Pilgerreise nach Indien

Zum freien Austausch der Yogis untereinander über beliebige Sachverhalte

So. 3.2.2013 Shibindu Puja

Beitragvon kashiraja am Di 05.02.2013 18:13

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Die Puja ist für 8:30 Uhr morgens angekündigt und ich komme 15 Minuten früher. Da beginnen aber offensichtlich erst die Vorbereitungen. Das Ganze beginnt ungefähr um 11:00 Uhr und zwar erst einmal mit einer Szene, bei welcher Shibindu seinen Neffen übel beschimpfend vor die Tür setzt. Dieser Saumya Ajariya soll seinen Status als Ur-Ur-Enkel Lahiri-Mahasayas schon auf verschiedene weise versucht haben zu Geld zu machen. Einmal durch Gründung einer Shyama Sharun Lahiri Mahasaya-Stiftung für die er zu Spenden aufrief, einmal durch Diebstahl von zwei Tagebüchern Lahiri Mahasayas aus Satyalog, die er für gewisse Gegenleistungen an die SRF abgetreten haben soll und einmal soll er eine uneheliche Tochter zu einer buddhistischen Reinkarnation hochstilisiert und dafür sogar kurzzeitigden Dalai Lama gewonnen haben. Das ganze landete aufgrund der Agitation von Shibindu vor einem Gericht, wo erst die Vaterschaft herauskam und den Eltern verboten wurde, ihre Tochter als Heilige zu vermarkten.

Ich erhalte Schriftstücke dazu, die ich in Deutschland publik machen soll.

Die Puja war dann ziemliche Privatangelegenheit von Shibindu. Der große Rest saß schweigend oder redend hinter seinem Rücken, hörte nichts und sah nur manchmal etwas unkommentiert geschehen.
Das Opfern von Blumen lief ebenfalls auf unspektakuläre Weise ab. Die Blumen wurden ausgeteilt. Jeder sollte sich das Opfern der geistig in drei Teile geteilten Ladung beim Hersagen von Mantren vorstellen. Dann wurden die Blumen in den gleichen Körben wieder eingesammelt.

Am Ende dann das Verteilen von Prasad bei gleichzeitiger Abgabe einer Spende und Verneigung vor/Segnung von Shribindu. Da das oft eine ziemlich persönliche Angelegenheit war, zog es sich hin.

Wegen der großen Menge von Besuchern heute auf dem Dach wieder ein gutes Essen.

Danach mit den Russen zu Anandamoyi-Mas Ashram und noch mal zum goldenen Tempel. Wieder mal Russisch und russische Mentalität, das tat meiner Seele gut. Ich hoffe dass ich bald mal wieder Gelegenheit hab, eine Zeit lang durch Russland zu reisen.

Als letzte Aufgabe für den Tag, stand noch der Einkauf von sechs verschiedenen Blumengebinden, 5 verschiedenen Früchten, einer Kokusnuss, Räucherstäbchen und drei Milchsüßigkeiten auf dem Programm. Dazu tat ich mich mit Schira zusammen, einer Engländerin, im Punjab geboren und mit 5 Jahren nach England ausgewandert, verheiratet (inzwischen getrennt lebend) und zwei erwachsene Kinder. Interessante Gespräche mit ihr.
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Mo. 4.2.2013 Kriya-Einweihung

Beitragvon kashiraja am Di 05.02.2013 18:25

Um 8:30 liefere ich die Gaben ab. Es sind noch nicht viele da. Der Meister kommt um 10:00 Uhr und tastet zunächst von jedem die Chakren ab, Diksha. Die Früchte und Süßigkeiten werden als Prasad wieder ausgeteilt. Erklärung der Techniken und genaueres Vorführen durch alte Kriyabans. Das zieht sich. Um 1:30 Uhr Mittagessen und Pause bis 4 Uhr. Danach zweiter Teil der Erklärung von Techniken. Mir ist eigentlich schon alles bekannt. Gewisse Feinheiten unterscheiden sich jedoch.

Am nächsten Tag soll es mit der Wiederholung weitergehen und Fragen beantwortet werden.

Den Abend nutze ich, mit Schira die Techniken gemeinsam durchzugehen. Wir gehen auf ihr Zimmer, etwas, was eine hier erzogene Frau kaum jemals tun würde. Sie ist auf dem spirituellen Markt relativ aktiv, hat zwei Bücher geschrieben, reist oft nach Indien, erzählt von spirituellen Erfahrungen…
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Di. 5.2.2013

Beitragvon kashiraja am Mo 11.02.2013 06:13

10:00 Uhr sind wir bestellt. Vorher gehe ich noch zum Geldautomaten, weil meine Bank mir mitgeteilt hat, dass die Maestro-Kkarte heute wieder funktionieren sollte und Gott sei Dank ist das wirklich der Fall. Damit kann ich mir auch die gemeinsame Fahrt nach Allahabad mit Shibendu Lahiri für 5500 Rupien leisten.

