Pilgerreise nach Indien

Zum freien Austausch der Yogis untereinander über beliebige Sachverhalte

Mi, 19.12.12 - Glückliche Wendung

Beitragvon kashiraja am Do 20.12.2012 09:30

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop


Nachts um 2 wache ich auf, Meditation. Mir geht noch mal alles durch den Kopf, wie schön ich es mit meinem Smartphone hatte, das ich mir aufwendig für die Reise mit Apps und Daten ausgerüstet hatte, wie kaltblütig ich hintergangen wurde und wie ich hier in dem Ashram behandelt werde, wo man einerseits freundlich tut, wenn sie jedoch mal ein bisschen Verantwortung übernehmen sollen der Ofen schnelle aus ist. Da bin ich schon ein bisschen enttäuscht… Im Grunde brauche ich die Sim-Karte noch nicht, weil ich in 6 Tagen Wifi haben soll und hier zwei Stunden Internet-Cafe 30 Rupien kosten. Doch so erfährt man, mit was man es zu tun hat…

Ziemlich verlassen fühle ich mich in diesem Land, irgendjemandem muss ich immer vertrauen, ständig zu misstrauen und Furcht um seine Sachen zu haben, macht wenig Spaß und stößt viele sicher gerechterweise vor den Kopf. Hier könnte man die Kunst des Gedankenlesens auf jeden Fall sehr sinnvoll einsetzen… doch da bastle ich noch dran…

Außerdem merke ich, dass eine ziemliche Erkältung im Anflug ist und ich versuche gegenzusteuern… Wahrscheinlich hab ich durch das Aufregen zu viel Energie verschwendet und dadurch meine Abwehrkräfte geschwächt…

Aus irgendeinem Grund hat der Wecker wieder nicht geklingelt… Das muss ich bis Samstag hinkriegen, weil der einzige Zug nach Bodgaya um 6:35 abfährt….

Spät gehe ich am Morgen hinaus zum Lesen und setze mich dann in den Yogananda-Mandir um darin bis zum Mittagessen zu meditieren. Irgendwie bin ich doch ganz schön beleidigt und möchte am liebsten mit gar niemandem mehr hier reden. Ich könnte ja ein paar Schweigetage einlegen. Die Meditation ist gut und ich frage mich, ob ich überhaupt zum Essen gehen soll, was ich dann doch tue. Dort werde tritt man gleich an mich heran und fürchte schon, weil ich gestern etwas ungestüm gewesen bin. Doch dann sagt man mir, ich
solle gleich ins Büro gehen, weil dort ein Polizist warte, der meinen Diebstahl aufnehmen wolle. Ich gehe ins Büro. Dort ist kein Polizist. Doch wird gleich ein Bramacharja gerufen undr gesagt, dass ich eine neue Sim-Karte bekommen werde, ich solle aber erst mal mit dem Polizisten sprechen. Ich weiß nicht, wo der Polizist sein soll, warte etwas vor der Tür und gehe dann wieder in den Speisesaal, wo mir gesagt wird, der Polizist warte im Büro des Gästehauses.

Der Polizist spricht kein Englisch. Was ich auf Englisch schon mal am Bahnhof niedergeschrieben habe, (die Kopie zeige ich vor) ist also wertlos. Der Gästebetreuer übersetzt und der Polizist in Zivil notiert auf Notizblock. Danach gehen wir gemeinsam zu Fußzum Printshop, wo ich 4 Ausdrucke machen lasse und zwei dem Polizisten aushändige.

Um 14 Uhr komme ich wieder ins Büro und dort erhalte ich wirklich ganz unbürokratisch vom Ashram eine Sim-Karte von Airtel und probiere damit gleich aus nach Hause zu Telefonieren, was funktioniert.
So hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst und ich hege sogar etwas Hoffnung mein Telefon wiederzubekommen. Mittagessen hab ich keins bekommen und da ich Frühstück und Abendessen abbestellt habe, wird das heute ein Fasttag, der erste seit der Yoga-Lehrer-Ausbildung, wird auch Zeit. Passt auch, ich hoffe der Erkältung damit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

6 Tage vergangen, steht also heute wieder das Hochladen von Tagebucheinträgen an. Die Internetverbindung über das neue Smartphone klappt nicht so gut, deshalb gehe ich nach der Meditation doch in das Internet-Cafe. Dort sehe ich, dass in Ranchi wirklich jemand mit Namen Ajay Ravi ein Facebook-Account hat (Bild eines Kindes) und mache etwas, was wohl nicht so klug ist: Ich sende eine Freundschaftsanfrage, fordere mein Telefon zurück und erzähle das mit Bild und Polizei: jetzt hat er genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten …. Mein altes Telefon hätte ich schon gern wieder zurück und würde das neue dafür gern dem Ashram schenken, da es obzwar moderner einige Schwächen hat (vor allem nur 6:9 Format für Bilder und Videos).

Der Mann vom Internet-Cafe erzählt mir, was hier als schnelles Internet angepriesen wird, sei auch nur eine 2 MBit starke Funkleitung..
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Do. 20.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 26.12.2012 17:32


In der Nacht schlafe ich schlecht, wache wieder mehrmals auf, meine, jemand sei im Zimmer, schaue, ob meine Wertsachen noch da sind… Das stört die Meditation, Die Erkältung wandert weiter hoch. Wecker klingelt, doch ich höre ihn nur. Keine Lust zum Aufstehen, mehrmals wieder Einschlafen. Gefühle der Schwäche (sicher auch, weil ich gestern nichts gegessen und getrunken habe). Rauer Hals. Um Zehn fühle ich mich genügend gestärkt und gehe hinaus in die Sonne zum Lesen. Im Zimmer ist es immer düster und dunkel.

Nach dem Mittagessen erfahre ich, dass die Polizei verlangt, ich solle den Tathergang noch mal auf Englisch schildern und zwar so, dass daraus eindeutig die Zuständigkeit der Polizei in Muri abzuleiten ist (genau Urzeit des Aufwachens am Morgen, des Entdeckens des Diebstahls). Weil mich der Gästebetreuer dazu drängt, stimme ich zu, muss jedoch noch ein Blatt Papier besorgen.

Dazu fahre ich in die Main Street (Hauptgeschäftsstraße, wo ich mit meinem Fahrradverleiher einen Deal aushandeln will: Ich kaufe ein neues Rad und er erlässt mir die Miete für das andere). Beim Warten auf denjenigen, der englisch spricht, sehe ich, dass in dem Gang, der neben dem Fahrradhändler in die Tiefe führt, eine Handy-Verkaufsbox, bestückt mit allen Arten von Smartphones, die man sich nur wünschen kann, neben der anderen angereiht ist. Ich hatte am Montag nach langer Suche endlich ein Handy-Geschäft gefunden, das auch Smartphones anbietet und gedacht, das Wenige, das die auf Lager haben, sei so ziemlich alles, was in Indien zu haben ist….. Ich sehe hier auch mein neues Smartphone und erfahre, dass es hier um 3000 Rupien günstiger angeboten wird….

