Pilgerreise nach Indien

Zum freien Austausch der Yogis untereinander über beliebige Sachverhalte

Mo. 18. – So. 24.2.2013

Beitragvon kashiraja am Mo 25.02.2013 19:30

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Montag: Habzeit in dem Land, in dem der Vorfahrt hat, der am lautesten hupt, und in dem die Hupen deshalb eine ohrenbetäubende Lautstärke aufweisen.
Ich fahre weiter aufs Land hinaus und klettere auf den ersten indischen Baum (wohl ein Mango-Baum). Auf dem Rückweg Meditation in einem Camp das aus lauter kleinen Hütten mit Lingams für die individuelle Andacht besteht.

Dienstag: Mit dem Fahrrad und Bus nach Varanasi die Visakarte abholen und Paket versenden. Meditation im Trailanga-Swami Tempel. Auf dem Rückweg fährt der Bus einen Platten.

Mittwoch: Umzug in den Kriya-Yoga-Ashram
http://www.kriyayoga-yogisatyam.org/home.html

+ Nur zweimal Essen am Tag (allerdings nur während Mela), ungeschälter Reis, gute Küche
+ Man legt Wert auf Sadhana, die ganze Atmosphäre ist für die eigene Praxis förderlich. Man kann hier, wenn man sich an gewisse Regelungen hält (ich musste eine ganze Liste von Punkten einzeln bestätigen, was aber später nicht so genau genommen wird), seine Spiritualität ganz gut ausleben.
+ ein großer und sauberer Ashram mit mehreren Gebäuden und Gästehäusern, d.h. man ist nicht ständig beobachtet.
+ Anbindung an den Bajan-Baum? unter dem Sri Yukteswar 1894 Babaji begegnete.
+ Starke Energie auf Gelände und besonders unter dem Bajan Baum und in der Meditationshalle, was wieder anzeigt, dass Gott kein Spießer ist. „Egal was die Umstände, sobald 2 oder 3 in meinem Namen versammelt (was immer das heißt) sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
+ Der Meister hat einiges auf die Füße gestellt, obwohl ich seine spirituelle Verwirklichung nicht so hoch einschätze. Er lästert jedoch wenigstens nicht über andere Organisationen wie Shibendu und alles was er macht ist, soweit ich sehe, konstruktiv. Er ist zugänglich, d.h. man kann mit ihm reden.
+ Die Diätregeln gefallen mir (kein Snacking, Meidung von Milchprodukten…)
+ Seit zwei Monaten das erste Mal wieder eine zuverlässige ganztägige Stromversorgung

- 500 Rupien pro Nacht (Mela-Preis sonst wohl 400) ist eigentlich in Ordnung, doch die Art wie es eingefordert wird gefällt mir nicht (vielleicht auch nur bei mir, sonst auch Aufenthalt auf Donation-Basis, vor allem für Kanadier, die das Ganze wohl finanziert haben).
- Der Meister rät von Musik und Gesang ab, weil das nur kurzzeitige Energie sei. Mir kommt es eher so vor, als sei die fehlende Musikalität des Meisters selbst der Grund. Ich finde, wo Musik keinen Platz hat, ist es auch mit der Spiritualität nicht so weit her.
- Zimmer in Nähe der Hauptstraße, ständiger Huplärm, doch man hört auch noch etwas von der Mela.
- Was hier vermittelt wird, ist eher ein Kriya-Yoga Lite, mit den Namen von Yogananda, Sri Yukteswar und Lahiri Mahasaya wird die eigene Sache gepuscht. Viel Körperbewegung, ständig Ansagen, kaum stille Meditation, es gibt jedoch auch Einweihungen in Kriya-Pranayama, etc. Da es offensichtlich Menschen gibt, denen das alles hilft und gut tut, enthalte ich mich eines Urteils. Wer genügend Vernunft hat, der sieht selbst und alle anderen sind hier gar nicht so schlecht aufgehoben. V.a. Irene, eine Deutsche, 1954 frisch verheiratet mit 20 Jahren nach Kanada ausgewandert, verhilft mir zu mehr Verständnis. Sie war als 3-jährige an Polio erkrankt und konnte nie richtig laufen, hat hier jedoch eine Heimat gefunden…
- Stellt sich in gewissem Sinn auf dieselbe Stufe wie Yogananda, was mir etwas Unbehagen bereitet.

Im Ashram erhalte ich von einer Australierin den Hinweis, dass es in Lucknow Vipassana gibt und ich melde mich dort für den 4-14 März an.

Vom Rainbow-Camp tauchen hier auch einigermaßen interessante Leute auf und ich besuche das Camp mal, gebe dann jedoch den Gedanken auf, dort noch 2 Tage zu bleiben; sehr weit abgelegen, es wird geraucht….

Sonntag: Weiterfahrt nach Lucknow mit Bus (Fahrrad auf Dach). 5 Stunden für 200 km.
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Mo. 25. – So. 3.3.2013 Lucknow

Beitragvon kashiraja am So 03.03.2013 15:20

Ich lasse es ziemlich locker angehen. Arbeite wieder mehr und bin sehr motiviert Hindi zu lernen. Sehenswürdigkeiten interessieren mich weniger. Ich habe ein schönes Zimmer in der Nähe des Bahnhofs (einziger Nachteil ein wenig muffig). In der 4,5 Millionen Stadt, Hauptstadt von UtterPradesch, ist es erst mal nicht so leicht sich zu orientieren.

Noch immer grüble ich über die Frage, was nun das Besondere an Indien ist. Manchmal muss ich mir noch bewusst machen, dass ich jetzt wirklich in dem Land bin, nach dem ich mich so lange gesehnt habe. Ist das nun wirklich das Indien, von dem ich geträumt habe. – Ich werde wie bei allen Sehnsüchten eben auch hier auf mein eigenes Inneres verwiesen. Nichts Äußeres kann die innere Sehnsucht stillen.

Besonders scheint mir hier auf jeden Fall das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Da spielt sich vieles auf einer ganz anderen Ebene ab, als im Westen. Wenn hier junge Leute von ihren Freundinnen erzählen, beginnen ihre Augen zu leuchten. Sexualität scheint mir hier nicht so sehr im Fordergrund zu stehen… Die Trennung von Mann und Frau und eine klare Rollenverteilung wird hier noch relativ strikt eingehalten.
Dann diese Ausrichtung auf eine geistige Welt, der man überall begegnet, die vielen Tempel, die kleinen Altäre in den Häusern und Geschäften, etc.

Das Fehlen von Konkurrenzdenken, das sich auch im Fehlen der Sportbesessenheit äußert, wie es bei uns Gang und Gäbe ist und manchmal frage ich mich auch, was nun besser ist, wenn Tausende Menschen schlachtenbummelnd durch Städte ziehen und in Stadien hocken oder die umständliche Lebensweise, das Fehlen technischer Hilfsmittel (so was einfaches wie einen Schubkarren gibt es nicht, man trägt die Dinge (in Körben) auf dem Kopf, etc.) bei der die Leute hier ihre Zeit verschwenden.

Doch irgendwas scheint mir in diesem Land doch faul zu sein. Im Kriya-Yoga Ashram Allahabad gibt es ein deutliches Zeugnis. Ich dachte zunächst, typischer indischer Pfusch, da waren zwei Stockwerke eines Rohbaus eingestürzt. Dann erzählte man mir, dass Leute an der Macht einen Bulldozer geschickt hatten, der das vollbrachte, weil Meister Satyam sich geweigert hatte, ein Bestechungsgeld zu zahlen. Das machte den schockierenden Eindruck einer Staatsmafia auf mich. Die Beamten können also sehr wohl aktiv werden…. Doch dass sich der Bildungsstand in der Gesellschaft ändert, liegt ihnen eher weniger am Herzen, denn dessen sind sie sich bewusst, dass die Tage ihres korrupten Verhaltens dann bald gezählt sind.

Rückblickend auf das Kumbha Mela muss ich auch sagen, interessant, doch hätte ich mir mehr erwartet. Irgendeiner wirklichen spirituellen Größe bin ich nicht begegnet. Es war eher ernüchternd, Leute zu beobachten, die sich vor irgendwelchen drittklassigen Meistern verneigen und diese Vergöttern und auch Menschen kennen zu lernen, die von ihren herausragenden spirituellen Erlebnissen erzählten, mit Berührung durch einen Sadhu und Erleuchtungs-/Kundalini-Erfahrungen und gleichzeitig zu sehen, dass diese Geschichtlein weitgehend auf Einbildung und Selbsttäuschung beruhen.

An der beflissenen Anwendung von Yoga-Techniken auf die eigene Individualität kommt eben doch niemand vorbei.

Ich genieße hier ein ruhiges Leben in Lucknow (ausgesprochen wie engl. luck und now, also Lacknau), liebe es, mit dem Fahrrad die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und habe gar kein Interesse, in Indien noch von diesem zu jenem Ort zu reisen um dies und jenes gesehen zu haben. Ich werde nach Vipassana gemächlich nach Delhi (wahrscheinlich über Agra) weiterfahren, von dort nach Rishikesh und dann schön langsam nach Mumbai zurück, denn für den Himalaya ist es noch zu früh.

Am Freitag bin ich das erste Mal in die Altstadt gekommen und fühlte mich mit den vielen beeindruckenden Bauten aus der Mogulzeit an Rom erinnert. Es gibt auch interessante moderne Bauten und viele Parks. Für den Straßenverkehr sieht man es hier zumindest ein deutliches Konzept. Eine öffentliche Bibliothek hab ich auch gefunden, die stammt jedoch noch aus der Zeit dier Briten.