Wir lassen uns von alten Kriyabans die Techniken noch mal erklären. Der Meister erscheint etwas nach 11:00 Uhr, redet viel und gar nicht so uninteressant. Dann Geschenkeverteilen, Pause und ein Übungsschnelldurchgang durch die Techniken mit Erklärungen. Sehr gutes Essen und den Rest des Tages frei. Den nutze ich meine 4000 Rupien für die Tablas einzutreiben, das letzte Paket zu versenden und 3G für meine Sim-Karte zu buchen…

Am Abend wieder gemeinsames Praktizieren mit Shira. Das hilft die Dinge zu verinnerlichen. Shira betreibt eine spirituelle Bezahl-Website (shirabassi.com) bei der sich der Zulauf jedoch offensichtlich in Grenzen hält. Interessant einmal jemanden kennen zu lernen, der hinter derartigen Angeboten steht… Nach außen ist das Auftreten eher großspurig, Sie sucht jedoch selbst Hilfe bei einem lebenden Meister.

Das scheint auch das Hauptargument für die meisten der Anhänger Shibendus zu sein. Die Russen kommen hierher, weil in der Ausgabe der russischen Ausgabe der „Autobiographie eines Yogi“, die sie gelesen haben, die Adresse von Satyalog angegeben ist und SRF Russland noch nicht betreut. Die meisten der nichtrussischen Ausländer haben bereits Erfahrung mit der SRF. Glen aus England behauptet sogar, man könne hier das erleben, was man zu Lebzeiten Yoganandas mit diesem erfahren konnte.

Da es keinen Tod gibt, verstehe ich die Unterscheidung zwischen lebendem und totem Meister nicht so ganz. Gut, es gibt vielleicht so was wie Shaktipat, das scheint meiner Meinung nach nicht mehr zu sein, als ein verübergehender Energiezufluss, wie man ihn auch an spirituellen Orten erhalten kann. Und viele, die von vermittelten Erweckungserlebnissen berichten, haben danach Probleme, weil das eine Energie ist, mit der sie nicht richtig umzugehen gelernt haben, so dass am Ende nur eine Art Abhängigkeit übrig zu bleiben scheint. Auf die meisten Antworten, die man stellt, bekommt man auch von diesem lebenden Meister keine Antwort… Und wie Ennio Nimis bereits beschreit, erklärt der Meister die Techniken teilweise falsch und die alten Kriyabans übernehmen die Aufgabe der Fragenbeantwortung und Klärung….

Was diese lebenden Meister so teilweise von sich geben, ist ebenfalls nicht berauschend und im Vergleich zu dem, was man in Yoganandas Schriften erhält sogar höchst dürftig. Aufgrund der vielen Zeugnisse zu Yogananda, seinen Büchern ,Vids und Tonaufnahmen, kann man ihn auch sehr viel besser kennen lernen als stille Meister, denen schnell eine Größe unterstellt wird, die oft recht zweifelhaft ist.

Es stimmt zwar, dass Yogananda die Techniken vereinfacht hat. Doch zu Kechari Mudra gibt es in den Kriya-Lektionen und in „Gott spricht mit Arjuna“ einen deutlichen Hinweise für jene, weitergehen wollen und so weit frei sind, dass sie sich von keiner Organisation mehr gängeln lassen. Für alle anderen scheint mir das, was Yogananda bereitstellt, völlig ausreichend. Auch hier bei Shibendu scheinen nur ganz wenige in Kechari II zu kommen.

Es gibt auch hier höhere Initiationsstufen, zu denen man zugelassen wird, wenn man an 12 aufeinander folgenden Tagen 144 Kriyas gemacht hat, die nächste bei 144 Tagen 144….

Doch auch wenn die Didaktik bei Shibendu etwas zu wünschen übrig lässt, man kann bei ihm etwas lernen, es ist auf jeden Fall mal interessant, ihn gesehen zu haben und es gibt keine Seminargebühren und dergleichen. Geld fließt nur auf freiwilliger Basis in Form von geheimen Spenden (d.h. in Kuverts in einem Behälter gesammelt). So dass das, was ich aufgrund meiner Geldknappheit bisher gegeben habe, kaum das deckt, was ich an freiem Essen erhielt. Ich denke aber, dass sich das durch meine Teilnahme an der Allahabad-Fahrt wieder ausgleicht….

Auch wenn Shibendu über Organisationen wie die SRF herzieht (Urteile negativer Art über andere Organisationen scheint eins seiner Lieblingsthemen zu sein) und sagt, er hätte keine Organisation, müssen sich auch hier Menschen organisieren, um einen im Vergleich zur SRF relativ kümmerlichen Dienst zu leisten… An jeder Organisation kann man herumkritisieren, Organisation ist jedoch für effektive spirituelle Dienstleistung definitiv nötig. Hier gibt es ein wenig Organisation, ein paar Zeitangaben, die jedoch nur als ungefähre Richtwerte zu sehen sind. Beginn ist, wenn Guruji so weit ist…

Mir scheint, dass in Indien viele vergöttert werden, die es nicht wert sind. Wer sich nicht selbst erkannt hat, ist auch nicht fähig die Größe eines anderen genauer einzuschätzen und man richtet sich halt nach Moden oder nach dem Urteil von Leithammeln, die auch keinen größeren Durchblick haben. Dabei scheinen die Gurusüchtigen Devotees mehr zu dieser Art von Verehrung beizutragen als die mehr oder weniger großen Gurus selbst.

