweigenden Straße, um vom Lärm der Hauptroute wegzukommen und dort rund 30 m in einen Waldweg, bis mein Auto in einer etwas nach unten geneigten Schieflage ist. Beim Reinfahren hab ich schon die große wilde Müllhalde bemerkt, die wie nicht anders zu erwarten, auch hier wieder die Natur schmückt.
Das ekelt mich an, ich bleibe aber trotzdem stehen, weil hier wieder rauszukommen, gar nicht so leicht ist und es zweitens schon ziemlich dunkel ist.
Warum ekelt mich das an, wo ich sonst vor so ziemlich gar nichts Ekel empfinde, und warum rege ich mich darüber auf? Wahrscheinlich, weil ich das als persönliche Beleidigung empfinde, wenn man in der Natur nicht verrottende Abfälle hinterlässt. Wenns nur nicht verrottende Abfälle sind, dann verhält sich das im Grunde nur wie anorganisches Material, sieht zwar hässlich aus und hindert die Natur beim Sprießen, schadet aber im Grunde auch nicht, so hoffe ich zumindest. Hier sind aber auch noch halb volle Farbeimer entsorgt. So ist anzunehmen, dass sich diejenigen, die vermüllen, keine Gedanken darüber machen, was giftig ist und was nicht, was einmal im Grundwasser wieder zum Vorschein kommt ... Aber in dem riesigen Land verdünnt sich ja alles. Trotzdem ist das Wasser in Moskau und Nishni Nowgorod gechlort.

In Russland gibt es noch viel zu viele verfallene Kirchen. Gott wird Wege finden, auch Russland aus seiner Umnachtung herauszuführen. Aber er braucht dazu die Gehirne und Körper der Menschen.

Im Allgemeinen kommt es mir so vor, als seien die Männer hier männlicher, die Frauen weiblicher als bei uns.

Deshalb fahren die Russen wohl auch gern nach Indien, weil sie sich dem Chaos dort immer noch überlegen fühlen können. In Russland klappt zumindest die Stromversorgung.
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12. Juni – Ladoga See

Beitragvon kashiraja am Mi 08.07.2015 17:25

Gestern Abend bin ich so weit gefahren, bis ich klaren Himmel über mir hatte, nun ist es wieder regnerisch und kalt. Nur gut, dass ich nicht meinen Sommerschlafsack sondern meinen warmen eingepackt habe. Andernfalls würde ich hier ziemlich frieren. Die Nacht war wieder sehr kalt und auch jetzt noch, sodass das Bedürfnis, mal in einem Fluss oder See, an denen ich immer wieder mal vorbeikomme, zu baden, sich nicht sehr bemerkbar macht. Auch das Duschen mittels Wasserflaschen und sogar das Toilettegehen in der Natur bereitet Probleme, weil man sofort von Horden von Stechmücken umgeben ist, die einen anfallen. Deshalb ist der angenehmste Ort im Auto, das tagsüber immer etwas aufheizt und wo ich die eingedrungenen Stechmücken händisch dezimieren kann.
Es ist schon nach 15 Uhr, als ich noch einen kleinen Erkundungsgang in den Wald mache und dann fluchtartig den Ort verlasse. Gejagt von den Stechmücken, gerate ich beim Zurückstoßen wirklich in den Müll, weil ich zum Zurückschaun wegen der Mücken die Tür nicht öffne, bleibe im Müll stecken und muss diesen umschichten, um herauszukommen.

Auf der Weiterfahrt nach Novaja Ladoga bleibe ich mehrmals kurz stehen, einmal an dem Ort, bis zu dem die Deutschen im November 41 vorgedrungen waren. Da gibt es auch ein Museum, das allerdings schon geschlossen hat. Nirgends ist es einladend, mal eine Lesepause durchzuführen.