Dann hab ich diese Woche auch viel Ferngesehen, auch ein Weg, das Land kennen zu lernen. Der Finanzminister hat den Haushaltsplan vorgestellt und er macht einen recht guten Eindruck. Weil so wenig Steuern gezahlt werden ist alles ein Balanceakt zwischen Investitionen und Staatsdefizit.

Meine Freiheit, mich selbst zu versorgen, hab ich anfangs genossen, habe Blumenkohl und Weißkraut gekauft. Durch die viele Rohkost bekam ich dann aber wieder heftige Probleme mit meinem Magen…

Meine Erkältung konnte ich so ziemlich auskurieren, so dass ich dem Vipassana Morgen also ruhig entgegensehen kann.
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4-15.3. Vipassana

Beitragvon kashiraja am Mo 18.03.2013 00:54

Hier zeigt sich Indien von seiner besten Seite. Ein innovatives spirituelles Produkt das selbstlos weltweit vermarktet wird. Schon bei der Anmeldung musste man bestätigen, dass man die Teilnahmebedingungen gelesen habe und damit einverstanden ist. Vor Ort muss man noch mal bestätigen, dass man gehorcht, nobles Schweigen einhält (nicht einmal Blickkontakt zu jemandem, Sprechen nur mit dem Lehrer) das Gelände nicht verlässt, keine anderen als die angeleiteten Meditationstechniken einsetzt, die Zeiten einhält, keine Bücher, Handys, nichts schreiben, etc., nichts anderes als das hier zubereitete isst, die zehn Tage bleibt, etc.

Alles, was man also nicht braucht, soll man abliefern und wegschließen lassen: Geld, Pass, Bücher, Händy, mitgebrachtes Essen. Ich packe also alles in die Computer-Tasche und gebe es inklusive meiner gesamten elektronischen Ausrüstung ab.

Nach dem Abendessen beginnt es gleich mit einer angeleiteten Meditation und einem kurzen Vortrag. Der Leiter legt nur immer wieder eine andere Kassette ein. Der Meister heißt Goinka. Die Stimme ist mir schon mal symphatisch. Mit der Meditationsanleitung, man solle sich auf den Atem um die Nase herum konzentrieren, kann ich nichts anfangen und interpretiere sie um: Atem, Herzschlag, Om-Sound, Licht sind alles Formen von Atem. Diese versuche ich im dritten Auge zu spüren. Das bleibt meine vorwiegende Meditationsanweisung für den gesamten Retreat.

Die folgenden 9 Tage laufen nach dem immer gleichen Schema ab.
4:00 Uhr Wecken.
4:30 – 6:30 Uhr Meditation
6:30 – 8:00 Uhr Frühstück und Pause
8:00 – 11:00 Uhr Meditation
11:00 Uhr – 13:00 Mittagessen und Pause
13:00 – 17:00 Meditation
17:00 – 18:00 Uhr Teepause
18:00 – 19:00 Uhr Meditation
19:05 – 21:00 Uhr Vortrag (Videos mit Goinka auf DVD, alle sehr interesssant)
21:00 – 21:30 Uhr Meditation
21:30 – 4:00 Uhr Nachtruhe

Die Meditationstechnik wird jeden Tag weiterentwickelt und bekommt am Ende eine gewisse Ähnlichkeit zur Kriya-/Wirbelsäulenatmung.

Die ersten drei Tage fühle ich mich voll in meinem Element. Genau das, was ich schon immer mal machen wollte: keine anderen Verpflichtungen als Meditation. Trotz eingeschränkter Technikanwendung und einem etwas rigiden Programm (Genaue Einhaltung der Zeiten) komme ich die ersten drei Tage tief hinein. Dann beginnt mir doch alles etwas aus dem Ruder zu laufen. Einfach zu viel Energie und ich hätte mal ein bis zwei Tage Pause gebraucht, um die Schlachtordnung neu aufzustellen. Am 4. und 6. Tag verlasse ich nachts die Anlage und vertrete mir die Füße. Schau zu Tempeln wo wegen Shivaratri die ganze Nacht Lautsprecher schallen. Das Dorf scheint noch so arm und klein zu sein, eine funktionierende und mächtige Lautsprecheranlage ist vorhanden. Wo sie die zuverlässige Stromversorgung herhaben, ist mir ein Rätsel, denn wenn wir am Abend Video kucken, bleibt manchmal 10 Mal der Strom weg... Am Ende sehne ich den zehnten Tag ziemlich herbei. und bringe das Ganze nur durch den massiven Einsatz von Kechari Mudra 2 – 3 vom ersten Tag ab einigermaßen gut über die Runden.

Wenn man bereits gewohnt ist, regelmäßig mit einer anderen Technik (besonders bei einer Energie-Technik wie Kriya-Yoga) zu meditiere und dort ein Momentum aufgebaut hat , kann das aufgrund des langen, rigiden und intensiven Programms zu Problemen führen. Es haben auch ein Australier, eine Engländerin und eine Holländerin teilgenommen. Das waren blutige Meditatonsanfänger. Die hatten zwar mehr Probleme mit dem Sitzen, andererseits kamen sie aber auch nicht mit anderen Meditationstechniken in Konflikt und denen hat das Ganze recht gut gefallen.

Es werden sehr wichtige Prinzipien für die Meditation vermittelt: unbeteiligtes Beobachten, Unbeweglichkeit, regelmäßiges Üben, etc. und das 10 Tage Bücher-Schreib-Fasten und noble Schweigen ist eine sehr aufschlussreiche Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Das hat etwas von Einzelhaft. Die vielen Stunden, die ich in meinem Zimmer wachend flach gelegen bin (ich brauchte weniger Schlaf als sonst), um nicht zu viel zu meditieren, bin ich mein ganzes Leben, alles, was ich bisher irgendwo gelernt habe und viele meiner Reisen durchgegangen, habe Bilanz gezogen…,

Solch ein Vipassana-Retreat zumindest einmal in seinem Leben mitgemacht zu haben, kann ich nur empfehlen. Inzwischen gibt es dafür weltweit Retreat-Zentren und Angebote. Teilnahme generell auf Spendenbasis.

Das Retreat-Zentrum 25 km nördlich von Lacknau liegt in einer ländlichen Idylle (die nur gelegentlich durch Fluglärm vom nahe gelegenen Militärflughafen gestört wird) und ist eine speziell für den Retreat-Zweck entworfene Anlage mit einer Meditationshalle für die maximalen rund 30 männlichen/30 weiblichen Schüler. Daneben Wohnräume für den Leiter. Die Zimmer für die Schüler etwas in Entfernung und der Speisesaal noch weiter entfernt, so dass man gezwungen ist, sich die Beine immer wieder mal zu vertreten. Die Fazilitäten für Männer und Frauen sind vollkommen getrennt.

Insgesamt haben 13 Männer und 5 Frauen teilgenommen, ein Teilnehmer hat abgebrochen. Das Geschlechterverhältnis verdeutlicht den Unterschied der indischen zur westlichen Gesellschaft. Bei uns 4 Ausländern war das Verhältnis ausgeglichen und Steve, der Australier, war wohl eher Anhängsel seiner Gefährtin. Bei den Indern waren die Männer deutlich in Überzahl und die drei Frauen wohl mehr fügsames Anhängsel ihrer Männer….
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15.3 - 22.3.13 Rajpur - Delhi

Beitragvon kashiraja am Fr 22.03.2013 19:57

Nach dem Vipassana Seminar wollte ich die Gegend nicht gleich verlassen. Da ich auf dem Vipassana-Gelände nicht bleiben durfte, ging ich am 10 Tag abends noch zu einem Dorfbewohner, den ich bei meinem Ausflug an Shivaratri kennengelernt hatte . (Das Dorf trägt den stolzen Namen Rajpur). Der sprach einigermaßen gut Englisch und hatte mich eingeladen wiederzukommen. Ich sagte ihm, dass ich gern 2 Nächte bleiben und ihm 200 Rupien pro Nacht zahlen würde.

Als er mir dann seine ärmliche Behausung zeigte, wurde mir bald klar, dass das alles nicht so einfach werden würde. Sein Reich bestand eigentlich nur aus einer viereckigen Mauerumfassung (rund 2 Meter hoch aus Ziegel), die unmittelbar an die Nachbarschaftsanwesen angrenzte. An der Türseite waren daran nach außen und innen Strohdachvorbauten aus Holz angebracht (2 Meter in jede Richtung). Innen befanden sich etwas landwirtschaftliches Gerät, ein paar Vorratssäcke und zwei Bettgestelle. Auf einem schliefen gerade die Buben (2 und 5) bei sehr aktiver Stechmückentätigkeit. Strom hatte er zwar, jedoch nur in Form einer Glühbirne, die keinen Schalter besaß, also Tag und Nacht weiterbrannte und von deren Fassung er mit zwei Drähten zum Aufladen für sein Handy den Strom abtastete. Er arbeitete eigentlich in Lacknau als Installateur (wo er, wie er sagte 100 bis 200 Rupien am Tag verdiente) und war nur zu Hause, weil er gerade in seiner Landwirschaft zu tun hatte. Tiere besaß er keine.