Man muss den Begriff Guru also mit großer Vorsicht genießen, meist steckt dahinter nur jemand, den man am besten mit einem gut predigenden Gemeindepfarrer bei uns vergleicht. Kaum Verwirklichung, doch Verehrer und Diener findet auch der.
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Mi. 6.2.2013 Fahrt nach Allahabad

Beitragvon kashiraja am Mo 11.02.2013 06:25

Nach über 4 Wochen packe ich wieder mal meinen Rucksack und nehme dann auch mein Rad zum Bus, der um kurz vor drei nach einem Essen in Satyalog abfährt. Ankunft um 19:30 Uhr. Die Organisation ist typisch indisch. Keiner weiß bescheid was kommen soll. Der Bus fährt ab, wenn er abfährt. Essen gibt es, wenn es Essen gibt. Keiner weiß, wie die Unterkunft organisiert ist und wir richten uns nach der Ankunft erst mal in einem großen Saal ein. Ich denke, das ist also erledigt und geh gleich mal die Stadt etwas erkunden. Als ich zurückkomme, sind die Ausländer alle in ein anderes Gebäude untergebracht …

Die Einfahrt über die Camps der Kumbha (schon bei Dunkelheit) ist allerdings ergreifend die Russen jubeln. Ein Meer an Lichtern über einem Meer von Camps…

Am Abend gibt es noch eine kurze Ansprache zu Organisatorischem und es gibt wirklich ein Programm für die folgenden Tage.

6:30 Uhr Tee
7:30 Aufbruch zum Bad im Ganges
11:30 Tee /Snack
12:00-1::30 Talk of Baba
1:30 Lunchbreak
4:00 – 4:30 pm Tea&snacks
4:30 – 7:30 pm Talk by baba
7:300 – 8:00 pm Music & dance
8 pm dinner

So ähnlich dann alle Tage...

Hört sich erst mal gut an, nur bin ich gespannt was dieser Baba bei diesen Talks zu sagen hat, denn er begann sich bereits am zweiten Tag zu wiederholen …

Ich fahre am Abend mit dem Rad noch ins Camp… stell ich mir ganz schön dort vor zu übernachten, doch zunächst bin ich froh unter einem festen Dach zu wohnen, denn in der Nacht regnet es stark. Da ich als letzter dann doch noch umsiedle (der Saal in dem ich mich eingerichtet habe, ist von uns gar nicht angemietet…), bekomme ich in einem Abstellraum ein „Einzelzimmer“, die anderen liegen alle wie Sardinen nebeneinander….
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Do. 7.2.2013

Beitragvon kashiraja am Mo 11.02.2013 06:45

Um 8 Uhr morgens geht es auch wirklich los, die große Gruppe von 150 Leuten soll immer zusammen bleiben und richtet sich nach der Geschwindigkeit des Ischias geplagten Babas, der an beiden Armen geführt und gestützt wird.

Wir gehen zum Zusammenfluss der „drei“ Flüsse und fahren in Gruppen von 10 etwas in den Fluss hinein, nehmen dort das Bad und laufen dann wieder gemächlich zurück zur Unterkunft. Dabei gibt es natürlich sehr viel zu sehen, es wird nicht langweilig und in der Gruppe ergeben sich auch immer wieder interessante Gespräche.

1:30 Uhr beginnt der Talk Babas mit den üblichen Belanglosigkeiten, richtiggehender Unsinn und abfälliger Analyse anderer und anderer Organisationen (möglicherweise ist das nur mein Eindruck, weil ich von Yogananda und anderen etwas sehr viel Gehaltvolleres gewohnt bin). Ich bin schon froh, dass ich hier teilnehme, da ich Kontakte knüpfen kann, in das Kumbha Mela eingeführt werde und das Ganze auch aus einer anderen Perspektive sehen kann, aber ich frage mich, wie man sich so was öfter als einmal anhören kann). Ich setze mich nach hinten, lade meine Geräte, arbeite am Computer und höre öfter mal hin.

Nach dem Mittagessen fahre ich mit dem Rad los. Inzwischen scheint die Sonne und ich habe keine Lust länger den öfter angemahnten Gruppenzwang zu gehorchen…

Dieses riesige spirituelle Festival ist schon etwas Erstaunliches. Das Oktoberfest dagegen nur ein Sandkasten, das Yoga-Festival in Berlin ein kleiner Mückenschiss… Zelte und Bühnen ohne Ende, doch leider alles in Hindi, so dass ich mir keine Vorstellung von der Qualität des Dargebotenen machen kann. Ich hab bereits an der Spiritualität Indiens zu zweifeln begonnen. Diese immense Veranstaltung unter spirituellem Vorzeichen gibt aber doch zu Denken.

Als ich um 6 Uhr zurückkomme gibt es gerade Tea&Snacks. Nur Shira hat meine Abwesenheit registriert und wir vereinbaren, morgen nicht an der Gruppentour teilzunehmen.