Das Rad muss noch mit Schloss, Ständer und Gepäckträger ausgestattet werden, ich zahle gleich (3250 Rupien, inklusive um die Hälfte reduziert Miete für 3 Tage 150 Rupien) und kann es morgen abholen.Beim Rückweg zum Ashram drehe ich eine große Runde und sehe, welch große Ausdehnungen auch diese Stadt hat. Ich dachte, mit dem Rad würde ich mal vor die Stadt hinauskommen, hab das jedoch noch nicht erreicht. (ist auch kein Wunder, handelt sich um eine Millionenstadt).

Rechtzeitig und etwas verschwitzt komme ich zur großen Meditation von 17:30 Uhr bis 21:00 Uhr, die ganz gut besucht ist, rund 8 Frauen, 20 Männer.

Den Abend nutze ich, mich im Internet über Smartphones zu informieren. Zur Belohnung für die lange Meditation und wegen meines Gesundheitszustands esse ich Cashews, Obst und Datteln und habe dann Schwierigkeiten einzuschlafen….
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Fr. 21.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 26.12.2012 17:51

In der Nacht sehne ich mich nach den Teestationen bei Yoga-Vidya. Das einzige Warme, was man hier bekommt, ist manchmal die Dahlsuppe.

Weil ich mich nicht so gut fühle, beschließe ich, erst am Montag weiterzureisen. Dann kann ich auch die lange Weihnachtsmeditation am Sonntag mitmachen (außer ich hab Husten). Für Bodh Gaya bleibt dann zwar nur ein Tag, weil ich am 25.12. in Varanasi sein sollte. Doch wenn es in Bodh Gaya wirklich gut ist, kann ich von Varanasi auch noch mal für ein paar Tage zurückkehren.

Am Morgen setze ich mich bald hinaus in die Sonne und lasse meine Wasserflasche wärmen. Den Tathergang schreibe ich noch mal mit kleinen Ergänzungen ab (und erfahre, dass derselbe Beamte vom Mittwoch am Abend um 6 Uhr aus Muri mit der Bahn anreisen wird (für eine Strecke von 65 km mit dem Auto soll er 3 Stunden mit der Bahn brauchen…), um es entgegen zu nehmen. Das ist genau während der Meditationszeit, was mir gar nicht passt, weil mir, angesichts der primitiven Vorgehensweise und Verhältnisse, alle weitere Beschäftigung damit sinnlose Zeitverschwendung zu sein scheint. Doch der Gästebetreuer drängt mich dazu, damit das Ganze zu einem Ende gebracht wird.

Außerdem hat ein Mönch gesehen, wie ich mit dem Fahrrad aus und ein fahre. Ich solle doch immer sagen wo ich abbleibe und das Gelände nicht so oft verlassen, der Ashramaufenthalt sei vor allem zum Sadhana gedacht… Ich nutze ab jetzt ein drittes weiter entferntes Tor…

Nach dem Mittagessen mache ich einen Rundgang auf dem riesigen Ashram-Gelände, das sich schätzungsweise über 600 m*300 m ausdehnt. Reste des großen Sangams(indische Convocation) vom November sind noch zu sehen. Es scheint dass sie ein großes Zelt aufgestellt hatten, zwei große Haufen mit Bambusstangen….

Gestern hatte ich einem Mann, der offensichtlich jeden Tag in den Ashram kommt, eine Hose und ein Hemd zum Waschen und Bügeln mitgegeben. Bevor dieser um 3:30 Uhr kommt, hole ich das gekaufte Fahrrad ab und schaue in die Smartphone-Buden. Hemd und Hose sind schön sauber gewaschen und gebügelt, – 20 Rupien verlangt er für beides….

Am Abend sitzt derselbe Polizeibeamte mit seinem kindlichen Auftreten, der kein Englisch versteht, wieder hier und bekommt den Tathergang, wie ich ihn etwas präzisiert aufgeschrieben habe, vom Gästebetreuer noch mal erklärt. Als ich dann doch erwähne, dass ich schon in der Nacht beim Aufwachen bemerkte, dass der Beschuldigte nicht mehr neben mir auf dem Boden lag, heißt es, das sei sehr wichtig und ich solle die genaue Urzeit angeben und wo das war…. Jetzt haben die Herren wohl eine Beschäftigung herauszufinden, wer nun wirklich zuständig ist, in der Sache wurde noch nichts getan. Meine Vermutung, der Delinquent könne aus Ranchi stammen wird zurückgewiesen, das glaube man nicht, überprüft ist noch nichts worden….

Viel Zeit hab ich mit Entscheidungsfindung verbracht, ob ich mir noch ein anderes Smartphone kaufen sollte und das andere den Mönchen schenken. Denn leider ist von dem sonst ganz ordentlichen Smartphone die Photo und Video-Funktion trotz 5 Megapixel völlig unzureichend. Langfristig kann ich es also nicht gebrauchen und in Deutschland nur mit Verlust verkaufen. Für den Fall, dass meine Kamera ausfällt, hätte ich aber gerne eine Absicherung. Leider ist hier im IT Bereich alles sehr teuer (teurer als bei uns), es fehlt offensichtlich an Konkurrenz und Markttransparenz, Discountern. Ebay ist vorhanden, aber kaum entwickelt. Mein geklautes Sony Ericsson Xperia Neo V gibt es auch in einem der Boxen gebraucht (in keinem Top-Zustand), der Preis: fast das Doppelte, was bei geschicktem Steigern im deutschen E-bay zu erreichen wäre…
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Sa. 22.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 26.12.2012 18:17

Ich fühle, dass ich mich auf dem Weg der Besserung befinde und schlafe auch wieder einigermaßen gut. Nach einer ordentlichen Meditation ziehe ich das dritte Mal um. Diesmal in ein helles Zimmer im zweiten Stock. Wie immer keine Glasscheiben, Steinboden. WC und Dusche diesmal um die Ecke.
Heute steht nach vier Tagen vor allem wieder Duschen auf dem Programm. Der Schlachtplan ist schon ausgearbeitet: Ich fülle meine Wasserflaschen, lasse sie in der Sonne wärmen und hab damit eine einigermaßen warme Dusche. Meine Sandalen sind meine Badeschuhe.

Vormittags wie gewöhnlich auf dem Ashram-Gelände. Ich komme endlich wieder dazu mehr Hindi zu lernen und zu arbeiten. Nach dem Essen lasse ich Herrn Kundan (den Gästebetreuer) E-Mails von meinem Computer verschicken und erfahre, dass er zunächst 10 Jahre bei ISCON war. Als er durch die Autobiographie eines Yogi zum Meditieren kam, gabs Probleme, weil ISCON das Meditieren nicht erlaubt. Seit zwei Jahren macht er im Ashram Seva… Beim Samgam im November waren 2-3 000 Teilnehmer hier (wegen der Kumbha Mela auch viele aus der SRF). Im Ashram kommen 2-300 Leute unter, allerdings schlafen die dann Platz sparend in den Zimmern nebeneinander auf dem Boden. Er hat gestern beim Gespräch mit dem Polizisten den Eindruck gewonnen, dass die den Eifer nicht deshalb an den Tag legen, mir mein Smartphone wieder zu beschaffen. Foto, Namen und meine anderen Angaben können als mögliches Druckmittel dienen, Geld zu erpressen….