Ich traf also am nächsten Tag morgens ein, als er bereits mit Frau, Kindern und zwei Verwandten (Neffe und Nichte, 10 -12 Jahre) am Feld zu Gange war. Er zeigte mir zuerst, was alles zu tun war (zuerst wurde das Feld ordentlich mit Grundwasser gewässert, indem Kannäle zur Pumpe hin geöffnet wurden, dann wurden die Minte-Setzlinge mit Hilfe einer gespannten Schnur in Reihe gesteckt. Bald wurde ich dann zum Haus eines Staatsangestellten (wirklich das einzige richtige Haus im Ort) eingeladen, wo ich mich auf die Veranda setzen, im Schatten zuschauen konnte und sogar eine Steckdose zur Verfügung hatte. Mein Angebot mitzuhelfen hatte Narendra nicht akzeptiert und er war dann auch froh, dass ich die Arbeit nicht länger störte. Dort war ich dann die Attraktion für die Dorfjunged, begann aber bald diesen Zulauf für Hindi-Lektionen und Aufnahmen zu nutzen. Als ich davon genug hatte, setzte ich mich mit dem Fahrrad in die Felder der Gegend ab und suchte mir zum Ruhen ein ruhiges Plätzchen.

Als ich Nachmittags ins Dorf zurück kam, war die Feldarbeit gerade beendet und ich wartete eigentlich etwas auf das Essen, doch damit war es offensichtlich nicht eilig und mir wurde nur unter der Überdachung nach außen ein Bettgestell zum Sitzen zur Verfügung gestellt. Dort war ich wieder Attraktion für Hinz und Kunz, die alle dieselben Fragen stellten und sobald der eine abserviert war, nahm bereits der nächste seinen Platz ein. Ich versuchte das wieder etwas für mein Hindi nutzbar zu machen und suchte dann eher Hals über Kopf das Weite. Allerdings hatte ich auch einen Grund, da ich bemerkt hatte, dass ein Reifen meines Rades Luft verlor… Zumindest weiß ich jetzt, wie sich ein Star fühlt, der von seinen Fans verfolgt wird – ziemlich anstrengend so was….

Als ich zurückkam, erwartete mich Narendra bereits: er würde zur Familie seiner Frau fahren (15 km, dort wollte er noch Setzlinge holen, die ihm ausgegangen waren, wie ich später erfuhr) und ich solle mitkommen. Er hatte sich zu diesem Zweck frisch gemacht und ein Motorrad geliehen.

Das war genauso ein armseliges Dorf, in dem jeder mit Landwirtschaft beschäftigt war… Die Verwandten lebten zwar in einem stattlicherem Steinkomplex, doch elektrischen Strom hatten sie noch keinen. Nachdem wir etwas das Dorf besichtigt hatten, wurde uns noch bei Kerzenlicht ein gutes Essen serviert.
Bevor wir zu seiner Behausung zurück kamen, machte Narendra noch einen Abstecher in die Felder, weil er noch ein Geschäft verrichten musste (er selbst hatte keine Toilette). Da erzählte er mir, wie arm er sei (was zweifellos stimmte), dass wir nun Freunde seien und meine Bekanntschaft ihm Glück für seine Zukunft verhieß – ich sagte ihm der solle sich eine bessere Arbeit suchen, da er doch zumindest Englisch sprach.…
Wenn ich in diesem Ort irgendwo einen Rückzug für mich besessen hätte, wäre ich hier gerne noch länger geblieben, doch in das Innere von Narendras Anwesen kam ich nur noch, um meinen Rucksack zu bedienen.
Offensichtlich stellte ich für ihn und seine Frau auch ein Problem dar, da ich natürlich nicht allein mit seiner Frau zusammen sein durfte, ich also immer, wenn er weg war, mit ihm kommen musste oder irgendeine Anstandsgesellschaft da sein musste. Als ich also den Vorschlag machte, ich würde bereits am nächsten Morgen weiterreisen, hatte er auch keinerlei Einwände, da er am nächsten Tag, nach kurzer Tätigkeit auf dem Feld nach Lacknau in die Arbeit musste.

Ich warf mich also am nächsten Morgen noch vor 8 auf meinen Drahtesel, radelte, bis es mir zu viel wurde und kaperte dann einen Bus Richtung Sitapur, um dort gleich weiter nach Bareilly (nichts besonderes zu sehen) zu fahren. Dort ruhte ich zwei Tage und kam dann am Montagabend, den 18. März in diese riesen Agglomaration Dehli mit über 22 Millionen Bewohneren. Da fragte ich mich zunächst schon, was ich hier mit einem Fahrrad anfangen sollte. Das ist doch alles viel zu groß für diesen Schepperkasten, der alle Tage eine Reparatur nötig hat und hier schien es auch keine Fahrradmonteure zu geben.

Als ich dann aber die 14 km vom Busbahnhof zu den billigen Unterkünften in der Nähe des Neu-Delhli Bahnhofs zurückgelegt und mich am nächsten Tag vorsichtig orientiert hatte, zeigte sich der Vorteil eines Rades dann doch wieder sehr klar.

Ich bleibe den Vormittag im Zimmer und fahre dann jeden Tag in eine andere Richtung, bis ich ein ruhiges Plätzchen zum Lesen oder Hindi-Lernen gefunden habe. Mittwoch kam ich zum roten Fort und zur Jami Masjid. Donnerstag India Gate, Regierungsviertel, Kahn Market und heute dachte ich eigentlich, dass ich den Tag am Ufer des Yamuna verbringen könnte. Das ist jedoch wirklich eine schwarze, stinkende Kloake, die natürlich nicht für die Naherholung erschlossen ist. So überzeugte ich mich nur, dass es auf der anderen Flussseite mit abwechselnd Wohnbebauung und Markttreiben weitergeht und ging wie die letzen Tage auch für die Abendmeditation in einen Tempel; gestern und heute in schöne Sik-Tempel, wo es irgendwie gesitteter und unkonventioneller (Frauen und Männer sitzen nicht getrennt) zugeht, als bei Moslems und Hindus. Nach dem Abendgebet gab es auch jeweils gute Life- Musik (Gesang, Harmonium und Tabla).

Ursprünglich hatte ich gedacht, dass ich zumindest dem Ananda-Ashram in Gurgaon (Trabantenstadt) einen Anstands-Besuch abstatten müsste. Doch nach diesem ultimativen Vipassana-Retreat erscheinen mir diese Yogananda-Ashrams eher wie Wischi-Waschi. Ich hab erst heute wieder so richtig zu meiner eigenen Routine zurückgefunden und spirituell brauche ich eigentlich nicht mehr. Wie es bei YSS zugeht, weiß ich inszwischen und die dreißig km nach Gurgeon erscheinen mir zu viel Aufwand. Außerdem ist es inzwischen bereits sehr heiß (heute habe ich mir deswegen eine Glazze scheren lassen). Am nächsten Mittwoch geht es also weiter in den Norden. Entweder nach Rishikesh oder erst noch einen Abstecher nach Darhamsala.
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22.-3. .2.4.2013 Delhi – Srinagar

Beitragvon kashiraja am Di 02.04.2013 17:45

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Dehli hat einen alten Stadtkern, an den die Briten Anfang des 20. Jahrhunderts eine moderne Stadt Neu-Delhi angebaut haben. Neu-Dehli ist großzügig geplant und weist viele Prachtbauten und Parks auf. Man hat also mit Dehli eine Stadt im europäischen Stil und nicht weit davon kann man in das indische Chaos und teilweise ins Mittelalter eintauchen. Die Preisunterschiede bei Speisen und Obst sind dementsprechend.

An mehr Ashram besuchen hatte ich zurzeit kein Interesse. Dafür regte sich dasjenige, Jagat-Guru meine Ehre zu erweisen, d.h. doch noch mehr von der indischen Welt zu erkunden. Denn seit ich in Indien angekommen bin, ist das Indien, das ich gesehen habe und auch die Speisen, die ich gekostet habe (zumindest auf dem einfachen Niveau, auf das ich mich beschränke) relativ gleich gewesen. Also kundschaftete ich schon am Samstag die Möglichkeiten der Weiterreise aus und beim Studium meiner Karte sah ich, dass meine ursprüngliches Ziel, Amritsar, Jammu, Srinagar und wenn die Pässe bereits offen sind über Leh nach Daramsala und über Shimla nach Rishikesh noch zu machen wäre. Vielleicht würde ich da ja dann noch ein anderes Indien kennen lernen. Auf jeden Fall endlich herauskommen aus diesem landschaftlichen Einerlei einer flachen Scheibe, in die nur der Ganges etwas und hier und da ein anderes Flüsschen eine Abwechslung brachten. Außerdem hatte mir meine Schwägerin ans Herz gelegt, unbedingt Kashmir und Leh zu besuchen und Yogananda war ja schließlich auch mal mit Sri Yukteswar bis nach Srinagar hoch getuckelt.

Bis zum Montag schaute ich mir noch einige der vielen Sehenswürdigkeiten Delhis an. Am Sonntag die hohe Säule im Süden. Am Montag die in Stein gebauten astronomischen Instrumente aus dem 18. Jh. und besuchte dann noch den YSS-Kendra nicht weit vom Rajiv Chouk oder Connarth-Place. Dort kaufte ich noch einige Medien, was dann schnell wieder den Gedanken an eine erneute Sendung nach Deutschland weckte, um das zusätzliche Kilo nicht die restlichen 7 Wochen mitschleppen zu müssen. Also schaute ich noch in einige Geschäfte v.a. mit Klangschalen und anderen Musik-kleinkram und sandte das 6. und nun wohl wirklich das letzte Paket danach gleich nach Deutschland.