Ich nutze die Gelegenheit der Pause, Guruji nach Shankar Vyas zu fragen. Er kennt ihn. Auf sein Urteil „der ist nur auf Geld aus“ gebe ich jedoch nicht viel. In Beziehung auf Geld punktet Shibendu zwar, doch ist dies auch nicht alles, was wichtig ist.

Die angekündigte Musik und Tanz fällt ins Wasser (bzw. reduziert sich auf eine belanglose kurze und wenig berauschende Einlage eines Devotees und Konservenmusik), dafür gibt es einen weiteren Talk von Guruji und ich fühle nach einem kurzen Nickerchen, dass ich vor oder statt des Abendessens eine Meditation nötig habe, denn der ganze Tagesablauf ist nicht so geplant und noch weniger so realisiert, dass Meditation unterstützt wird….

Spät am Abend ziehe ich noch in den Schlafsaal für die Inder um, weil sich in meiner Abstellkammer zwei indische Südafrikanierinnen eingenistet haben…
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Fr. 8.2.2013 Kumbha Mela

Beitragvon kashiraja am Mo 11.02.2013 07:08


Am nächsten Morgen eine halbwegs ordentliche Kriya-Meditation und mir kommt es so vor, als sei ich so ziemlich der einzige, der das Gelernte versucht anzuwenden.

Danach gleich zum Sangam und auf dem Weg erzählt mir Shira, dass sie von Shibendu vollkommen enttäuscht sei, dass er überhaupt nicht verkörpere, was er predigt und dass sie es als Zeitverschwendung ansehe ihm zuzuhören oder mit ihm unterwegs zu sein. Ich kann ihr nur beipflichten.

Am Sangam ist heute ein größeres Getümmel als gestern, der nächste große Badetag am Sonntag scheint sich bereits anzukündigen. Wir sehen uns zuerst die vom Ufer aus zugängliche Badestelle an. Sie reicht bis zu einer Absperrung rund 20 Meter in den Fluss, ist sehr seicht und auch sehr braun. Das Gedränge ist groß, nicht zuletzt am Ufer selbst.

Wir versuchen, dann in eins der Boote zu gelangen, denn 40 Rupien hört sich ganz gut an. Doch hier ist das Gedränge noch viel größer, keine Disziplin, alles versucht sich gleichzeitig in die anlandenden Boote zu stürzen. Das ist Shira zu viel. Wir mieten ein altes Boot für uns für 300 Rupien. Shira möchte sich möglichst viel mit dem Gangeswasser verbinden und ich mache halt mit, obwohl ich wieder ein wenig erkältet bin.
Danach suchen wir die Zelte der Niranjani-Nagas, die Shira 2010 in Haridwar kennen gelernt hat, und finden sie wie auch nach einiger Suche. Dort werden wir herzlich empfangen, Shira unterhält sich mit mehreren Mönchen aus den höheren Chargen. Hier wäre es wieder sehr gut, etwas mehr Hindi zu verstehen. Shira erreicht es irgendwie, dass wir für Morgen einen Passierschein, bekommen, mit dem wir mit diesen Nagas als erstes zur Badestelle kommen können, ich gebe 2 Passbilder, für Shira müssen wir erst noch zwei Bilder besorgen.

Am späten Nachmittag kommen wir wieder zurück zur Unterkunft, wo unsere Abwesenheit nicht besonders aufgefallen ist.

Wir bleiben ein wenig und machen uns dann auf, einige Camps zu suchen, für die Shira Interesse hat. Die Entfernungen sind sehr groß und auch wenn die Organisation dieses Riesenfestivals einigermaßen gelungen scheint, für die Orientierung und das Auffinden von einzelnen Organisationen ist kaum etwas getan. Das gesamte Gelände ist zwar in 14 Sektoren (bis zu einem Quadratkilometer groß) aufgeteilt und dazu steht eine Karte auch online zur Verfügung, eine genauere Einteilung und Kennzeichnung scheint zwar verfügbar, doch Kennzeichnungen und Karten dazu fehlen. Es ist also bei den Tausenden von Veranstaltern nur Zufall, wenn jemand einem den Weg weisen kann. Das Ergebnis, man fragt viel und geht viel irr.

Wir gelangen jedoch zu Paramahansa Nityanandas Zelt und zu einem von Sri Prem Baba, weit entfernt vom Sangam. Bei letzterem trifft man fast nur Nicht-Inder und das Programm scheint auf Englisch zu sein. Wir probieren vom Abendessen…

Um den Rückweg abzukürzen nehmen wir noch ein Boot über den Yamuna.
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Sa. 9.2.2013 Vorabend des großen Badetages

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 11:54

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Heute Nacht konnte ich mich wieder überzeugen, dass aus der Gruppe von 20 – 30 Devotees, die mit mir in dem Saal schlafen, keiner am Abend noch am Morgen in Meditationshaltung war. Das ist der größte Widerspruch in der Arbeit von Shibendu…