Dann Fahre ich endlich aus der Stadt heraus, schau ein wenig bei einer Schulweihnachtsfeier zu (es gibt in Indien sehr viele christliche Bildungseinrichtungen) und entscheide mich dann doch, dass Experia Neo zu kaufen, falls alles funktioniert. In der Smartphonebude teste ich alles durch und komme kurz vor Beginn der Meditation zurück in den Ashram.

Vor mir sitzt ein kleiner Junge von ungefähr 4-5 Jahren und vor diesem einer mit 7-8 Jahren. Von beiden höre ich während der Meditation keinen Mucks und keine Bewegung…

Danach mein neues, altes Telefon einrichten (nicht das neueste Modell, doch es hat alles, was ich brauche). Auf der Straße vor meinem Zimmer wird (wie üblich mit voll aufgedrehten Lautsprechern) Weihnachten gefeiert. Um selbst etwas in eine weihnachtliche Stimmung zu kommen, muss ich mir schon sehr viel Mühe geben…
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So. 23.12.12 8-stündige Weihnachtsmeditation

Beitragvon kashiraja am Do 27.12.2012 16:09

Wieder unruhige Nacht. Sehr kalt. Mein Schlafsack kann jedoch noch mithalten. Reduzierte Morgenmeditation und Einstimmung/Vorbereitung auf lange achtstündige Weihnachtsmeditation. Auschecken und Donation direkt beim Headmonk, weil ich ja Morgen schon sehr früh aufbreche.

Um 10:45 Uhr mache ich meine persönliche Asana-Routine, setz mich dann in den schon ziemlich gefüllten Dyana-Mandir. Fürs Wochenende und die Weihnachtsfeiertage sind viele Gäste angereist. Insgesamt sind so 25 Mönche/Bramacharis, 40-45 Frauen und Kinder und 55-60 Männer da. Rund 70 % sitzen auf dem Boden. Hinten gibt es auch Stühle.

Die ersten 4 Stunden mit jeweils rund 15 Minuten Gesang und Audioeinlagen (Vorträge/Ansprachen von Yogananda und Daya Mata) gefolgt von 45 Minuten stiller Meditation laufen sehr gut. Um drei gibt es eine halbstündige Pause, einige lassen es auch damit gut sein. Doch der überwiegende Rest stellt sich wieder ein und in gleicher Weise geht weiter bis um 7 Uhr. Ich bin der einzige Nichtinder….

Pranam zum Schluss machen zuerst die Mönche, dann Frauen und schließlich die Männer, das zieht sich. Als Prasad gibt’s eine Mandarine. Es scheint, dass die zwei Jungs von gestern und ein älteres Mädchen (14) und Junge die ganzen 8 Stunden dabei waren.

Ich komme ganz gut durch, auch wenn teilweise etwas holprig. Die 4. Stunde ist die beste, da bin ich von der Energie förmlich getragen. In der Pause mache ich dann Maha Mudra und das ist kontraproduktiv, weil offensichtlich die Energie dafür noch zu stark war.

Insgesamt aber ein sehr schönes Erlebnis, das nur durch den Schnupfen und Hustenreiz etwas getrübt war. Durch Disziplin beim Essen und reichliche Anwendung von Kechari II bin ich also doch in der Lage, mich einigermaßen (die Morgenmeditation hielt ich immer im Zimmer) und Gewinn bringend in den Tagesablauf einzupassen.
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Mo. 24.12.12 - Bod Gaya

Beitragvon kashiraja am Do 27.12.2012 16:19

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Trotz Kälte immer noch sehr viele Mosquitos. Alles andere bedeckt stechen sie ins Gesicht. Man sollte nicht zu träge sein, das Netz jedes Mal gut aufzuspannen.

Das Weihnachtsprogramm sieht heute im Ashram noch eine Meditation von 5:30 Uhr bis 8 Uhr und Morgen dem 25.12. eine besondere Puja vor. Ich muss jedoch erst noch die Nachwirkungen der langen Meditation verarbeiten. So passt es, dass ich weiterreise.

Der einzige Zug nach Gaya geht um 6:35 Uhr und ist wieder mal voll besetzt. Von einer Gruppe junger Burschen bekomme ich eine kleine Ecke zum Gang hin zum sitzen zugestanden. Die gewünschte Ruhe hab ich so nicht. Die Gruppe von jungen Männern fährt zufällig auch bis nach Gaya (und ich bekomme gleich ein komisches Gefühl..). Die Jungs haben die ganze Zeit einen Riesenspaß, von dem ich jedoch nichts versehe. Derjenige, der einigermaßen gut englisch spricht, erweist sich als sehr hilfsbereit und verschafft mir eine günstige Auto-Rikscha ins 12 km südlich gelegene Bodh-Gaya für 50 Rupien. Dort kaufe ich zu Essen, sehe die ersten Mönche, schau mich etwas um und nehme das erste günstige Zimmerangebot an (300 Rupien). Das Bad sieht aus, als habe seit 2 Jahren niemand mehr darin geputzt, obwohl es sonst ganz ordentlich ist. Deshalb will ich selbst etwas nachhelfen und merke dann, dass es eine Fehlkonstruktion ist: der Abfluss liegt höher als die Hälfte des Bodens. Deshalb steht ständig Wasser darin…

An der wichtigsten buddhistischen Pilgerstätte trifft man Buddhisten aller Schattierungen. Man zahlt zwanzig Rupien Eintritt und muss die Schuhe ausziehen, um in den tiefer gelegenen inneren Bereich zu dürfen…. Ich halte mich mehrere Stunden nur mit Socken auf dem Steinboden auf, was meiner Erkältung überhaupt nicht gut tut. Die Szenen dort reizen mich vor allem zum Photographieren.

Auf den äußeren Flächen um die Stupa herum sieht man Mönche und vereinzelt auch Leihen ihre Tausende von Niederwerfungen praktizieren. Manche umrunden die Stupa damit in engeren und weiteren Runden. In einem Kleinen Andachtsraum eines Nebengebäudes rasseln einige Mönche ihre Mantren herunter und als ich genauer hinschaue, sehe ich, dass sich fast ein jeder nebenbei entweder mit einem I-Phone 5 oder einem I-Pad beschäftigt, fotografiert, etc. . Als sie gegangen sind, setze ich mich zur Meditation hinein um mich etwas aufzuwärmen und etwas zu dösen/meditieren, bevor ich zur Meditation unter den Bodhi-Baum gehe.
Danach umrunde ich die Stupa auf den verschiedenen Umgängen. Kleine Mönchsschüler scheinen nur nach dem Wahrem (Barem) aus zu sein. Für die Letzte Umrundung kann ich die Schuhe wieder anziehen und komme noch am Teich und den Häusern mit den Butterlampen vorbei: Hunderttausende Butterlampen brennen vor sich hin. Die Glasscheiben sind heiß in eines dieser Hütten kann man auch gehen und selbst einige Butterlampen entzünden. Ich denke zuerst: welch sinnlose Verschwendung, denke dann aber an Weihnachten, entzünde selbst gut Hundert der Lichter und halte mich solange darin auf, bis ich wieder schön aufgewärmt bin. Das Ganze hat einigermaßen von Saunaqualität.