Am Dienstag gings dann schon mit Bus in Richung Amritsar. Die Nacht verbrachte ich in Ludijana, einer Millionenstadt, die offensichtlich außer Marktgeschehen und dem üblichen indischen Treiben wenig zu bieten hat. Im Hotel wurde ich vor dem Holifest gewarnt, bei dem die folgenden zweit Tage das Leben, wegen der Fabspritzerei unsicher gemacht werden würde. Wenn ich das nicht wolle, sollte ich am folgenden Tag um 4 oder 5 Uhr früh weiterreisen. Auch auf dem Yoga-Festival in Berlin hatte mir Mandakini letztes Jahr gesagt, das Holifest sollten Ausländer am besten in einem Ashram aussitzen. Also bewaffnete ich mich am Abend noch mit Spritzpistole und 500 g violetter Farbe, um dem Treiben nicht ganz wehrlos ausgesetzt zu sein und dachte mir einen Plan aus, wie ich den folgenden Tag möglichst ungeschoren durchkommen würde, ohne irgendwelchen indischen Gepflogenheiten aus dem Weg zu gehen.

Als ich dann am nächsten Morgen vom Dach meines Hotels erst mal die Lage erkunde, sehe ich bald, dass da kaum etwas los ist. Nur ein paar Kinder werfen etwas mit Farbe und spritzen mit Wasser. Die Passanten tragen nur vereinzelt Farbspuren. Also verpacke ich meine Bewaffnung, um keine Angriffe zu provozieren und komm dann bereits am Mittwoch um 14:00 Uhr in Amritsar an, wo ich mich gleich nach einer unkomplizierten Zimmersuche zum goldenen Tempel begebe, dort esse, etwas arbeite, viel meditiere und abends, nachdem ich noch einiges von den dortigen verfügbaren Speisen und Snacks gekostet habe, direkt ins Zimmer zurückkehre.

Weil ich über Simkarte kein Internet mehr empfange, seit ich Utter Pradesch verlassen habe, erfahre ich erst am nächsten Tag, nach einer halben Stunde im Internet-cafe, dass ich in der Pilgeranlage auch übernachten hätte können. Der goldene Tempel ist eine rießige Pilgeranlage mit massenhaftem Zulauf und Rundumversorgung, d.h. man bekommt auch zu essen und Tee und das nehmen nicht nur die Armen in Anspruch. Das Essen ist gut, es hat jedoch nichts an Gemütlicheit, ist eine relativ schnelle Abfertigung. Die Spiritualität, die dort praktiziert wird, bleibt jedoch auf dem Niveau der Offenbarungsreligionen.

Am Freitag im Bus nach Jammu komme ich ins Gespäch mit einem indischen Christen, der mich darauf aufmerksam macht, das heute Karfreitag ist, nachdem ich mich schon mehrmals über christliche Prozessionen auf den Straßen gewundert hatte. Wilson hat die katholische Lehre verinnerlicht und wirft mit den Floskeln der Errettung der Welt durch Gottes eingeborenen Sohn um sich. Irgendwie trostlos und auch nicht besser als die Egozentrik der Moslems, dagegen hat mich ein Hinweis auf einer gestern heruntergeladenen Seite, dass der Allgäu-Ashram von Yoga-Vidya so gut wie steht, den ganzen Tag mit Freude erfüllt.

80 km vor Jammu dann die ersten Hügel und in der Ferne auch einige Berge sichtbar. Die ersten Erhebungen seit meiner Fahrt von Ranchi nach Gaya vor über drei Monaten – wenn man von dem riesigen stinkenden Müllberg in Delhi einmal absieht, an dem ich auf meiner Fahrt nach Norden vorbeigekam.

Als ich mir dann in Jammu die in Amritsarer Internetcafe heruntergeladenen Artikel zu Srinagar und Leh genauer ansah, (12 h Busreise Jammu-Srinagar, 24 h Srinagar Leh, noch recht kühle Temperaturen in Srinagar und in Leh Kälte, die Passstraßen erst im Juni offen) hatte ich schon beschlossen, einige Tage in Jammu zu bleiben und dann gleich nach Dharamshala zu fahren.

Als ich am Karsamstag jedoch in ein besseres Quartir umziehen wollte, wurde ich von einem Vermieter versetzt und auf dem Weg zu einem anderen sprach mich ein Reisevermittler an, ich solle doch noch hier mit dem Jeep nach Srinagar mitreisen, der in 15 Minuten abgehe, das koste nur 500 Rupien, das Rad würde kostenlos mitgenommen, die Fahrt dauere nur 7 Stunden, dort sei es nur Nachts kühl, es sei dort sehr viel schöner als in Jammu, er könne mir ein Zinmer in einem Hausboot für 300 Rupien vermitteln, die Straßen nach Leh seien in wenigen Tage offen, etc., schlug ich kurzentschlossen zu und kam nach tatsächlichen 9 ½ h in Srinagar an.

Am nächsten Morgen lud mich der Besitzer des Hausbootes zu einem Tee ein, zu dem sich dann zufälligerweise auch ein Schmuckverkäufer einstellte, der vor mir seine Kollektionen ausbreitete und mich noch in sein Depot paddeln lassen wollte, obwohl ich ihm versicherte, dass ich nichts kaufen würde. Als ich das hinter mir hatte (sehr schöne Sachen zu ganz ordentlichen Preisen, die mich jedoch nicht weiter interessierten), wurde ich gleich in das nächste Boot gebeten und in dem ging es nicht zurück zu meinem Hausboot, wie ich erwartet und gehofft hatte. Damit ging es über Kanäle in ein Schauhaus mit lokaler handwerklicher Ware und Kunstgegenständen, v. a. Teppichen und bemalten Pappmaschefiguren….

Diese Rundfahrt durch die Bootskolonie und Seitenkanäle bei Sonnenschein und Frühlingsstimmung war aber insgesamt ein schönes Erlebnis. Leider hielt sich das Wetter nicht. Am zweiten Tag gegen Abend fing es heftig an zu regnen und es wurde ziemlich kalt. So verbringe ich den Tag zunächst im Zimmer (ich bin in ein 200-Rupien Quartier an Land umgezogen, wo ich jederzeit Zugang habe) und als es etwas aufklart leiste ich mir gegen Abend noch einen Jeep, der mich zu einigen Sehenswürdigkeiten bringt. Zum Hinsetzen ist es zu kalt. Den Abstecher nach hier oben bereue ich nicht. Das ist doch noch mal ein ganz anderes Indien: Über 98% Moslem, Indien tritt wie ein Besatzer auf, schöne Landschaft…

Morgen geht’s zurück nach Jammu, weil die Straßen nach Leh doch erst im Juni öffnen und es keine direkte Verbindung nach Dharamshala gibt.
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Mo. 8.4.2013 Leh

Beitragvon kashiraja am Sa 13.04.2013 07:42

Wie komme ich nach Leh (in Ladakh)? Das hat sich so ergeben. Bei der ersten Rast auf der Fahrt von Srinagar zurück nach Jammu erzählt mir doch der Jeepfahrer, er würde gleich am folgenden Tag wieder nach Srinagar hochfahren und freue sich schon darauf, danach die Tour nach Leh zu fahen, gestern Abend sei im Fernsehen angekündigt worden, dass die Straße nach Leh so früh wie noch nie, am 5. April geöffnet werde.

Mein Interesse an Ladakh ist doch sehr groß, nicht zuletzt, weil ich das Buch des 7 Jahre Tibet Harrers dazu gelesen habe und irgendwie ziehe ich die Kälte des Gebirges der Hitze der Ebene vor. Ich genieße also die fast 9 stündige Panoramafahrt nach Jammu, suche mir in alter Trampermanier eine Ecke zum Schlafen, weil ich für 7 Stunden keine 400 Rupien für ein Zimmer ausgeben will und fahre am nächsten Morgen mit dem Bus zurück nach Srinagar. Aufgrund der landschaftlichen Schönheit sind die 12 ½ Stunden Fahrzeit sehr kurzweilig. Außerdem erhalte ich einen Platz neben einem indienerfahrenen Franzonen, mit dem ich mich gut austauschen kann. Als es auf der Fahrt dunkel wird, höre ich mir aus Yoganandas Autobiographie noch das Kashmir-Kapitel an. Nachdem man die Orte mal besucht hat, sind die Eindrücke daraus sehr viel plastischer. Yogananda hat vor rnnd 100 Jahren mit Sri Yukteswar mehrere Wochen in Kashmir und Srinagar verbracht. (Sie fuhren mit dem Zug nach Rawalpindi). Beim Besuch des Shankararcharia-Tempels hoch über Srinagar hatte Yogananda eine Vision seines ersten Ashrams in den USA auf dem Mt. Raffael in Los Angeles, das heutige Mutterzentrum.

Diesen Tempel nehme ich mir also für den nächsten, endlich wieder sonnigen Tag als Ziel vor und buche die Fahrt mit Jeep für den darauffolgenden Tag, Sa. 6. April, Abfahrt 6:30 Uhr. Voraussichtliche Fahrtzeit nach Leh 16 Stunden.

In Sonmarg vor dem Aufstieg zum Pass gibt es dann aber noch eine Verzögerung von 3 ½ Stunden, weil die Straßenöffnung natürlich mit einer Feierlichkeit zelebriert werden muss (von irgendwelchen hochgestellten Persönlichkeiten). Derweilen wird die Straße in typischer indischer Chaosmanier von den wartenden Jeeps und Lastwagen über eine Strecke von 500 m völlig zugestellt. Als dann die feiernden 50 Jeeps wieder ins Tal wollen dauert es eine Stunde bis sich das Gewirr wieder entflechtet hat… Das Wetter ist jedoch herrlich und die landschaftlichen Eindrücke machen alles Wett.