Am Vormittag lösen wir uns wieder früh von der Gruppe, die einen weiteren „Botschaft gestützten“ Vortrag (ein Devotee hat 13 so genannte Messages aus den Büchern Shibendus zusammengestellt; dadurch werden die Vorträge einigermaßen gehaltvoll).anhören. Diesmal kommt Sybolt aus Holland mit. Wir machen uns auf die Suche nach dem Parmarth Niketan Camp, dazu konnten wir zumindest den Sektor im Internet
recherchieren. Doch wir irren nur herum, weil uns niemand mit genaueren Angaben weiterhelfen kann, kommen dann zum kleinen Camp von Sri Neem Karoli Baba Maharaji und bleiben dann zum Essen in einem anderen Camp. In beiden Camps meditieren wir auch einige Zeit und ich fühle eine starke Energie. Ist diese auf das jeweilige Camp, auf den heiligen Ort, auf den morgigen besonderen Tag oder auf meine persönliche Situation zurückzuführen – ich fühle, dass es Zeit wird mich wieder von Shira zu lösen. Ich verlasse Simon und Shira relativ kommentarlos und gehe meine eigenen Wege.

Erstes Gesetz des Kriya-Yoga:

Don’t make yourself a fool of ignorance (oder in verhochdeutschtem Bayerisch: Des Deppen Stecker kann so viel Yoga üben wie er will, die Fortschritte bleiben begrenzt.

Als Shira zurückkommt, sagt sie mir, sie habe kein Vertrauen in mir und ich entschließe mich, auch wenn ich nicht weiß, was mich dort erwartet und obwohl ich nicht viel Wert auf ein Bad am 10. Februar im Ganges habe, allein in das Camp der Niranjani Nagas zu gehen, weil ich den Pass nun einmal habe.

Um 21.30 Uhr ist in der Unterkunft alles geregelt, ich mache einen Umweg in noch unbekannte Sektoren. Es ist noch viel Leben auf den Wegen und Durchgängen, gleichzeitig liegen aber in allen Ecken und Straßenrändern Tausende von Menschen fest eingehüllt und ruhen bereits für den folgenden Tag. In den Sektoren der Nagas scheint auch jeder kleine Nackemönch seine eigene Feuerstelle zu haben und schön Rauch zu produzieren. Über der Mela liegt eine nebelige Rauchwolke und ich ersehne bald nur noch eins: mich zur Meditation hinsetzen zu können und die Augen zu schließen. Diesen Passierschein brauche ich in der Tat, mit ihm komme ich durch jede Absperrung und mit dessen Hilfe kann mir auch jeder den Weg weißen.

Als ich ins Lager komme, sehe ich von Shira und Sybolt nichts, doch vor einem Zelt ist eine Gruppe Franzosen versammelt und einer von ihnen spricht Hindi. Ich geselle mich zu ihnen und bleibe auch die gesamte Nacht dort. Ich habe gerade Matte, dünne Decke, Daunenschlafsack, zweite Unterhose und mein Smartphone dabei.

Um 23:00 Uhr legen wir uns nieder. Mein Schlafsack macht schön warm.
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So. 10.2.20013 Neumond Badetag 30 Mio Pilger

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 12:14

Um 3:30 Uhr steht alles auf, für den Umzug zum Sangam wurde die ganze Nacht vorbereitet und das geht auch jetzt noch weiter. Ich mache in Ruhe fast meine komplette Kriya-Yoga-Routine.

Es ist schon fast 6 Uhr, als sich unser Treck schön langsam in Bewegung setzt, nach weiteren 70 Minuten erreichen wir das Gangesufer rund 600 m vom Sangam entfernt. Die Absperrungen und das viele Sicherungspersonal geleitet uns hier ins Wasser. Ich sehe mir das Treiben zunächst an, mache Fotos und da ich in der Unterkunft auch nur kaltes Wasser zur Verfügung habe und Waschen ohnehin mal wieder angesagt ist, entschließe ich mich, hier Nägel mit Köpfen zu machen. Meine wenigen Habseligkeiten deponiere ich am Fuße eines leicht wieder zu findenden Mastens. Es liegen genügend herrenlose Kleidungsstücke herum. Bei dem Gedränge ist das auch kein Wunder.

Weil das Ufer steil ist, reicht der Tauchbereich nur 1-2 Meter ins Wasser. Dann kommt schon die Holz-Absperrung an der Schiffe anliegen Sicherheitspersonal drängt die Pilger mit langen Stöcken zurück ans Ufer und auch behände Schwimmer sind im Wasser, die hoffentlich alles größere Unglück verhindern. Das Wasser ist gar nicht kalt. Ich tauche drei Mal unter. Sehe mir das Treiben aus der Masse heraus an und finde dann einen Platz auf den Absperrungen, wo bereits viel Fotographen in Lauerstellung sitzen. Von dort erlebe ich auch die Ankunft eines starken Naga-Trosses mit – das ist überwältigend und das ist nur einer von vielen, die meisten waren bereits viel früher dran…

Auf dem Rückweg versuche ich noch am Gangesufer zu meditieren, bin jedoch zu schläfrig. Im Niranjani-Camp hole ich Schlafsack und Matte ab, spende 500 Rupien und werde eingeladen, ruhig wiederzukommen.
Um 11 bin ich zurück in der Unterkunft. Nach dem Essen entschließe ich mich mit dem Rad eine größere Runde zu drehen. Am heutigen Haupttag sollen hier insgesamt 32 Millionen Pilger das Bad im Ganges gesucht haben, so sehen die Straßen auch aus. Nur wenige Fahrzeuge mit Ausnahmegenehmigung sind unterwegs. Ich lasse erst mal die Reifen meines Rades aufpumpen. Ein kleiner Steppke greift zur Druckluft, ich gehe davon aus, dass er weiß, was er tut. Dann fahre ich 200 Meter, es tut einen lauten Knall und in Reifen und Mantel ist ein großes Loch….