Typischerweise gibt es im Außenbereich viele Geschäfte mit Devotionalien und natürlich viele Bettler…. Ich kaufe vermeintlich günstig 5 CD’s für 500 Rupien und als ich damit völlig genügend zusätzlichen Balast habe, will man mir 7 CD’s für 200 Rupien nachschmeißen…

Vor dem Zubettgehen rufe ich noch nach Hause, wo gerade Bescherung ist. Ich erfahre, dass das Paket bereits seit einer Woche angekommen ist. Zehn Tage von Kolkata bis vor meine Haustüre ist gar nicht schlecht, doch völlig unnötig, weil ich es erst in 5 Monaten öffne….

Bilder: http://www.facebook.com/media/set/?set= ... 251&type=1

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Di. 25.12.12 Gaya-Varanasi

Beitragvon kashiraja am Do 27.12.2012 16:49

In der Nacht schlafe ich gut und es fühlt sich hier eigentlich ganz gut an, doch angesichts meiner Erkältung ist es besser, dass ich erst mal weiterreise.

Um 930 Uhr mache ich mich noch mal in Richtung Stupa durch Wohngebiete auf den Weg und komme auch durch Slum-artige Behausungen. Das Leben der Stadt erwacht nur allmählich. Von den Souvenir- und Devonotialienständen sind erst wenige aufgebaut. Ein Stand hat ein größeres Sortiment an Klangschalen. Ich erfahre, dass die von mir in Kolkata gekauften maschinell hergestellt sind. Ich habe dafür den Preis für handgefertigt bezahlt (fast das zehnfache)….

In einer Klosteranlage der Maha Bodhi Society mit Guesthouse frage nach Unterkunftsmöglichkeit: ich soll zwecks Anmeldung im Internet nachsehen, Bezahlung auf Spendenbasis…

Es ist trüb und meine Erkältung wieder stärker, deshalb gehe ich nicht in den Tempel und mache lieber einen Spaziergang in einen Stadtbereich, kaufe noch etwas Schmuck für meine Nichten und Möhren. An einer Stelle neben dem ausgetrockneten Flussbett läuft ohne unterlass ein lauwarmer, bei der Kälte dampfender Wasserstrahl…

Um 12:00 Uhr mit Sammelrikscha zurück zum Bahnhof. Der nächste Zug nach Varanasi fährt offiziell erst um 3:00 Uhr und hat noch eine halbe Stunde Verspätung. Ich kaufe im Bahnhofsbereich Kleinigkeiten und esse die Tomaten und diebköstlichen Möhren aus Bodh Gaya. Viele bettelnde Kinder. Ich sage wie gewöhnlich, sie sollen zur Schule gehen: Sie haben eine gute Ausrede, es sind Ferien. Die Kinder einer Schaustellerfamilie führen Kleinakrobatik (inklusive einiger schwieriger Asanas) vor… und sammelt Rupien ein. Das erste Mal, dass ich so etwas in Indien sehe, da ich keinen 50-iger zur Hand habe, gebe ich 100, den Gegenwert von 1,50 €, was ich in Deutschland auch gebe, wenn mir was gefällt. Das erregt Aufsehen. In solchen Augenblicken wird mir bewusst, dass ich zu den Privilegierten dieser Welt gehöre.

Der Zug ist ein richtiger Bummelzug und hält an jedem Mausloch. Das Gute ist, dass ich einen Platz zum Sitzen habe. In Indien wird die Zeit sowieso anders gemessen und da ich genügend zu lesen und arbeiten dabei habe, wird die Zeit zunächst nicht lang.

Am Bahnhof in Gaya hieß es gerüchteweise, der Zug würde 4-5 Stunden brauchen. Im Wagon scheint keiner zu sein, der Englisch spricht und ich probiere das erste Mal die Navi-App des Smartphones aus. Die funktioniert ganz gut. Nach 2 ½ Stunden haben wir rund 90 km zurückgelegt. Für die nächsten 130 km braucht der Zug 4 Stunden und die letzten 2 Stunden dauern noch über zwei weitere Stunden….

Ich hatte versucht über Cleartrip einen geeigneten Zug heraus zu finden. Doch dort werden scheinbar nur die Züge angezeigt, die man reservieren kann und das sind fast ausschließlich Nachtzüge. Am Bahnhof geht die Information zu den einzelnen Zügen nicht über Ankunft und Abfahrt hinaus. An der Zugauskunft ist ständig eine lange Schlange und man nennt mir auch nur den nächsten Zug. Ich fühle mich am Ende hilflos der dilletantisch/mysteriösen Maschinerie ausgeliefert. Ich weiß inzwischen, wie ich den Zug finde, der mein Ziel anfährt, doch ohne Hilfe eines eingeweihten, ist es reine Glückssache solche Reinfälle zu vermeiden.
Um 8 rufe ich in der Unterkunft an, die ich gebucht habe, ich würde um 23 Uhr ankommen. Ich solle noch mal anrufen sobald ich da sei, man würde mich abholen. Als ich nach Ankunft um 00:30 Uhr noch mal anrufe, ist das Telefon offensichtlich abgestellt.

Am Bahnhof nimmt mich gleich ein Riksha-Schlepper in Empfang, der auch gleich weiß, wo die Yogi Lodge ist. Als wir das Personal aus dem Schlaf geholt haben, stellt sich heraus, das ist die falsche Yogi-Lodge. Zur richtigen verlangt der Rikschafahrer Aufpreis. Ich probiere lieber die Navi-App aus, die jedoch in die erst die letzen 50 Meter in den engen Gassengeflecht der Altstadt versagt. Um 1:30 Uhr steh ich schließlich vor der richtigen Tür, die keine Klingel hat und 15 Minuten lautes Klopfen und Rütteln zeigt keine Wirkung.
Ich stoße dann einen Fensterladen auf und sehe, dass gleich neben der Tür jemand schläft. Als er dann schließlich wach wird, führt er mich in ein Zimmer, ohne Steckdose, das einzige, das noch frei sei. Da jedoch bereits bezahlt ist, habe ich schlechte Karten irgendetwas anzumelden.