Als wir schließlich um 23:00 Uhr in Leh eintreffen, schläft die Stadt bereits, und da ich so ziemlich der einzige Tourist in diesem ersten Treck bin, wartet auch niemand mit einem Zimmerangebot auf mich; die Unterkunftshäuser haben bereits geschlossen. So suche ich mir in einem Rohbau ein windgeschütztes Eckchen und verbringe auf 3400 Meter Höhe aufgrund meines waremen Daunenschlafsacks eine gar nicht so kühle Nacht. Am Morgen genieße ich dann auf dem Dach des Rohbaus die schöne Aussicht, lasse mich von der Sonne wärmen und suche mir dann ein schönes günstiges Zimmer in einer Privatpension. Dort ist eine freundliche Frau meine Kontaktperson. Ein deutliches Zeichen eines Kulturunterschieds zwischen Kashmir und Ladakh.

In Kashmir wurde mir die minderwertge Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft wieder bewusst. Man kommt mit ihnen einfach nicht in Kontakt, sie werden unter Verschluss gehalten. In der dritten Unterkunft in Srinagar gab es Frauen und ich konnte Grüße austauschen. Doch bei irgendwelchen Anliegen wurde ich immer auf die Männer verwiesen. Die Frage, die sich mir stellt ist, ob nicht der Islam diese gesellschaftliche Haltung erst nach Indien gebracht hat, denn im Hinduismus und Buddhismus scheint mir das ja nicht angelegt.

Dass der Rolle der Frau in der SRF Schranken auferlegt sind, könnte auch daher rühren, dass Yogananda auf die herrschenden indischen Verhältnisse Rücksicht nehmen musste. Diese Unausgewogenheit wird nur dadurch ein wenig ausgeglichen, dass Frauen in der SRF die hohen Verwaltungsposten inne halten. Bei Ananda gibt es viele Frauen, die unterrichten und nach meinen Erfahrungen auch nicht schlecht. Für mich wieder ein Indiz dafür, dass Ananda eine notwendige Ergänzung zur SRF darstellt.

Auf jeden Fall hat Indien noch schwer daran zu arbeiten, diesen Knoten in der Gesellschaft wieder auszubügeln.

Da Leh auch einen Flughafen hat, bin ich nicht der einzige Tourist. Die Stadt bereitet sich gerade auf die Touristenmassen vor, die ab nächsten Monat zu erwarten sind. Das einstige verschlafene Nest existiert nicht mehr. Die kleine Stadt macht den Eindruck einer Touristenhochburg. Viele Geschäfte sind noch geschlossen, der Palast und das Kloster oberhalb der Stadt ebenfalls. Frieden und Stille herrscht ausreichend, da es keinen Durchgangsverkehr gibt, doch sobald einmal die Touristenmassen da sind, ist es damit sicher auch weitgehend aus.

Wenn die Sonne scheint, ist es angenehm warm. Doch morgens, abends und nachts ist es ungemütlich kalt. Die Bautechnik ist nicht ausgereift. Es gibt nur leichte Fenster mit Einfachverglasung.

Am ersten Tag laufe ich die Stadt ab, am zweiten steige ich zum Palast, Kloster und zur Burg hoch. In letzere verschaffe ich mir durch eine kleine Kletterübung Einlass. Ganz oben hat sich am 12.8.1979 ein gewisser Harri verewigt. Seither scheint sich dort nicht viel verändert zu haben. Ich schlafe ein bisschen und meditiere dann hoch über der Stadt. Eigentlich sollte man für Kashmir und Ladakh jeweils mindestens 2 Wochen Zeit haben. Mir ist es jedoch vor allem wichtig einen Eindruck zu gewinnen und das mal gesehen zu haben. Wer weiß ob ich noch mal nach Indien komme….

Also kauf ich späten Nachmittag noch eine Busfahrkarte zurück nach Kargil für den nächsten Tag (Die Straße nach Manali soll erst Ende April öffenen). Dann fällt mir doch noch ein, dass ich dem Indus, der unten im Tal fließt, gerne noch die Hand geschüttelt hätte. Auf den 5 km hinunter sehe ich was der Baubuhm alles hervorgebracht hat. Ein großer Baumarkt reiht sich in einzelnen Geschäften die Straße entlang. Auch viel Militär ist hier stationiert. Wenn man das ursprüngliche Ladakh kennen lernen will, muss man sich zu Fuß in die Dörfer und Klöster aufmachen. Dazu ist es mir jedoch noch zu kalt….
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9.4.- 18.4. Leh-Kargil-Jammu-Dharamsala-Shimla

Beitragvon kashiraja am Do 18.04.2013 07:34


Da ich den Großteil der Strecke von Kargil nach Leh nur bei Nacht erlebte ist die Rückfahrt im Bus ein schönes Erlebnis. Viele Erinnerungen aus meiner schönen Zeit als Geographiestudent und Geologieinteressierter kommen hoch. Im Bus sieht man eindeutig besser als im Jeep, man hat mehr Pausen und auch mehr Zeit für Fotos und Videos. Auch über Land finde ich das Busreisen angenehmer und praktischer. Die längste Wartezeit, die ich bisher hatte waren keine 2 Stunden und ich bekomme meist einen Panoramasitzplatz ganz vorne neben dem Busfahrer. In den Städten hat man gleich eine Stadtrundfahrt inklusive, während man mit dem Zug meist nur durch trostlose Stadtteile kommt. Nicht ohne Grund bin ich seit dem 25.12. nicht mehr mit dem Zug gefahren…

Kargil ist wieder komplett in moslemischer Hand, weniger Ausrichtung auf Tourismus, für mich nur eine Durchgangsstation. Nach der Ankunft nehme ich gleich ein Angebot an, am nächsten Tag um 5 Uhr mit Ziel Jammu weiterzufahren, das ganze für 1500 Rupien. Busse sind für den Pass noch nicht zugelassen.

Das vierte Mal auf der Strecke Jammu Srinagar, ist mir schon vieles bekannt und als es abends dunkel wird, höre ich mir den Vortrag von Bruder Anandamoy „Importence of a true Guru“ (Die Bedeutung eines wahren Guru“) an. Diese Vorträge von Anandamoy sind wirklich ein großes Geschenk. Sie nehmen einen in das weite Bewusstsein des Sprechers mit und erklären einem das tiefgründige Wesen Yoganandas. Die Nachwirkung dieser Stunde Vortrag bleibt mir noch mehrere Tage erhalten… Schade dass man nicht daran dachte, Anandamoys Vorträge mitzuschneiden, als dieser noch nach Deutschland kam und sie auf deutsch hielt.

Jammu, die Stadt der Tempel, erkunde ich einen Tag lang, sehe dass sie natürlich auch ihren Reiz hat. Eine schöne Altstadt mit breiten und engen Gassen und einem wimmelnden Käuferstrom machen mir wieder bewusst, welch großen Binnenmarkt Indien hat. Doch es stapelt sich auch hier sehr viel billige Chinaware, während die indischen Handwerker mit den primitivsten Mitteln in langer Handarbeit mühselig ihre Produkte herstellen…

In einem der großen Tempelanlagen halte ich mich länger auf und merke in meinen Meditationen, dass zwar das zeremonielle Getue einen sehr minderwertigen Eindruck macht, gleichzeitig die Energie des Ortes zweifellos sehr stark ist.

Am Samstag dann mit dem Bus nach Dharamshala, wo ich nach über 2 Wochen wieder über mein Smartphone Internetzugang habe und mein nicht ausgeschöpftes Kontingent des 30 Tag Pakets noch in vollen Zügen auskosten kann.

Der Teil von Dharamshala, wo der Dalai Lama und die Tibeter ihre neue Heimat gefunden haben, Mc Leod Ganj und Umgebung, ist sehr klein. Es wimmelt dort von Touristen, Verkaufsständen, Restaurants und allen möglichen Angeboten von Yoga über Tai Chi bis Hindi-Kursen. Der Dalai Lama ist scheinbar nur wenige Tage im Jahr hier. Zurzeit weilt er gerade in der Schweiz.

Am ersten Tag nehme ich mir den Tsuglaghang Komplex zum Ziel. Dort werden die Mönche ausgebildet und es gibt einen Tempel, der jedoch für die stille Meditation kaum geeignet ist. Es gibt keinen richtigen Platz zum Sitzen, bzw. der Platz wo man Sitzen könnte, ist abgesperrt, bleibt den Mönchen vorbehalten. Die Besucher vollziehen irgendwelche Gebetsriten. Am zweiten Tag ziehe ich einen etwas größeren Kreis in Nachbarorte und sehe, wie weit sich touristische Erschließung mit Unterkünften, Cafes, Restaurants, Verkaufsbuden, etc. ausdehnt. Den dritten Tag wollte ich eigentlich noch etwas weiter in die Natur ausschwärmen. Dann bleibe ich jedoch an einem Verkaufstand mit Klangschalen hängen. Wenn man sich eine Klangschale in Indien zulegen will, scheint mir hier Mc Leod Ganj mit seinem reichlichen Angebot der richtige Ort zu sein. Kurzentschlossen sende ich noch einmal ein Paket nach Hause in der Hoffnung die 25 Klangschalen in Deutschland gut weiterverkaufen zu können.

Viel vom spirituellen Leben der Buddhisten habe ich nicht mitbekommen. Der Aufenthalt war jedoch sehr förderlich für tiefe Meditationen, was in Shimla nicht der Fall ist.

Am 16. geht es also um 6 Uhr morgens weiter mit dem Bus nach Shimla durch die hügelige Shivalik-Zone.
Über Shimla hatte ich in verschiedenen spirituellen Büchern gelesen, auch Yogananda hat dorthin auf seiner Reise nach Kashmir einen Abstecher gemacht. Die Hauptstadt von Himachal Pradesh ist schon etwas Besonderes. Es geht hier Hügel rauf und runter, doch die Dimensionen mit Hunderten von Metern sind ganz was ganz anderes, als man das zum Beispiel von Stuttgart her kennt.