Um aus dem Gewühl herauszukommen fahre ich über die Yamuna-Brücke und sehe mir das Geschehen von der anderen Flussseite an. Doch auch dort ist einiges los An verschiedenen Uferplätzen nimmt auch hier Alt und Jung das segenverheißende Bad. Hier hat man auch einen Überblick über die Strömungsrichtungen. Es ist in der Tat so, dass der Ganges dem Yamuna praktisch entgegen fließt. Die Strömungsrinne mit tieferem Wasser ist sehr eng, dafür ist die Delta-fläche mit vielen seichten Stellen recht groß. Zwei Jungs sind mit Boot und Netz damit beschäftigt, die weiter oben geopferten Kokusnüsse wieder aus dem Fluss zu fischen.
Hier hat man einen guten Überblick über das gesamte Geschehen am Sangam. Drüben ist das Gedränge und das dazugehörige Geräuschkonzert immer noch groß. Ich genieße die Aussicht und den Anblick und habe das Gefühl, dass hier der Mittelpunkt der Welt ist, zumindest der spirituellen.

Shibendu wird mit Sondergenehmigung um 8 Uhr abgeholt, die 4 Busse schaffen es erst um 23:00 Uhr unsere Nähe. Ich bleibe noch eine Nacht in der Unterkunft.
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Mo. 11.2.2013 Umzug ins Camp

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 12:42

Am nächsten Tag bleibe ich noch bis 13:00 Uhr an der Steckdose des nun leeren Saales, da ich nicht sicher bin, ob ich im Camp damit ausgestattet sein werde. Dann mache ich mich auf die Suche und erreiche nach 3 Stunden – ich konnte zu wenig Hindi oder die Polizisten an den Kreuzungen zu wenig Englisch endlich das Ziel.

Anders als angekündigt, gibt es nur Zelte einer Kategorie, nach dem Erhaltungszustand zu urteilen (viele Flicken und Löcher) ausrangiertes Militär-Material aus dem 2. Weltkrieg und davon stehen rund 25 auf dem Gelände. Ich bekomme eins für mich alleine zugewiesen und habe das Gefühl, hier wirklich nach Hause gekommen zu sein. Es gibt sogar Licht und Strom im Zelt, allerdings nur von 17:30 Uhr bis 5:30 Uhr.

Mich überkommt nun zwar Müdigkeit, ich fahre aber doch, um heute noch etwas zu sehen mit dem Rad und halte beim Camp des Pilot Babas. Eine aufwändige Anlage mit viel Prunk (z.B. große gegossene Figuren) und TamTam. Im großen Zelt schlafe und meditiere ich, es tut sich jedoch nichts.

Dann sehe ich mich um, steige über eine Absperrung in einen inneren Camp-Bereich und dort ist so etwas wie ein Satsang im Gange. Pilot Baba und zwei andere Meister, eine davon Yoga-Mata Keiko Aikawa sind von einer Jüngerschar umringt, Es wird russisch gesprochen. Pilot Baba spricht fließend russisch und die Ansprachen der beiden anderen werden ins Russische übersetzt. Es stellt sich heraus, dass das ganze Camp fest in russischer Hand ist. Der Reichtum, der hier überall hervor scheint, stammt wohl auch daher.
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Di. 12.2.13

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 15:27

Ich bin wieder stärker erkältet. Die Nase ist geschlossen und das Meditieren fällt schwer. So krieche ich erst spät aus den Federn, fahre nach der ersten Dusche seit einer Woche bis zur Anlage des Pilot Baba, lasse dort mein Rad stehen und mache mich zu Fuß weiter auf den Weg, immer darauf bedacht, die Orientierung zu behalten, denn ich habe keinerlei Lust, hier am Abend mehrere Stunden herumzuirren. Andererseits ist das Camp von Pilot-Baba auch eines der bekanntesten, so dass man im Notfall dort auch leichter hinfindet.

Ich schaue hier und dort hinein und bleibe in einem größeren Zelt länger, wo ich auch Mittagsschlaf halte, diesmal habe ich eine Decke dabei.

Als ich am Abend zum Pilot-Baba-Camp zurückkomme, wird dieser gerade verabschiedet, er fährt zurück in einen Ashram.