Novaja Ladoga verpasse ich, weil die Verkehrsführung völlig ungewohnt ist und die Beschilderung nicht ausreichend und um doch noch an den See zu kommen und nicht zu weit in Richtung St. Petersburg oder Peter (gesprochen Pieter, wie die Russen kurz sagen) zu kommen, biege ich dort mal nach Norden ab, wo es vielversprechend scheint, dass da ein Zugang zum See ist. Dort wo die Straße nah am See vorbeiging gab es keine Wege. Hier beginnt erst mal eine riesige Datschenkolonie mit schätzungsweise 1000 bis 2000 Datschen. Das zieht sich kilometerweit hin und ich steige schließlich aufs Fahrrad um, als die Weiterfahrt nach Norden durch einen Schlagbaum behindert wird. Die Datschensiedlung hört auf, dann kommt ein Kanal, Wald und schließlich ein rund 10 Meter breiter Fluss, der nach Westen fließt und die Weiterfahrt verhindert. Bei den vielen Mücken ist an ein Durchschwimmen nicht zu denken. Da mir zwei Jungs gesagt hatten, dass in dieser Richtung der See sei und ich schon etwas davon überzeugt bin, dass von der Datschensiedlung so nah beim See auch ein Zugang zum See sein müsse, fahre ich noch ein, zwei Kilometer den Fluss entlang nach Westen. Erst als der Uferweg, der wohl nur von Anglern genutzt wird, immer unpassierbarer wird, kehre ich um.

Wieder zurück hinter dem Kanal entschließe ich mich, noch einen der Funktürme hochzuklettern, um den See zumindest aus der Ferne sehen zu können.
Es ist ein bisschen windig, doch die Luft ist Gott sei Dank lau geworden und ich kann bis obenhin klettern. In der Ferne bei St. Petersburg ist gerade ein Feuerwerk am laufen und vor mir nach Norden breiten sich in der Dämmerung die Uferlandschaft und der See aus, die bald hinter dem Fluss beginnen.
Ich genieße die Aussicht rundherum, mache noch Fotos und als ich auf die Uhr sehe, ist es schon gleich Mitternacht. Dunkler wird es wohl nicht. Die Zeit der weißen Nächte ist schon gekommen.
Weil es schon so spät ist, versage ich es mir, noch einen weiteren Versuch zu starten, in Ufernähe zu gelangen.
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Sa. 13.6.14 – Schlüsselburg

Beitragvon kashiraja am Mi 08.07.2015 17:41

Am nächsten Morgen während der Meditation bewegt sich ein panzerartiges Geräusch auf mein Auto zu und da ich noch nicht richtig in die Meditation reingekommen bin, lasse ich mich dazu verführen, die Augen zu öffnen und zu beobachten. Heute ist Samstag, doch in Russland scheint es kein Wochenende zu geben, Samstag, Sonntag, alle Arbeiten scheinen auch an diesen Tagen weiterzugehen. So kommt ein Bagger auf mein Auto zu, das ich am Eingang eines Weges abseits der Datschenanlage nach Norden abgestellt habe und da ich angenommen hatte, dass da sowieso niemand durch will, versperrt mein Auto den halben Weg. Der Bagger will offensichtlich vorbei, rangiert ein bisschen, zögert nicht lang und fährt in etwas Schieflage, dass ich schon befürchte, er würde gleich in den daneben verlaufenden Entwässerungsgraben kippen, knapp an meinem Auto vorbei. Ich führe meine Meditation fort, doch möglicherweise wegen dieser unerlaubten Unterbrechung, bin ich danach ganz anders drauf, hab zur Halbzeit meiner Reise zu nichts Lust und lege mich immer wieder Schlafen, bis ich wieder Gefallen am schreiben und Übersetzen finde. Heute an diesem strahlend sonnigen und warmen Tag brauche ich bis um 14 Uhr, bis ich schließlich meine Arbeiten abgeschlossen habe, um in den Tag zu starten.
Der Bagger ist den ganzen Tag beschäftigt offensichtlich zur Erweiterung der sowieso schon riesigen Datschenanlage einen Weg durch das sumpfige Gelände nach Norden zu bahnen, also dahin, wo der Lärm der vorbeiführenden Hauptverkehrsstraße schon ziemlich groß wird.