Mehr als gewöhnliche hinduistische Spiritualität ist hier jedoch nicht anzutreffen. Den Platz in den spirituellen Büchern hat der Ort nur gefunden, weil Shimla in der Kolonialzeit Sommersitz der englischen Regierung war. Die Schönheit der Bebauung aus der Zeit der Engländer weicht schön langsam dem Pfusch, Provisorium und der Improvisation der Inder. Manche Anlagen und Bauten aus der Kolonialzeit sind dem Verfall preisgegeben….

Vier Nächte ist mir das nicht wert, morgens und abends ist es auch noch recht kühl. Morgen geht es weiter nach Rishikesh.
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19.4.- 1.5. Rishikesh

Beitragvon kashiraja am Mi 01.05.2013 08:29

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Als erstes kaufe ich mir in Rishikesh ein Fahrrad, das hab ich mir vorgenommen, als ich mein altes in Srinagar verkaufte, brauch es dann aber hier nur zweimal wirklich ausgibig, am 21. als ich einen Tag den Ganges bis zum Stauwerk nach Süden folge und dann auf der anderen Flussseite zurück zum Lakshman Tschula fahre und am 22. als ich den Ganges bis Byasi (rund 30 km) ins Gebirge folge und dabei ein Route für das Trecking auskundschafte.

Denn die Straßen nach Gangotri, Kedernath und Badrinat sind noch nicht geöffnet und mir da eine Trecking-Tour von der Stange reinzuziehen und mich mitschleifen zu lassen, das ist nicht meine Sache.

Also fahre ich am 24. mit dem Bus nach Shivpuri und wandere dort gemütlich und mit vielen Pausen dem Gangeszubringer entlang flussaufwärts. Keine Straße nur ein Fußweg und ab und zu mal ein Einheimischer. Denn wo das Tal mal etwas Fläche zum Anbau von Weizen hergibt, ist wieder eine Siedlung. Am zweiten Tag komme ich dann heraus aus den bewohnten Bereich und wate mehr im Fluss (mit nicht so kalten Wasser) als dass ich einen Weg finde und plane da noch weiter hochzuwandern. Doch am Abend komme ich wieder in mehr bewohntes Gebiet und einige Jungs laden mich ein, bei ihnen zu übernachten. Von ihnen erfahre ich, dass 5 km weiter oben eine Straße kreuzt. Als ich da am nächsten Tag hinkomme, ist es aus mit der Idylle, viele Siedlungen und das Tal ist auch nicht mehr so schön. So fahre ich mit dem Bus zurück nach Rishikesh unf am nächsten gleich nach Devprayag, wo sich der blaue Bhagirathi und der brauneAlaknanda zum Ganges vereinigen. Ich laufe etwas ins Tal des Bhagirathi und bleibe unten am Flussufer übernacht. Dort erlebe ich am Abend das Schauspiel, wie aus einem etwas größeren Rinnsal in einer Stunde ein reisender Fluss wird. Der Pegel steigt um 3 m und beginnt erst 30 cm vor meinem Lagerplatz wieder zu sinken. Der Pegel veränderte sich ständig und beträchtlich, wo das herkam, wurde mir nicht ganz klar.

Da weder das Tal des Bhagirathi noch das des Alaknanada zum wandern einladen, ziehe ich von Devprayag den Ganges entlang 30 km (weiter scheint der alte Weg nicht mehr gepflegt zu sein, 10 km oberhalb von Byasi nutze ich die Brücke und fahre mit dem Bus zurück) auf der anderen Flussseite flussabwärts. als ich mit dem Bus hochgefahren bin, weil ich beobachtet hatte, dass da ausreichend ruhige Wege verlaufen. Dies ist die alte Pilgerroute, die wegen der kürzeren Straße kaum noch genutzt wird.

Auf diesen zwei Treckingtouren komme ich was Natur- und Landschaftserlebnis betrifft voll auf meine kosten und merke, weil sich der Körper relativ schnell auf das Wandern einstellt, dass eine lange Tour wie der Jakobsweg oder hoch zum Kailash gar nicht so schlimm wären….

Fotos: https://www.facebook.com/bernd.prokop/photos_albums

Die spirituelle Seite Rishikeshs ist auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches. 6 Nächte hat es mir gereicht, in einer einfachen 200 Rupienunterkunft in der Nähe von Lakshman Tschula zu bleiben, die Energie war auch dort (wie beim wandern den Ganges entlang auch) so stark, dass die Meditationen sehr gut wurden.

Im Shivananda-Ashram hab ich mich zwar nach meiner Ankunft um eine Unterkunft bemüht (irgendwo hatte ich gelesen, für 3 Tage hätten die immer Platz), erfahre aber, dass man sich mindestens 1 Monat vorher anmelden müsse. Was ich dort dann aber als Besucher erlebe (der sehr wenig besuchte Abendsatsang mit Männer-Frauen-Trennung war eher trostlos zu bezeichnen, die Yoga-Stunden auch für Frauen und Männer getrennt – für Männer früh am Morgen, Frauen nachmittags; der Kirtan am späten Nachmittag glich mehr dem Gesang beim Altennachmittag - kein Vergleich zur Atmosphäre bei Yoga-Vidya), war nicht sonderlich erbaulich, so dass ich am Ende wegen der Absage nicht traurig war.

Nach meiner Rückkunft aus Devprayag ziehe ich noch für zwei Tage in den Kriya-Yoga-Ashram, Tapovan, http://www.kriyabanservice.com/ashram.php, und merke, dass das Leben in einem Ashram doch noch einmal eine ganz andere Qualität hat. Obwohl ich vom Wandern her eigentlich müde hätte sein müssen, bin ich voller Energie, gehe erst spät schlafen und bin schon um 4 wieder so wach, dass ich in die Morgenmeditation gehe.

Die Architektur des zentral und an der Hauptverkehrsstraße gelegenen Ashrams ist besonders interessant. Die Meditationshalle ist kreisrund von Gästezimmern auf drei Stockwerken abgeschirmt und so eine Oase der Stille. Der Ashram befindet sich noch im Aufbau, hat jedoch das Potential einmal sehr viele Yogis zu behergen. Für einen Kriya-Yogi ist dieserr Ashram in Rishikesh wohl erste Wahl: Zwei Meditationszeiten morgens und abends (5:30 – 7:30 und 18:30 – 20:00), bei denen erst Mantras rezitiert und ein Arati gefeiert wird. Dann geht das Licht aus und die Meditierenden sind völlig sich selbst überlassen, nicht einmal das Ende wird angezeigt. Die Leute verlassen einfach still nacheinander die Halle, die einen früher, die anderen später. Im Grunde alles sehr gut angelegt für die Kriya-Praxis und mein Zimmer lag auch noch unmittelbar in Nähe der Meditationshalle.

Es sind auch Yoga-Stunden gegen Extra-Zahlung im Angebot und es gibt hin und wieder mal eine Einweihung (die für meine Zeit angekündigte fiel jedoch leider ins Wasser, sie hätte 2100 Rupien gekostet). Den Wert dieser Art von Einweihungen halte ich jedoch für zweifelhaft, weil die Leute nicht gleichzeitig in die Disziplin eingeweiht werden, die Übungen regelmäßig auszuführen. Da fährt man mit der SRF meiner Ansicht nach immer besser. (Die Einweihung hätte mich jedoch trotzdem interessiert, um den Meister kennen zu lernen. Dieser weilt jedoch in anderen Landesteilen)

Das Einzige, was mich etwas störte, war das Arati und die Gebets-(Mantra)zeit am Anfang der Meditation – ein Kniefall vor den Traditionalisten, die ihre Praxis auf solche Äußerlichkeiten reduzieren und dann vor der Meditation schnell noch den Raum verlassen. Diese gibt es leider auch hier, was mir aber im Grunde egal sein kann. Doch leider wurde ich einmal etwas vehement aufgefordert, dazu aufzustehen….
Dann gibt es in diesem Meditationsraum auch diese hässlichen lebensgroßen Marmorstatuen der Meister….
Welche Kriya-Linie das hier genau ist, wurde mir nicht ganz klar, doch sind sie liberal und verkaufen Literatur von SRF, Ananda und auch Harihariananda. Das Essen (3 mal am Tag) ist gut, sie haben 400 Rupien „Spende“ pro Tag verlangt. Damit kann man sehr gut leben.

Sonst hab ich mich um die vielen Ashrams und Gebetsstätten hier nicht viel gekümmert. Nur im Parmath Niketan-Ashram war ich noch und hab auch das Arati zweimal mitgemacht, weil diese von ihrem Internetauftritt her einen sehr guten Eindruck machten (ist mir jedoch zu traditionell, zu viel Schnick-Schnack zu wenig auf Meditation ausgelegt) und im Shivananda Kutir im Swarg Ashram, wo Shivananda 1924-34 (rund) praktizierte, war ich noch für eine sehr schöne Meditation.