Ich kaufe noch einen Kopf Weißkraut (irgendwie ähnelt sich das Gemüse und Obst, das man auf der Welt findet sehr stark und in Indien scheint die Auswahl besonders begrenzt, Tomaten, Karotten, Gurken, Bohnen, Kartoffeln). Als ich zurückkomme sehe, ich, dass jemand meine Sachen durchwühlt hat, doch sehe ich nicht, dass etwas fehlt. Alles Wertvolle trage ich sowieso immer bei mir. Ich wollte eigentlich noch etwas Hindi lernen, doch lege mich früh schlafen.
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Mi. 13.2.2013

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 15:42

Am Morgen erfahre ich, dass drei Mahlzeiten am Tag im Tagespreis inbegriffen sind und setze mich zu einem ungarischen Pärchen, die hier ein einsames Seminar mitmachen und gerade das europäisch anmutende Frühstück verspeisen: Getreidegrütze mit Obststücken. Das tut mal wieder gut. Von den beiden erfahre ich einiges über das Camp. Auch dass ich um 10:00 Uhr zum Guru (28) des Camps gehen und mit ihm reden kann, was ich auch tue. Er erzählt mir, dass er lange auf der Suche war und 2004 im Himalya einen Meister getroffen habe, Seither sei er so was wie erleuchtet, bedeutet er mir. Er macht einen ehrlichen Eindruck und ich glaube ihm, dass er das von sich glaubt, d.h. aber wahrscheinlich nur, dass er sich noch nicht genügend kennt…

Da ich zum Mittagessen wieder zurück sein will, lass ich erst mal die geplante große Tour und nach Osten heraus aus dem Festival Gelände aufs Land. Frühling. Die Vögel pfeifen, die Felder sind grün, ich fahre weiter in ein Dorf, in dem die Frauen das Wasser noch vom Brunnen holen, hier herrscht Ruhe, Idylle und ich lasse mich nieder.…

Nach dem Essen zur großen Ganges-Brücke, die ich in beiden Richtungen abschreite. Von oben sehe ich ein Camp das für Kriya-Yoga wirbt und am Rand des Tales auch ein großes Gebäude mit derselben Werbung (10 Minuten Kriya Yoga täglich beschleunigt die natürliche Evolution um das 20-fache). Da muss ich natürlich hinschaun. Ich erfahre, dass ich morgen um 8:00 Uhr zur gemeinsamen Praxis kommen kann.

Zur Sicherheit fahre ich gleich mal den Weg zu meinem Camp ab und mache noch einen Halt beim Pilot-Baba, wo wieder mächtig was los ist. Die Schönheit des Camps zieht wohl, außerdem ist heute Konzert, das ich mir anhöre, erste Sahne. Die Seitenwände des Zeltes werden geöffnet, viele Inder sind gekommen. Mit dem richtigen Einsatz von Mitteln steigert Pilot Baba offensichtlich seinen Bekanntheitsgrad gekonnt.

In meinem Zelt lese ich mir noch die Zeitung auf Englisch durch, die ich von einem Hindu-Camp erhielt, das eigentlich einen ganz guten Eindruck auf mich machte. Es stellt sich heraus, dass es sich um Hindu-Chauvinisten handelt, die einen Hindu-Staat errichten wollen und sich im Kleinkrieg mit Moslems und Christen befinden. Rund 80 % der Mela-Camps sind schätzungsweise konservativ hinduistisch und der Mist, den diese verzapfen ist sicher nicht des Anhörens wert.
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Do. 14.2.2013

Beitragvon kashiraja am Fr 15.02.2013 15:56

Wider erwarten bin ich früh wach und gehe zum Kriya-Sadhana Yogi-Satyams.

Das ist einmal eine erweiterte Energetisierungsübung Yoganandas, danach folgen noch bis um 10:00 Uhr Kleinbewegungen, die der Meister selbst ansagt, das überzeugt mich alles nicht sehr. Kaum eigene Schriften, es werden Bücher der SRF verkauft. Ich frage den Meister selbst, was das alles soll. Er meint, ich solle nur öfter kommen… Zumindest legt er wert auf Sadhana und das sollen auch nur Anfängerübungen sein…

Das gibt den letzten Ansporn, endlich das Yogoda-Satsanga-Camp ausfindig zu machen. Dort kann ich ob der günstigen Preise nicht widerstehen, mich mit so ziemlich allem einzudecken, was es an Bücher und CD’s gibt. Es ist also noch mal eine Sendung nötig.

Am Nachmittag schlage ich die Richtung zu Prem-Baba ein. Mir ist das aber dann zu weit, zu heiß und der Trubel zu groß, so dass ich mich etwas außerhalb der Mela in der Nähe eines Bettlercamps niederlasse, diese etwas beobachte und Hindi lerne. Kinder noch und nöcher, sie gehen nicht in die Schule, sind nur wegen der Kumbha Mela angereist, weil hier viel kostenloses Essen und auch Kleidung verteilt wird, erzählt mir ein Jugendlicher, den ich gleich einspanne, mir Hinde Texte aufs Band zu sprechen…

Rechtzeitig fällt mir ein, dass es angebracht wäre, heute die Abendmeditation im YSS-Camp mitzumachen, da diese am 16. schon abziehen. Ein großes Zelt füllt sich nach der Energetisierungsübung mit Devotees und das ist endlich mal wieder eine schöne und tiefe Meditation.