Ich starte noch einen Versuch, bis zum See vorzudringen, gebe es dann auf, wasche mich an einem elektrischen Brunnen und fahre weiter nach Schlüsselburg.

Schlüsselburg ist schön am Ladoga-See gelegen, zeigt noch Spuren ihrer einstigen Bedeutung und Schönheit, ist jedoch völlig heruntergekommen (Schuld daran sind hier wohl auch die Deutschen, die hier wie vielerorts nur Verwüstung zurückgelassen haben, allerdings muss man sagen, dass es dort, wo die Deutschen nicht waren, in der Regel nicht weniger trostlos aussieht.) Die Stadt ist noch überhaupt nicht für den Tourismus erschlossen. Auf einen ausgedienten Kran finde ich einen Platz mit schöner Aussicht auf See, verfallende Festung und Sonnenuntergang und lese hier einige Stunden in Anna Karenina. Bei der Meditation braucht man keine schöne Aussicht, man ist ja nach innen gekehrt. Doch beim Lesen sich immer wieder mal an einer schönen Aussicht zu erfreuen und immer neue Details zu entdecken, ist etwas Wunderschönes.

Die Sonne geht sehr langsam unter. Um 22 Uhr ist sie dann verschwunden.

Viele Russen laufen in Armeekleidern rum.
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Sonntag, 14. Juni – St. Petersburg

Beitragvon kashiraja am Mi 08.07.2015 20:45

Wohl wegen der Vorfreude auf St. Petersburg bin ich am nächsten Tag schon um 10 reisefertig, besuche noch eine Gedenkstädte zur Sprengung des Blockaderings am 18. Januar 1943 und fahre dann auf die Stadt zu, in der ich vor gut 26 Jahren schon einmal war.

Seit drei Tagen habe ich kein Internet mehr, was sich schließlich aber als Wohltat herausstellte, endlich mal wieder so untertauchen in der Ferne, wie zu den Zeiten, als es noch kein Internet gab, oder nur alle paar Wochen mal ein Besuch im Internetcafé anstand.

Nun hätte ich es aber doch recht gern, da ich ohne Google Maps ziemlich orientierungslos bin und die Russen hier das Wort Zentrum nicht zu kennen scheinen. Als ich befürchte, schon wieder aus der Stadt herauszufahren, stelle ich das Auto neben einer Brücke ab und fahre mit dem Rad weiter.

Als ich nach 10 - 15 km in das historische St. Petersburg komme, ist das wieder eine ganz andere Welt. Zunächst bleibe ich lange an einem Markt hängen, an dem es heute am Sonntag zugeht, wie wohl an jedem Wochentag. Es ist alles etwas aufgeräumter, das Treiben erinnert aber an einen arabischen Souk oder indischen Basar. Das ist nicht der einzige Markt, an dem es heute zugeht. Auch Banken und Geschäfte haben offen. Das ist zwar einerseits von Vorteil: Ich kann mir meine neue SIM-Karte besorgen, in Buchläden schmökern und Geld in einer Bank wechseln. Ich bedauere aber die Menschen, die auch am Sonntag auf das bisschen Kundschaft warten müssen. Es geht mir die Ruhe und Beschaulichkeit eines Sonntags ab, wie ich ihn von Deutschland her kenne. Das ist auch ein Stückchen Kultur, dass man zumindest mal einen Tag von dem materialistischen Treiben lässt und darauf verwiesen wird, dass es auch noch was anderes in der Welt gibt.

Das Angebot auf dem Markt zeugt jedoch von keinem Mangel an Obst und Gemüse. An die 100 Stände, die so ziemlich dasselbe zu vergleichbaren Preisen anbieten, überall stapelt sich das Angebot hoch. Da wird wohl vieles nicht verkauft werden können.