Bilder:
https://www.facebook.com/media/set/?set ... 251&type=3

Heute geht es noch mit dem Fahrrad nach Haridwar und morgen mit Bus weiter nach Delhi.
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Mi. 1.-8.5. Haridwar bis Ahmedabad

Beitragvon kashiraja am Do 09.05.2013 21:45

In Haridwar herrscht sehr viel Pilgertrubel. Auch in Rishikesh machen die Inder selbst die Große Mehrzahl aus. Doch hier scheinen ausländische Touristen nur eine Randerscheinung. Um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, fahre ich erst mal mit der Seilbahn hoch zum Mansa-Devi-Tempel. Die indische Praxis des Opferns und Segenempfangs ist mir noch fast genau so fremd wie am ersten Tag. Ich genieße die Aussicht längere Zeit und mache mich dann auf den Weg zum Arati, das etwas nördlich am Fluss unten abgehalten wird. Als ich ankomme, sind sie jedoch gerade fertig. Ich genieße noch etwas die Atmosphäre und sehe mir dann in der Nacht noch das Championsleagespiel Bayern – Barca an, Spielbeginn 0:15 Uhr Ortszeit….

Dieser halbe Tag in Haridwar reicht mir, weil ich mit den vielen Tempeln erst mal nicht viel anzufangen weiß. Übrigens kam Yogananda bei seinem Versuch, in den Himalaya auszureißen, bis hierher…

Am nächsten Tag geht’s mit dem Bus weiter nach Delhi, wo ich nur einige Einkäufe tätige (darunter 3 kg Soyawürfel und noch mal ordentlich Bücher und CD’s von der SRF) und mein Gepäck bereits auf Flugfrachtniveau bringe – nicht ganz glücklich, da ich den Rucksack jedoch noch gerade so auf den Rücken hochbringe vernachlässige ich die Einwände von „Bruder Esel“….

Von Delhi nach Jaipur leiste ich mir mal eine Fahrt mit dem Volvo, um das auch mal miterlebt zu haben. Ich bin der einzige ausländische Tourist, alle anderen sind wohlhabende Inder. Mir fällt auf, dass die Frauen – jeden alters – fast durchweg unappetitlich übergewichtig sind. Die Wohlstandserscheinungen scheinen mir hier nicht anders als in den westlichen Industrieländern zu sein. Mein Sitznachbar erklärt mir, dass die Regierung (der Kongresspartei) gar nicht daran interessiert ist, das Bildungsniveau der einfachen Bevölkerung zu erhöhen, weil diese ihre Stammwähler sind. Das scheint irgendwie kaum glaublich, doch andererseits deuten einige Beobachtungen, die ich gemacht habe, genau darauf hin….

Jaipur
Die Hitze in Indien ist inzwischen extrem. Am ersten Tag entkomme ich dem, indem ich zu einer Festung hochsteige. Da herrscht zumindest immer ausreichend Wind und schattige Plätze finde ich auch.
Wieder unten wird mir in einer Tempelanlage zweimal der Eintritt verwehrt, weil ich einen Laptop dabei habe. Erst beim dritten Eingang untersucht die Kontrolle die Tasche nicht so genau....

Am zweiten Tag suche ich am nördlich gelegenen See mit Wasserschloss Kühlung. Das hat sich jedoch nicht rentiert. Baden ist aufgrund der Wasserqualität verboten. Bei einem Versuch den See mit dem Fahrrad zu umrunden (nicht möglich), sehe ich auch einen Grund für die schlechte Wasserqualität. Die Inder schütten da Säckeweise Mehl und anderes rein, um die Fische zu füttern, das gäbe gutes Karma. Die Plastiksäcke werden am Ufer praktisch entsorgt. Der Wind weht sie dann in den See oder irgendjemand zündet sie mal an.…
Vor einem Hanuman-Tempel, dasselbe Phänomen, alle paar Minuten kommt jemand an teilt an die Affen etwas aus, diese leben im Überfluss – sie sehen aber alle nicht gesund aus. Hungern scheint in Indien niemand mehr zu müssen…

Aufgrund der Hitze wird mir die Zuckerverliebtheit der Inder etwas zum Problem.
Zucker in Indien ist eine Plage. So ziemlich alle Süßigkeiten sind bis zum Geht-nicht-mehr mit Zucker gesättigt und auch sonst wird gezuckert, was das Zeug hält, nicht zuletzt der Tee….und da inzwischen die Hitze tagsüber und auch in der Nacht extrem ist, stelle ich fest, dass auch die Säfte und was sonst so zur Kühlung angeboten wird, vollkommen überzuckert ist, dazu im spirituellen Tagebuch mehr:
viewtopic.php?f=39&t=32&start=30

Auf der Rückfahrt vom See lockt mich ein Muezzin mit seinem schönen Gesang in eine Moschee und da spüre ich wieder die starke göttliche Energie. Bei allen Vorbehalten, die man gegen den Islam haben kann oder die zumindest ich habe dort ist Gott stark. Er gibt sich einfach, ohne zu urteilen. So sollte ich es wohl auch machen… Nach dem Gebet lasse ich mich zu einem Schmuckfabrikanten in sein Haus gleich gegenüber der Moschee einladen und kaufe 4 Ketten für 5000 Rupien, weil der Schmuck wirklich schön ist und mein Budget das auch noch hergibt. Der Sohn möchte gern über mich nach Deutschland exportieren. Wir kommen ins Gespräch und er vertraut mir sein Problem an, eine Freundin zu finden. Er erhofft sich von mir Hilfe. Irgendwie scheine ich da die falsche Adresse zu sein. Als Ausweg fällt mir dann aber doch das Internet ein. Ich zeige ihm mit den Suchbegriffen „Girlfriend Jaipur“ was das Internet so hergibt… Natürlich gibt es auch in Indien inzwischen ausreichend Partnerschaftsbörsen.

Zum Schluss lädt er mich auch noch zum Essen ein und ich probiere etwas vom Hammelfleisch, denn zu eng will ich das mit dem Vegetarismus auch nicht sehen. Vor allem, wenn Vegetarismus zur Arroganz führt (z.B. gegenüber dem Islam, wie ich das bei mir bemerkte) ist es heilsam, mal wieder ein Stückchen Fleisch oder Fisch zu essen…

In Udaipur besichtige ich den Stadtpalast und merke wie auch schon in Jaipur, dass etwas Kulturprogramm auch ganz gut tut. Am Abend schaue ich mir wieder mal einen Bollywood Film an (Border, der eigentlich auf Tatsachen zurück gehen sollte). Doch sehe ich, dass Bollywood im Vergleich zu Hollywood noch sehr einfach gestrickt ist. Das ist ein relativ neuer Film, ist jedoch so klischeehaft und primitiv gemacht wie deutsche Filme vor dem 2. Weltkrieg...

Und Ahmedabad wird mir hoffentlich immer eine Lehre sein: Denn, weil das in Jaipur und Udaipur so gut geklappt hat, gleich in der Nähe des Busbahnhofes ein günstiges Zimmer zu finden, bin ich davon ausgegangen, in Ahmedabad müsse es genauso zugehen und ließ die Vorabrecherche im WikiTravell sein.
Es gab dann auch ausreichend Hotels und Guest-Houses.
Doch auf die ich traf oder zu denen ich geschickt wurde, die hatten alle keine Lizenz, Ausländer zu beherbergen und wenn ich mal eins fand, das mich genommen hätte, war es mir zu teuer (denn bevor ich für einen Luxus bezahle, auf den ich keinen Wert lege, schenke ich das Geld lieber her, ganz zu schweigen, von den Fällen, wo für heruntergekommene Buden viel Geld verlangt wird….

So bin ich von Pontius zu Pilatus geschickt worden, denn keiner wusste so recht Bescheid und einer, der sonst sehr hilfsbereit war, hat mir sogar verklickert, ich solle am besten gleich wieder weiterreisen, weil Ahmedabad eine extrem gefährliche Stadt sei. Nachdem ich mit meinem schweren Gepäck und bei dieser Hitze (ich kam um 15:Uhr an) mit dem Rad 10-15 km und einiges zu Fuß zurückgelegt und bei 15 bis 20 Herbergen nachgefragt hatte, war ich schon entschlossen, die Nacht am Busbahnhof zu verbringen und am nächsten Morgen mit dem Bus nach Bombay weiterzufahren.

Zumindest wollte ich mir aber noch einige Informationen zur Stadt reinziehen und hab mir die Artikel in Wikipedia und im WikiTravel durchgelesen. Da erfuhr ich dann, dass Ahmedabad in Wirklichkeit eine der sichersten Städte Indiens ist, in der ich doch noch gerne ein paar Tage geblieben wäre und stieß auch auf einen kleinen Satz, der mir, wenn ich ihn rechtzeitig realisiert hätte, viel Mühe und Zeit erspart hätte: „In case you don't have an idea where to go when you arrive to the city, you could ask a rickshaw driver to take you to Relief Road which has plenty of budget accommodation available and is pretty close to the main train station.“

Also mache ich mich um 10 Uhr abends noch auf in diese Straße (2-3 km) und finde dort auch eine passable Unterkunft für 300 Rupien die Nacht….
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9.5. – 16.5. Ahmedabad – Wellheim

Beitragvon kashiraja am So 19.05.2013 20:00

Ahmedabad ist eine bedeutende Wirkungsstätte Mahatma Gandhis. Als er 1915 von Süd-Afrika zurückkam errichtete er dort am Flussufer einen ersten Ashram und zog dann 1917 in einen größeren um, wo er versuchte mit seinen Anhängern mit Kühen etc. autark zu leben. 1930 verließ er den Ashram mit dem Vorsatz, nicht mehr in ihn zurückzukehren, bis er sein Ziel, die Unabhängigkeit Indiens erreicht habe. Der größere Ashram ist als informative Gedenkstätte dreisprachig relativ modern aufgemacht. Yogananda hat Gandhi übrigens 1936 in dessen Warda-Ashram in Maharashtra aufgesucht.