Doch die Lodge hat wenigstens heißes Wasser und ich Dusche noch vor dem Schlafengehen…
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Mi, 26.12.12 - Varanasi

Beitragvon kashiraja am Do 27.12.2012 17:17

Schon gestern Nacht hatte ich den Eindruck, einer besonderen Schwingung in der Stadt. Am Morgen ist die Meditation erstaunlich gut und es zieht mich sogar zurück zur Meditation. Ich lass mich damit Zeit, denn ich habe ja vor, einige Zeit in der Stadt zu bleiben.

Es ist bereits Nachmittag als ich mich auf die Suche nach dem Ganges mache. Ich schließe mich einer kleinen Leichenprozession durch die Gassen an, und gelange zum Burning Ghat, wo die Abläufe scheinbar wie vor Hunderten von Jahren ablaufen. Die schön drapierten Leichen werden von vier Familienmitgliedern auf Bambusstangen erst im Ganges für die letzte Reinigung untergetaucht. Der Scheiterhaufen mit dem gekauften Holz (200 kg Minimum, soll an die 500 € kosten) wird bereits aufgebaut und die Leiche dann nur noch in Leinenwickeln darin integriert. Das Familienoberhaupt legt nun mit trockenem Gras Feuer…

Da das auch alles schöne Fotomotive sind, fotografiere ich fleißig drauf los und werde dann bald von zwei Indern angegangen, die behaupten, hier sei das Fotografieren verboten, ich solle entweder gehörig für ein Hospiz armer Leute Geld für Feuerholz spenden oder ich würde zur Polizei gebracht, wo ich eine hohe Strafe zu erwarten hätte (Gefängnis). Ich schau mir das Hospiz mal an und gebe einer alten Frau 500 Rupien. Das sei viel zu wenig, mindestens 3000 Rupien, andernfalls geht’s zur Polizei und dann Gnade mir Gott (offensichtlich hundertfach geübt um möglichst viel Eindruck zu erwecken). Als ich dann sage, ich will die 500 Rupien zurück und ich wolle zur Polizei und auch laut nach der Polizei schreie, sind sie schnell mit den 500 Rupien zufrieden.

Das war nur ein Vorgeschmack auf diese eigentlich sehr interessante Stadt: da es sehr viele Touristen gibt, sind auch sehr viele Maschen und Techniken verbreitet, diese etwas zu erleichtern und sie werden teilweise sehr aggressiv angewandt. Ständig muss man sich irgendwelcher Angebote erwehren, das Einfachste ist wohl: völlig ignorieren…

Von einem Verkäufer lasse ich mir sein ganzes Sortiment in drei Geschäften erklären und zeigen, weil er Exporterfahrung nach Deutschland hat. Er kennt Shankar Vyas (den aus Heidi Weyders „Footsteps to Freedom“ bekannten Kriya-Yogi) der mir den 27. Dezember als Besuchstag/Einweihungstag? genannt hat, von dem ich jedoch noch keine Adresse (und auch keine Uhrzeit) bekommen habe), weil er in dessen Nähe wohnt und führt mich zu dessen Haus. Den Weg merke ich mir gut…

Um Abend ab 18:00 Uhr sehe ich beim Arati zu und wandere dann noch etwas die Gats entlang nach Westen. Auf dem Rückweg durch die Gassen komme ich an einem Instrumenten-Shop vorbei und vereinbare eine Probe-Stunde im Tabla-Spielen (200 Rupien die Stunde). Der Tabla-Lehrer kennt auch das Haus Lahiri Mahasayas…

Danach sitze ich noch bis zum Zubettgehen neben einer Steckdose in der Kälte des Aufenthaltsraums der Yogi-Lodge, die außer Namen nichts mit Yogis zu tun haben scheint (es wird geraucht, Alkohol getrunken, nur Rock-, Pop- und Jazz-Musik…) und kühle völlig aus, entsprechend ist auch die Entwicklung meines Schnupfens…

Richtig wohlig warm ist es nur unter dem Schlafsack. Zumindest der Schlaf ist hier gut und es gibt keine Mosquitos…
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Do. 27.12.12 Verpasste Einweihung

Beitragvon kashiraja am Do 27.12.2012 17:33

Spät werfe ich mich ins Gewühl der Gassen und lass mich dann von einem kleinen ältren Inder abschleppen, der mit allem zu dienen scheint, was ich mir wünschen kann. Am Sonntag verspricht er mir ein gebrauchtes Fahrrad zu verkaufen, er knüpft Kontakt zu einem Instrumentenbauer, bei dem ich Tabla-Unterricht für 120 Rupien die Stunde bekomme und führt mich dann noch in ein schlichtes Guesthouse am Ganges mit ordentlichen Zimmern, wo ich im Januar für 300 Rupien pro Nacht bleiben könnte.

Als ich mit dieser Tour zu Ende bin, ist schon 14:00 Uhr vorbei und Zeit, mich zu Shankar Vyas zu begeben. Da ich außer der Angabe des Datums keine weiteren Informationen erhalten habe, wähle ich den Termin nach einem vermuteten Mittagessen und bin auf alles gefasst (Ablehnung aus irgendwelchen Gründen, etc.)

Als ich klingle empfängt mich seine herzliche Frau Vandana und erklärt, dass sie schon auf mich gewartet hätten, sie hier kein E-Mail und kein Telefon zur Verfügung hätten. Ich werde Shankar Vyas und einem Paar aus Neu Delhi vorgestellt und erfahre, dass die Einweihung schon vorüber sei. Sie hätten bis um 11 Uhr auf mich gewartet und dann angefangen. Ich müsse bis September warten, wo Guruji nach Italien und Deutschland kommen werde.

Zumindest nimmt sich Guruji vor dem Lunch noch etwas Zeit zu einem persönlichem Gespräch mit mir, das mir fast genau so wichtig ist wie die Techniken, da ich mit Techniken bereits genügend eingedeckt bin und die Einweihung bei Schnupfen wohl auch nicht das Wahre gewesen werde. Außerdem ist ja auch die Vorfreude die größte Freude.

Im Gespräch ist nichts von irgendeiner Außergewöhnlichkeit zu merken, er gibt sich ganz natürlich und einfach, doch spüre ich, dass eine starke Energie von ihm ausgeht…

Auf dem Weg zu meinem Tabla-Lehrer sehe ich mir noch mehrere Pensionen an (Guesthouses) und merke, dass es hier wirklich nicht nötig ist, ein Zimmer vorzubestellen, die Stadt ist reichlich mit Unterkunftsmöglichkeiten ausgestattet und man kann sich das heraussuchen, was einem in jeder Beziehung behagt. Sehr wahrscheinlich werde ich am Dienstag mal testen, wie es in einer Sammelunterkunft für 100 Rupien ist, die mir im Dachbereich einer Pension (mit schöner Aussicht) gezeigt wurde.