Daneben wird auch Kleidung, Gebäck, Fleisch angeboten. Das Preisniveau ist eher niedrig. 10 Rubel für eine Pirogge. Da kommt plötzlich Hunger auf und ich schlage mich mal wieder so richtig voll.

Das Wetter ist leider schon wieder schlechter geworden und, da ich einen Platten gefahren habe, halte ich mich lange in Buchläden auf, die riesigen Entfernungen dieser Stadt zu Fuß überwinden zu wollen, das versuche ich gar nicht.

In einem sehr großen Buchladen am Newskii Prospekt frage ich nach der »Autobiografie eines Yogi«, weil ich mir das Buch gerne wiederbesorgen würde. Eine Buchhändlerin erklärt mir, man habe nur die neuesten Bücher und, da die Autobiografie schon 2008 erschienen sei, solle ich in Antiquariaten oder Bibliotheken nachfragen. Bestellmöglichkeit scheint es also nicht zu geben. Amazon hat in Russland auch nicht Fuß fassen können. Der Internethandel boomt zwar inzwischen auch in Russland, doch angepasst an die dürftige Infrastruktur läuft er ganz anders ab, als bei uns bekannt. Eine Zustellung nach Hause scheint es nicht zu geben. Man muss die Produkte in Geschäften abholen.

Auf dem Nevskii Prospekt wimmelt es von ausländischen Besuchern und die Russen hier haben sicher gar keine Ahnung von dem vielen Müll, der zwischen den Städten in der Landschaft entsorgt ist. Es scheint mir, dass vielleicht viel Russen so in ihrem Land herumgekommen sind, wie ich.

Wenn man aber weiß, dass der Müll sowieso nur auf Müllkippen landet, dann liegt der Gedanke wohl auch nahe, dass man gleich an Ort und Stelle eine kleine Müllkippe aufmachen kann. Ich habe kein Interesse meinen Müll in diesem Land irgendwo zu entsorgen und nehm ihn lieber mit über die Grenze. Wie immer sammle ich auch hier herumliegende Batterien auf und nehm sie mit nach Deutschland.
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Mo., 15.6. – Petersburg bei Regen

Beitragvon kashiraja am Mi 08.07.2015 21:05

Heute wieder mal Regenwetter und ziemlich kalt. Die Regenwolken verziehen sich erst ab 17 Uhr. Es bläst aber ein so kalter Wind, dass ein gemütliches Lesen im Freien nicht möglich ist. Die Kirchen sind so ziemlich alle in Museen umgewandelt. Zu irgendwelchen Museumsbesichtigungen hab ich keine Lust. Die wichtigsten Museen hab ich vor 26 Jahren schon besucht. So mache ich eine Orientierungsfahrt durch die Innenstadt, zur Peter-Und-Paul-Festung und wieder zum Markt von gestern. Mit dem Rad schmelzen die Entfernungen ganz schön zusammen und bald weiß ich mich zu orientieren und habe zumindest von außen alles gesehen. Die 20 Metro Jetons hab ich wohl zu voreilig gekauft (es hieß, man müsse für Gepäck ein extra Jeton einwerfen, hält sich aber niemand dran), so fange ich an, davon zu verschenken. Morgen Abend werde ich weiterfahren nach Peterhof, das ist schon fast beschlossene Sache.

Dann verbringe ich wieder viel Zeit in dem Buchladen, wo ich nach langer vergeblicher Suche auch eine ganze Reihe an Yoga-Bücher unter der Rubrik östliche Medizin und Fitness finde.

Unter den Yoga-Büchern finde ich ein sehr interessantes: die russische Übersetzung eines 2013 in den USA erschienenes Praxisbuch zu Kriya-Yoga von Stevens, in dem alle Techniken bis in die höchsten Einweihungsstufen detailliert beschrieben sind. Das ist etwas, das gut in mein Verlagsprogramm passen würde, denke ich, und ich leite gleich Schritte ein.
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