Am Samstag, den 11. fahre ich dann um 4:00 früh zuerst mit dem Bus nach Surat und von dort mit dem Zug nach Mumbay. Bei der Bahn muss man das Fahrrad in der Gepäckaufgabe versenden und danach wieder abholen – verglichen mit dem Bus eine recht umständliche Angelegenheit und während beim Bus nur Fahrer und Begleiter daran verdienen wollen, halten bei der Bahn ganz verschieden Leute die Hand auf…

In Mumbay ist mir das Fahrrad aber wieder ein treuer Gefährte. Ich nehme mir jeden Tag eine andere Richtung vor und als ich am Montag zum Gateway of India komme, gehe ich auf die Bootstour zur Insel Elephantine, wo die Höhlen aber wegen Ruhetag geschlossen sind.

Spirituell geben die letzen Tage Delhi weniger her. Wegen der Hitze ist mein Schlaf sehr unruhig und ich habe nur noch ein paar halbwegs gute Meditationen. Eine Moschee hab ich noch besucht und darin außerhalb der Gebetszeiten meditiert. Das war auf jeden Fall besser als zu den Gebetszeiten, wo man die vielen Bewegungen mitmachen muss. In Hindu-Tempel hat es mich nicht mehr gezogen. Im Sinne eines sanften Übergangs verbrachte ich aber einige Zeit in katholischen Kirchen…

Eigentlich hatte ich vor, die riesen Vipassana Pagode im Norden Mumbais aufzusuchen. Doch die über 50 km bis dorthin sind mir dann zu weit und erst als ich mit der S-Bahn am Mittwochabend zum Flughafen fahre, sehe ich, dass man mit der Western Line ziemlich nahe hinkommt.

Inzwischen bin ich schon wieder einige Tage zu Hause und Indien ist wie ein Traum und ich Träume auch nachts davon.
Am meisten Schwierigkeiten bereitet mir das Essen. In Indien habe ich über 5 kg abgenommen und gedacht, da müsse ich hier wieder kräftiger zulangen. Doch an Vollkornprodukte, mehr Rohkost und verschiedenes andere muss sich der Magen erst wieder gewöhnen….
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Resümee

Beitragvon kashiraja am So 19.05.2013 20:15

Im Ganges bin ich in Varanasi, Allahabad und Rishikesh so oft untergetaucht, dass es wohl für dieses Leben reichen dürfte....
Spirituell ist Indien zweifellos eine Größe und wenn man so will Weltmarktführer. Doch wenn man dafür nicht aufgeschlossen ist und schon ein gewisses Vorverständnis mitbringt, wird man das in Indien kaum erkennnen und ich verstehe nun auch die Engländer, dass sie verächtlich auf die Hindus herabgeblickt haben. Meiner Meinung nach hat Indien keinerlei Grund, sich bei diesen zu beklagen. Ich möchte nicht wissen, wo Indien heute stehen würde, wenn sie von den Engländern nicht sehr viel Entwicklungshilfe bekommen hätten.

Fast die ganzen sechs Monate habe ich innerlich immer einen Groll gehegt und auch bei Gelegenheit frei nach außen Kund getan, dass so ein spirituelles Land nicht auch materiell etwas vorankommt und intelligenter handelt.

Ich hatte schon gedacht, Indien sei in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung etwas weiter. Wirtschaftlich stellen sie heute für uns noch keine Gefahr dar. Viele Infrastrukturprojekte, die für ein einigermaßen entwickeltes Land selbstverständlich sein sollten (z.B. eine zweispurige Straßenverbindungen zwischen Delhi und großen Nachbarstädten), werden erst jetzt angegangen. Manchmal frage ich mich, was die all die Jahre gemacht haben. Überall im Land fällt noch regelmäßig fast täglich und manchmal mehrmals täglich der Strom unvermittelt aus. Da ist es kein Wunder, dass sich viele Betriebe noch auf altertümliche Methoden verlassen. Es fehlt hier der Erfindungsgeist, sich das Leben etwas einfacher zu machen und vor allem könnten sie hier etwas mehr von Dr. Doolittle Motto gebrauchen: „Der kluge Mann baut vor.“ In Varanasi ist der Verkehr heute schon eine Katastrophe doch steuern sie dort offensichtlich mit offenen Augen auf einen totalen Blackout zu.

Man friert hier auch lieber, als dass man sich ein warmes Nest bereitet (Srinagar, Ladakh aber auch sonst in Nordindien). Ein bisschen Isolierung würde auch die Hitze im Sommer etwas draußen halten. Wie man sich bettet, so liegt man. Dabei sind die Menschen hier nicht faul. Sie arbeiten in der Regel sehr viel mehr als unsere Arbeiter – viele Stunden am Tag und haben kaum Feiertage, von Urlaub ganz zu schweigen. Was hier aber Arbeit genannt wird, sind oft unproduktive Tätigkeiten mit mittelalterlichen Methoden und sehr einseitige Tätigkeiten. Viele Berufe, die man bei uns hier kennt, gibt es dort überhaupt nicht. Es scheint fast als seien 30 % Verkäufer in Buden, Kleiderläden, Bistros, Ein-Mann-Ständen, etc. 50 % sind landwirtschaftlich tätig und die restlichen 20 % sind Beamte, die im Bürokratiewahn ersticken oder sich für ihr Nichtstun schmieren lassen…. Meiner Meinung nach dürften die Inder ruhig mehr vom Westen abkupfern wie die Chinesen es machen und wie es auch Deutschland im 19. Jh. bei den Engländern gemacht haben…

Man sieht natürlich, dass sich im ganzen Land was tut und Fernseher stehen auch in den abgelegensten Hütten und in den primitivsten Slumbehausungen. Das Internet, sobald es mal etwas weiter verbreitet ist, wird hoffentlich auch seinen Beitrag leisten. Doch Selbstorganisation in der Gesellschaft für Umwelt-, politische oder soziale Initiativen ist kaum vorhanden. An öffentlichen Diskussionen beteiligen sich nur ganz wenige. Die meisten sind vollauf mit ihrem täglichen Überlebenskampf ausgelastet. Und selbst wenn man sich etwas mehr informieren wollte, stellt das Fernsehprogramm nur einen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, wie wir es gewohnt ist. Die nächsten 20-30 Jahre haben wir zumindest von dieser Seite noch Schonfrist.

6 Monate Reisen in Indien verändert einen natürlich auch. Aus vielen kleinen und größeren Begegnungen und Situationen lernt man. Vor allem hat es bei mir aber den Wunsch nach mehr geweckt – noch mehr zu sehen von der Welt. 4 Reisepläne oder besser Pilgerpläne sind schon geschmiedet: Eine von Argentinien hoch nach Nordamerika; eine von Süd-Afrika auf dem Landweg hoch zurück nach Europa, eine entweder von Indien (um noch einige Ziele abzuhaken, die diesmal nicht drin waren, wie Ganggotri, Badrinath, Kedernath und Südindien) oder Nepal, Buthan, Mianmar, Thailand und die Ecke aus und dann vor allem China. Und auch Russland möchte ich noch mal ausführlich bepilgern.

Vorerst reicht es mir aber erst mal….
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Ein Jahr nach Beginn der Reise

Beitragvon kashiraja am Do 21.11.2013 22:59

Heute vor einem Jahr, mm 21.11.2012, begann meine lang ersehnte Indienreise. Inzwischen bin ich schon wieder mehr als ein halbes Jahr zurück. Die erste Zeit in Deutschland fühlte ich eine ziemliche Antriebslosigkeit. Ich war wohl etwas von der indischen Gleichgültigkeit infiziert. Vor allem auch mein Frauenbild hatte in Indien sehr gelitten. In Indien werden die Frauen nicht nur als Untermenschen behandelt, sie geben auch wirklich das Bild dieser Untermenschen ab, haben sich in diese Rolle also demütig eingefügt. Hatte ich vorher schon wenig mit Frauen zu tun, fühlte ich, dass dies Thema nun endgültig für mich abgeschlossen sei. Zwei Monate fast hielt ich diese Haltung aufrecht und dann begann sich langsam wieder alles zu normalisieren. Bei uns sind Frauen ein ziemlich gleichwertiges Gegenüber und das ist wohl auch der Grund dafür, dass es in unserer Gesellschaft sehr viel besser klappt ....

Von Indien hatte ich erst mal so ziemlich die Schauze voll, Indien brauch ich so schnell nicht wieder. So dachte ich vor 6 Monaten und so denke ich auch heute noch. Nicht mit Wehmut und Sehnsucht denke ich an diese Reise zurück, sondern eher mit mit ein bisschen Abscheu.

Nur vor Wenigem in Indien kann ich Ehrfurcht empfinden. Eins wurde mir erst vor ein paar Tagen bewusst, als ich erfuhr, dass Goenka, der Vipassana weltweit publik gemacht hat und den ich während meines 10-tägigen Vipassana-Retreats lieben und schätzen gelernt habe. Diese 11 Tage waren wirklich eine gut investierte Zeit. Auch an die Tage davor in Lucknow denke ich noch gerne zurück. In Lucknow traf ich die ganzen 9 Tage keinen einzigen Touristen. Vieles andere war zwar interessant, doch der Nachgeschmack davon ist nicht so toll.

Trotzdem werde ich, wie ich das immer nach großen Reisen tue, auch ab heute wieder versuchen, mich jeden Tag daran zu erinnern, was ich genau vor einem Jahr getan oder erlebt habe, die Reise also noch einmal durchleben.
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als eBook erschienen

Beitragvon kashiraja am Mi 16.03.2016 12:43

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop
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