Der Tabla-Lehrer sagt mir, heute hätte er keine Zeit und ich besorge mir erst noch was zu Essen, hol mir dann im Zimmer eine Decke und sehe wieder beim Arati zu.
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Fr. 28.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 02.01.2013 13:46

Es dauert bis um 11 Uhr bis ich aus den Federn krieche. Mein Zimmer liegt an der Nordseite, es hat zwar zwei Fenster mit Einfachverglasung, doch sind sie nicht durchsichtig. Draußen scheint sicher schon die Sonne, doch hier fühle ich mich wie in einem kalten Loch, gefühlte 10 Grad (Thermometer hab ich keins). Ich entscheide mich, am Dienstag doch in das Zimmer am Gangesufer zu ziehen, das hat auch zwei (undurchsichtige) Glasfenster, die jedoch durch die Sonnenbestrahlung als Art Heizung fungieren. Diesen Effekt überprüfe ich noch mal und zahle dann für eine Woche im Voraus (300 Rupien). Danach mache mich auf die Suche nach dem Shop des Musik-Lehrers, der in dem Gassengewirr gar nicht so leicht zu finden ist.

Kurz nach 13 Uhr komme ich nach einigen Irrwegen dort missmutig (v.a. weil er mir gesagt hatte, jeder kenne seinen Shop hier, mich hat man jedoch zweimal in die falsche Richtung gesandt) an und werde dann zu einem Tabla-Lehrer gebracht. Der Shop-Inhaber fungiert also nur als Vermittler. Doch die Lahiri-Mahsaya Gedächtnisstelle befindet sich wirklich an dem Ort, zu dem er mich führt und ich besuche sie kurz vor der Stunde.

Die Dikaktik des Tabla-Lehrers gefällt mir sehr gut, doch will ich das andere Angebot auch noch testen, bevor ich mich entscheide, deshalb gehe ich gleich nach dem Essen dorthin (die indische Sim-Karte, die ich in Jarkhand/Bihar erhalten habe, funktioniert in Utterpradesh auch wieder nicht richtig…). Dort erfahre ich, dass ich morgen um 15 Uhr zur Probestunde kommen kann und falls ich die Stunden beim Bruder des Shopinhabers nehme, könne ich jederzeit in dessen Shop kommen und dort Üben, was ich für geeigneter halte, als Tablas mit aufs Zimmer zu bekommen, wie das bei der anderen Option der Fall wäre, weil ich vorhabe in der Zeit, die ich in Varanasi bin, mehrmals umzuziehen (auf dem Weg zum ersten Musiklehrer hab ich noch mal ein schönes, günstiges Zimmer mit Gangesblick angeschaut (250 Rupien)). Ich lasse auch noch mal „meinen Scout“ von gestern rufen und frage ihn (nachdem ich mich schon etwas umgehört habe) nach Möglichkeiten Unterricht in (Ayurveda)-Massage zu bekommen. Er will mir morgen Bescheid geben.

Danach nähere ich mich etwas dem Jaganath-Tempel (doch da ist offensichtlich kein Reinkommen, man muss Schuhe ausziehen und den Eingang für Touristen finde ich nicht), wandere dann die Ghats nach Osten entlang und kehre zum Arati wieder zum Haupt-Ghat zurück, wo ich diesmal die die ganze Zeit meditiere.

Abends in der Yogi-Lodge, wo man unten im Restaurant-Bereich schön sitzen kann, am Computer (Übersetzen, Korrigieren, Hindi-Lehrnen). Draußen ist es leider, sobald die Sonne untergeht zu kalt…..
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Samstag, 29.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 02.01.2013 14:06

Schon um 9 nach draußen. Mal sehn, ob der Tag in der Sonne besser beginnt. Doch es liegt dicker Nebel über der Stadt und dem Fluss Der Sonne gelingt es erst gegen 12 Uhr ihn völlig zu verscheuchen. Der einzige Ort, wo es bei der Kälte auszuhalten ist, ist das Karniganika Ghat, wo ich mir die Leichenverbrennungen noch mal etwas genauer ansehe.

Der Tag geht weiter mit Enttäuschungen. Am Ganges ist kein ruhiger Ort zum Lesen zu finden. Überall spüren einen verkaufswütige Inder aller Altersklassen und jeden Geschlechts auf.
Mein Scout ist heute nicht in der Lage mir einen Massage-Lehrer zu beschaffen, statt dessen führt er mich zu einem Kräuter und Öle-Produzenten für Ayurveda (der Innenhof dient als Kuhstall). Hier gibt es 1 l Kokusnusöl für unter 10 €.

Auch die Probestunde vom Bruder des Musikladenbesitzers verläuft nicht so erfreulich. Er gibt mir zwar eine Kostprobe seiner überragenden Kunst, doch seine didaktischen Qualitäten können da nicht mithalten. Er entmutigt mich eher, erzählt mir schon vieles, was ich gar nicht verarbeiten kann und mir wird nur bewusst, wie schwierig die Kunst des Tablaspielens ist. Es gibt 10 verschiedene „Töne“, die man erst mal präzise ausführen geschweige denn kombinieren muss. Sein Bruder möchte mir gern ein Harmonium oder noch mal eine Tabla verkaufen…

So geht es weiter. Jeder ist nur am verkaufen von irgendetwas interessiert. Typische Touristenhochburg….
Da ich mich schon mehrmals zum unverbindlichen Anschauen einladen ließ, was dann in der Regel in ein intensives Verkaufsgespräch ausartete, ich aber immer auf ein „vielleicht später“ verwies, bin ich inzwischen schon an mehreren Ecken bekannt…

Wenn man hier noch menschliches Mitleid hat, ist Varanasi der beste Ort es sich abzugewöhnen, denn nicht nur die vielen Bettler hier stellen sich als sehr bedürftig dar…

Hätte ich gestern nicht bereits für eine Woche im Voraus ein Zimmer gezahlt, wäre ich wahrscheinlich noch mal für zwei drei Wochen in den Süden gefahren. In der Yogi-Lodge sind zwei in London lebende junge Frauen eingezogen (eine aus der Slowakei, die andere aus Polen), die in Hyderabad letzte Woche eine Hochzeit (der Superreichen) mitmachten und erzählen, dort hätte es 30 Grad gehabt und keine Touristen…. Mit den beiden unterhalte ich mich am Abend noch gut. Nach so viel männlicher Energie, mit der ich fast ausschließlich zu tun habe, weil indische Frauen kaum zugänglich sind, ist das eine Erholung.
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So. 30.12.12

Beitragvon kashiraja am Mi 02.01.2013 18:39

Am Morgen nutze ich noch mal die doch außergewöhnliche Strahlung in der Yogi-Lodge, die von der Nähe zum Vishvanat-Tempel herrühren könnte, und meditiere, bis es Zeit ist zu packen, ich kaufe das uralte, restlos überteuerte Rad für 2000 Rupien (Sohn ist krank und braucht Medikamente….ein neues hätte mich 2600 Rupien gekostet, doch das schäbige Aussehen hat den Vorteil, dass es nicht so schnell geklaut wird…) und ziehe für zwei Tage (statt der gebuchten 31Tage) in die Old-Yogi-Lodge (rund 900 m vom Ganges entfernt) ein, was in gewisser Weise ein Kommen vom Regen in die Traufe ist: der Mann an der Rezeption hat eine Fahne, es wird um einiges mehr geraucht… (Es sind auch einige Deutsche da, denen es hier jedoch sehr gut gefällt… die Geschmäcker sind verschieden).