Danach gibt es eine Ansage für den morgigen „Bade“-Tag. 4:00 Uhr organisierter Zug vom Camp zum Sangam. Leider gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit mehr im Camp.

Ich schlafe eine Stunde in meinem Zelt, kann dann nicht mehr einschlafen. In 50 Meter Entfernung haben sich offenbar eine Frau und ein Mann (es scheint Vater und Tochter zu sein) vorgenommen, ein möglichst großes Gebiet die ganze Nacht mit der Rezitation eines religiösen Textes zu beschallen.
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Fr. 15.2.2013 Ganges-Bad mit YSS

Beitragvon kashiraja am Do 21.02.2013 04:41

Ich fahre also um 1:30 Uhr zum YSS-Camp und lege mich neben den Eingang. Punkt 4:00 Uhr setzt sich unser Zug wirklich in Bewegung. Verschiedene Bundesstaaten bilden eigene Gruppen mit eigenem Gruppenführer, SRF-Mitglieder ebenfalls. So wird sichergestellt, dass niemand verloren geht. Es ist spürbar weniger los als letzten Sonntag. Am Sangam (5 Uhr) passt einer der Gruppe auf die Kleidung auf. Nachdem der letzte gebadet hat, geht’s zurück ins Camp. Dort schläfrige Meditation, doch nach den Kriyas bin ich hell wach. Frühstück, gemeinsames Singen. Eine 13 Mann starke SRF-Gruppe aus Kirchberg (Vorarlberg) trifft ein. Heute wird vor dem Camp Essen verteilt, ich laufe noch mal zum Sangam um einige Fotos zu machen. Es beginnt zu regnen, ich gehe zum Mittagessen zurück ins YSS-Camp. Ich treffe Larry wieder, der die kühle Jahreszeit im Süden verbracht hatte.

Da es weiter kühl und regnerisch ist, bleibe ich in den YSS-Zelten. Das nicht so große YSS-Camp hat ungefähr Platz für 200 Personen, weil es sehr platzsparend mit mehreren Zeltschlafsälen (für 24 Personen) ausgestattet ist. Es ist alles sehr gut organisiert. Hier zeigt sich doch, dass Yoganada in Indien sehr wohl ankommt. Die Teilnahme an den Meditationen ist stark und auch in den Zelten wird meditiert... Welch ein Gegensatz zu Shibendu.

Es beginnt immer stärker zu schütten, und ich mache mir Sorgen um meine Ausrüstung und die Kiste Bücher, die ich in meinem löchrigen Zelt stehen habe….

Nach der Abendmeditation fahre ich im Regen in mein Camp und bin freudig überrascht, dass meine Sachen noch trocken sind und im Zelt nur einige kleine Pfützen.
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Sa. 16.2.2013 Dauerregen und Wind

Beitragvon kashiraja am Do 21.02.2013 04:56

Die Nacht und den ganzen Tag durch regnet es schubweise weiter. Am Morgen wird es einmal so Dunkel, dass ich mich an die Sonnenfinsternis 1999 erinnert fühle. Der weitgehend trockene Bereich in meinem Zelt reduziert sich auf 1-2 Quadratmeter. Strom fällt aus. Zwei Zelte weiter bricht bei einigen Böen ein Zelt zusammen. Das bleibt mir hoffentlich erspart. Auch die Küche steht unter Wasser. Ich schlafe, meditiere, lerne Hindi und höre mir „Be a smile millionaire“ von Yogananda an.

Am Abend überrascht mich der „erleuchtete Meister“ mit der Ansage, alle anderen Gäste hätten das Camp verlassen, ich sei der einzige, der noch hier ist und vielleicht morgen schon würden sie das Camp aufgeben….
Am Abend kommt doch noch eine Gruppe Tschechen und Slowaken an, die ihre einmonatige Rundreise zu indischen spirituellen Orten so düster beginnen.
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So. 17.2.2013

Beitragvon kashiraja am Mo 25.02.2013 19:19

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Auf der Suche nach dem Postamt, das sonntags sowieso geschlossen hat, stoße ich auf das Eltern- und Geburtshaus von Indira Gandhi, das heute ein Museum ist. Das Anwesen sagt etwas über die herrschende Klasse Indiens aus. Die sind Luxus offensichtlich gewohnt. Im Camp des Pilot-Baba und im Kriya-Yoga-Ashram erhalte ich Zusage, dass ich dort bei Bedarf einziehen kann. Als ich am Abend in mein Camp zurückkomme, heißt es, dass wieder Strom da sei und dass das Lager bleibe…

Insgesamt sehen die Kumbha Mela Camps ziemlich mitgenommen aus, die meisten der größeren Bauten (mit Stoffen verkleidete Bambusgerüste) sind eingestürzt. Viele Flächen stehen unter Wasser. Die Straßen sind teilweise noch tief sumpfig. Viele nehmen die Zerstörung offensichtlich zum Anlass des frühzeitigen Aufbruchs…
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