Mit dem Rad nach Westen und dann auf der Suche nach dem Ganges durch die riesige Anlage der BenaresHinduUniversity bis zur südlichen Brücke und dann dem Ufer entlang zurück Richtung Dasaswanedh Ghat zum Arati. (von der Infrastruktur her macht die Stadt einen äußerst miserablen Eindruck, fast ausschließlich chaotische, scheinbar völlig planlose Straßenführung und Straßenverhältnisse, tagsüber in den Hauptstraßen in Nähe des zentralen Dasaswanedh Ghats nur Schrittgeschwindigkeit möglich – typische Pilgerstadt).

Ich meditiere noch, da bin ich bereits von jungen Verkäuferinnen umgeben, eine, der ich gestern etwas abgekauft habe (Biriti, 11 Jahre) und deren Freundin (Dipa, 14 Jahre), die die Tour mit „Unterstützung der Ausbildung“ drauf hat und sehr hartnäckig ist.

Gestern hatte ich nach dem Arati noch mit einem Masseur ausgemacht, dass er mich jeden Tag eine halbe Stunde für 60 Rupien unterrichten sollte, was ich nun nutze um von den Gören loszukommen.

Danach lasse ich mich von Dipa (und ihren Freundinnen) zu ihrem Onkel abschleppen, wo ich wieder Schals kaufen soll… Wieder jemanden den ich auf vielleicht später vertröste. Die Verhandlungsmethoden ähneln sich überall sehr und sind im Grunde nur eine höhere Form des Bettelns….

Am Abend teste ich noch das freie Wifi in der Old Yogi Lodge (in der Yogi Lodge waren mir die 100 Rupien täglich zu teuer), der Zugang ist langsamer als mein mobiler, für Skypen nicht zu gebrauchen…
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Mo. 31.12.12 - Sarnath

Beitragvon kashiraja am Mi 02.01.2013 19:04

Heute strahlt die Sonne schon früh und es ist auch wieder wärmer.

Ich mache mich unter Nutzung des Kompass-Apps Richtung Norden nach Sarnath auf den Weg, komme durch ein Stadtviertel, in dem von Lochkarten gesteuerte Webstühle rattern und werde auch in einen Produktionsraum mit 6 Webstühlen und 3 Betreuern gebeten und wundere mich ansonsten nur immer wieder übe die extrem chaotischen Straßen und Verkehrsverhältnisse, für die es offensichtlich kein Konzept der Besserung gibt.

In Sarnath halte ich mich erst einige Stunden an zwei zweitrangigen Gedenkstätten auf (verfallene Stupa und große neue Buddhastatue), bis ich zur Ausgrabungsstätte der Tempel-, Klosteranlagen und Stupa komme, wo Buddha seine erste Rede gehalten haben soll. Daran schließen sich noch ein Jain-Tempel (einer ihrer Thirthankaras, geistigen Führer soll dort geboren sein) und mehrere neuere Anlagen buddhistischer Organisationen an. Das Ganze hat eine ziemliche Ausdehnung. Der Betrieb ist jedoch um einiges geringer als in Bodh Gaya.

Im Jain-Tempel erklärt mir der Wärter den Unterschied zwischen Jains und Hindus. Die Hard-Core Jains laufen immer nackt herum und wenn ein Hindu auch nackt herumläuft, dann hat er einen größeren Bauch… Er belegt das mit Fotos und zeigt mir auch eines, wo ein nackter Jain im Parlament spricht und auf einem Indira-Gandhi empfängt.

Im dunklen Verkehrschaos geht’s zum Arati zurück. Dass auf den Straßen nicht mehr passiert, ist auf die erzwungenermaßen geringe Höchst-Geschwindigkeit von 20-30 km/h zurückzuführen.

Nach dem Arati Massage-Stunde und meine kleinen Freundinnen sind wieder da. Sie behaupten, ich hätte ihnen gestern versprochen, heute etwas zu kaufen.

Dipa fordert mich eingeschnappt auf, ihr ein Geschenk zu machen und zeigt mir ihre kaputten Schuhe. Schuhe würden nicht mehr als 200 bis 250 Rupien kosten. Darauf gehe ich etwas zögerlich ein und nach einer Einkaufstour durch mehrere Schuhläden hat dann jede der drei ein Paar neue Schuhe für insgesamt 1150 Rupien. Ich zahle nur unter der Bedingung, dass es nun wirklich reicht, was auch versprochen wird. Sobald wir das Geschäft verlassen haben, geht es jedoch schon wieder weiter, dies und das noch… Ich stimme noch Ohrringen für jede der drei für insgesamt 30 Rupien, wie es heißt, zu und zahle dann 350 Rupien für etwas ausgefallenere Ohrringe und Armreife…. Ich komm mir vor wie ein Vater, der mit seinen drei Töchtern einkaufen geht….

Sie führen mich dann noch zur Mutter von Buhan, die sich etwas oberhalb der Ghats aufhält. Sie macht einen ziemlich heruntergewirtschafteten Eindruck. Morgen 14:00 Uhr will mich Dipa zu sich nach Hause abholen, wo mir ihre Schwester (19) etwas kochen würde…

Trotz ihrer erst 14 Jahren scheint vor allem Dipa genau zu wissen, wie man mit Männern umspringt. Um mehr Eindruck zu schinden hat sie heute einen Pullover an und sich offensichtlich etwas unter den Brustbereich geschoben…

In der Old Yogi Lodge gibt es ab 10:30 Uhr ein klassisches Konzert ich geh jedoch vorher schon aufs Zimmer….
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Di. 1.1.13

Beitragvon kashiraja am Do 03.01.2013 08:50

Vor dem erneuten Umzug will ich noch mal warm Duschen, da mir im Alkananda Guest-House nur warmes Wasser im Eimer zur Verfügung gestellt wird. Der Strom ist jedoch weg und keiner kann sagen, wann es wieder so weit sein wird, das Notebook verrät es mir dann.

Für Morgen vereinbare ich dann die nächste Tabla-Stunde und begebe mich zu dem Platz wo Dipa mich um zwei abholen will, dort wo ich immer meine Massage-Stunden habe. Mein Massage-Lehrer fragt mich auch prompt, ob ich nicht eine Rasur bräuchte, was in der Tat wieder an der Zeit ist und empfiehlt seinen Bruder, der dann seine Utensilien auspackt.
Ein Rasiermesser und eine 0,5 l Wasserflasche, mit dessen etwas trübem Inhalt er mir (ohne Rasierschaum) das Gesicht einreibt. Ich frage, ob das auch sauberes Wasser sei. Natürlich – heiliges Gangeswasser (ich konnte mich vorgestern selbst überzeugen, wie die stinkende Kloake Assi nur 2 km Fluss aufwärts eingeleitet wird, klugerweise jedoch mehr ins Zentrum des Flusses). Ich lasse alles still über mich ergehen und überlege mir, wie ich es anstelle, dass mir dies nicht noch mal passiert. Als er mir dann noch meine frisch gewaschenen Haare mit Gangeswasser befeuchtet, beginnen möchte zu massieren, wogegen ich mich wehre, und aus der Gruppe der Zuschauer am Ende das Ansinnen kommt, für diese Rasur mit Gangeswasser und Rasiermesser solle ich 100 Rupien geben (üblicher Preis bei gutem Service 50 Rupien), platzt mir doch etwas der Kragen und ich versuche den Barbier auf seine dürftigen Verhältnisse hinzuweisen. Pfusch, Chaos, Mangel, Dürftigkeit und Improvisation, wo man hinschaut, ich bin heute schon den ganzen Tag etwas gereizt und ohnehin dazu übergegangen klare Ansagen zu machen und deutlich zu sagen, wo mir was nicht passt und nicht unbedingt immer ganz freundlich…

Irgendwie geht mir heute alles gegen den Strich (vielleicht auch, weil mir bewusst wird, dass ich mich auch von den Gören etwas hinters Licht hab führen lassen), das hat schon damit begonnen, als in der Old Yogi-Lodge um 4:30 Uhr eine Deutsche mehrere Neujahrsanrufe nach Deutschland getätigt hat und sich dann mit einer deutschen Reisegefährtin am Vormittag gleich neben meinem Zimmer auf deutsch unterhalten hat. In Varanasi ist alles nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. An den Ghats Touristen- und Verkäuferplage, in der Stadt typisches indisches Chaos, nur etwas größer noch als sonst überall, ich hab zwar ein Rad, aber man kann das hier kaum sinnvoll einsetzen und ich soll hier noch fast 5 Wochen bleiben, wo hab ich mich hier nur hineinmanövriert…

Es ist wohl am Gescheitesten in Varanasi bloß 2-3 Tage zu verbringen, wie es die meisten Touristen machen…

Nach der Rasur warte ich noch bis um Viertel nach zwei und hol mir dann was zu essen.
Am späten Nachmittag spricht mich Dipa, die wie ihre Freundinnen bis nach dem Arati wieder auf Käuferfang ist, an und sagt mir, sie hätte auf mich um 2 gewartet jedoch nicht gesehen… ich sage ihr, ich würde morgen um zwei Uhr wieder auf sie warten. Sie erzählt mir noch etwas von ihren Familienverhältnissen: Mutter vor 4 Jahren gestorben. Sie hat noch 5 Brüder und 2 Schwestern. Der Vater betreut die Kinder, sie versucht sich das Schulgeld für die Privatschule zusammenzusparen 14000 Rupien und ich solle sie unterstützen…

Am Abend habe ich keine Lust auf Massieren und gehe aufs Zimmer und zappe mich durchs indische Fernsehprogramm… Die Vergewaltigung in Delhi ist immer noch großes Thema. Doch angesichts des Zustandes von Verwaltung, Polizei, Infrastruktur und Bildungsstand ist vieles nur leeres Gerede. In der indischen Gesellschaft mangelt es noch an sehr Vielem und so schnell holen die das nicht auf.
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Mittwoch, 2.1.13

Beitragvon kashiraja am Fr 04.01.2013 06:21

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Jede dieser Unterkünfte hat so ihre Vor- und Nachteile. Wahrscheinlich ist es die Nähe zum Wasser, Moskitos sind wieder aktiv.

Doch sonst ist es hier ganz angenehm. Morgens strahlt mir die Sonne ins Zimmer und ich habe einen schönen Blick auf den Ganges, ohne ständig von jemandem belästigt zu werden, das erleichtert die Umstellung auf einen (gemilderten) Arbeitsalltag….

Das war ja auch die ursprüngliche Idee des langen Aufenthalts in Varanasi (natürlich auch viel Meditation nach der Einweihung…) hier mal etwas einzuwurzeln und zu arbeiten.

Doch die Stadt hat außer den Ghats (deren Schönheit durch die beschriebene Plage sehr getrübt ist) kaum etwas zu bieten. Ich habe z.B. noch keinen Buchladen gesehen, vielleicht sollte ich mich mal nach einer öffentlichen Bibliothek umsehen.

Um 12 Table-Stunde, die mir wieder sehr gut gefällt. Ich hatte mit dem Vermittler der Musikstunde ausgemacht, ich würde ihm bei Stundenbeginn 4000 Rupien zahlen und er würde mir bis zum Ende der Stunde eine Table zum Üben besorgen. Bezahlt habe ich. Doch nach der Stunde sagt der Tabla-Lehrer, die Tablas würden erst ab 15:30 Uhr verfügbar sein. Ich vereinbare um 17:00 Uhr zum Abholen kommen zu wollen.

Um 14:00 Uhr treffe ich Dipa und Bunam, die erste entschuldigt sich, es wäre nicht möglich sie zu Hause zu besuchen, der Vater würde es nicht erlauben…, ich solle Geld für Cola und Chips geben… Heute sind sie sehr viel aufgeschlossener als gestern. Sie betteln mich wieder an, Dipa bräuchte unbedingt bis zum Montag 14 000 Rupien, damit sie sich für das Schuljahr anmelden könne ich solle doch mindestens einen Teil davon (3000 Rupien) zahlen. Der Vater, den ich deswegen gern sprechen will, könne wegen Kinderbetreuung nicht ab.

Bunam erzählt mir noch, sie habe einen Bekannten aus Frankreich, der sie heiraten wolle, der ihr bereits 16 000 Rupien gegeben habe.

Ich frage nach dem Namen der Schule, mache mich auf die Suche und treffe auch einen freundlichen Studenten, der mir gern behilflich ist. Die Schule ist zwar geschlossen, doch durch eine Schülerin erfahren wir, dass der Jahresbeitrag der Schule 350 Rupien beträgt.

Mein Helfer führt mich dann in eine wirklich bedürftige Schule, in der arme Schüler aus Bihar unterrichtet werden. Das Klassenzimmer hat kein Fenster, es wird mit Taschenlampe geläuchtet, hier könne ich gerne was spenden, je nach Geldbeutel 70 Schuluniformen á 700 Rupien oder 70 Stifte á 2 Rupien… (Geld besser nicht… die Gefahr ist wohl zu groß, dass das in irgendeinem der vielen Löcher versinkt…)

Ich vereinbare für nächsten Montag noch einen Termin, wo ich die Schule gern mal Life erleben will.
Um 16:30 Uhr bin ich beim Tabla-Lehrer, der mir sagt, heute bekäme ich keine Tabla, Incredible India ….
Abends gibt es auf einer Freilichtbühne am Ganges eine Art „Götteroper“ mit Playback. Schön maskierte und gekleidete Figuren treten auf, tanzen, singen, führen Szenen vor. Alles auf Hindi. Reiche Zuschauerschar.
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