Pilgerreise nach Indien

Zum freien Austausch der Yogis untereinander über beliebige Sachverhalte

Fr. 18.1.13

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 05:06

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Gegen 12 geleitet mich der Hauptangestellte des Wirts (ist doch nicht der Sohn, wie ich vermutet hatte) zu einem Handy-Shop um die Ecke, dort hat also die Inspektion stattgefunden, etwas anderes als mir versprochen worden war. Das Angebot an Smartphones ist sehr dürftig, wie scheinbar überall in der Stadt, billige chinesische Marken, die es bei uns gar nicht gibt. Zu einem besseren Shop mache ich mich auf den Weg, finde ihn jedoch nicht, weil ich für 1 Uhr einen Massage-Termin mit einem älteren Franzosen vereinbart habe. Danach sollte um 2 eine Hindi-Stunde sein, doch werde ich wieder versetzt.

Heute ist es so heiß, dass ich froh bin in meinem kühlen Zimmer etwas ruhen zu können. Um drei erscheint kein Vicky und im Sita-Guesthouse gibt es zwar einen Nepalesen Tapas, doch ist das der, mit dem ich schon am Montag gesprochen habe…

Am Ghat treffe ich Dipa und Bunam, von denen ich 1000 Rupien zurück haben will, wenn sie mich nicht mehr unterrichten und drohe mit der Polizei. Morgen neuer Termin

Obwohl ich bei der ganzen Vicki-Angelegenheit mit den 2200 Rupien ganz glimpflich weggekommen bin und das mir gelieferte Schauspiel das eigentlich fast wert ist, steht mir der Sinn doch danach, diesem Vicky schon etwas einzuheizen (denn hier konsequent zu sein ist auch eine Form der Nächstenliebe) und mein Geld von dem Instrumenten-Bauer, der ja am Dienstag Abend das Spiel Vickies mitgespielt hat, zurückzufordern und falls das nicht funktioniert, bei Mishra meine Forderungen zu stellen, denn dem hat Vicky mein teuer erstandenes Öl ausgehändigt…

Auf dem Weg zum ersteren lasse ich erst noch mal mein Handy überprüfen und es stimmt leider wirklich, dass die Batterie nicht das Problem ist. Dann gibt es Donner und Blitz und schließlich einen Wolkenbruch. Ich befinde mich gerade in einer Nebenstraße und stelle mich unter. Obwohl es gar nicht so viel regnet, ist nach einer viertel Stunde die Straße überflutet (10 – 20 cm). Das Wasser fließt hier alles oberflächig ab.

Nach einer Stunde mache ich mich wieder auf den Weg und versinke teilweise bis zu den Knien im kalten Wasser. Eine Kneipp-Kur brauche ich so schnell nicht mehr. Es ist bereits dunkel. Sunil kann ich für heute abschreiben.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Samstag, 19.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 05:48

Am nächsten Mittag treffe ich mich mit Mukesh (der mit der Schulkleidung, (den letzen Termin hat er nur verschwitzt, glaube ich ihm), er hat irgendwie erfahren, dass ich Interesse an Instrumenten habe und will mich zu Instrumentenherstellern führen, wo ich ohne Händleraufschlag einkaufen kann. Zuerst geht es zu einem Sitarbauer. Ich habe wieder etwas Gelegenheit zum Üben und denke an einen Kauf, weil hier eine gute Sitar mit Koffer gerade mal zu 9500 Rupien zu stehen kommt.

Nach Terminen am Dasaswamed-Ghat geht es um 15:00 Uhr mit Mikesh weiter auf Tour. Zunächst zu einer Tablawerkstatt, ein länglicher Raum in einer Gasse, in dem alles kreuz und quer liegt und die Teile von mehreren Arbeitern zusammengebaut werden. Mit den Füßen werden die Gegenstände gehalten, die Hände fertigen….

Es ist alles wieder sehr verkaufsorientiert. Man will mir möglichst hochwertige, d.h. teuere Produkte, mit denen ich später keinen Ärger haben werde, andrehen und bringt mich in Zugzwang, indem man behauptet, alles sei Auftragsarbeit und wenn ich an einer bestimmten Tabla Interesse hätte, dann müsse ich möglichst bald den Auftrag erteilen und eine Anzahlung leisten, was ich auch unter der Bedingung tue, dass ich die Tabla nur kaufe, wenn sie mir gefällt. Es scheint zunächst auch völlig in Ordnung, weil sich der Tabla-Bauer auch als Harmonium-Hersteller ausgibt und das ein Intrument ist, dass ich auf jeden Fall kaufen möchte. Davon stellt er mir drei vor eins für 8000 eins für 16000 und eines, das non plus Ultra Instrument für 18 000 Rupien.

Bevor wir am Abend noch Mal zum „Sitar-Hersteller“ gehen, wo ich die Sitar kaufe und für morgen eine Stunde Sitar-Unterricht vereinbare, führt mich Mukesh noch zu einem „Sport-Großhandel“ in der Altstadt, in dem ich für den Besuch beim Patenkind Geschenke für die Kinder des Dorfes (Kricket-Ausrüstung, Badminton-Ausrüstung, Fuß- und Volleyball) erstehe.

In der Nacht kommen mir dann klare Zweifel, ob das alles so astrein war, was das am Tage gelaufen ist. Mukesh gibt sich als selbstlos aus und möchte nur, dass ich möglicherweise noch mal 12,5% für die Schulkleidung spende, er zeigt mir auch ein Geschäft, in dem ich ein Smartphone relativ günstig bekomme. Auch um eine defekte Batterie meiner Camera kümmert er sich. Er bekommt zwar keinen Ersatz, doch macht er jemanden ausfindig, der die Batterie für rund 300 Rupien repariert und sie funktioniert wirklich wieder wie neu. Beim Sita-Kauf kann ich eigentlich nicht viel falsch gemacht haben, doch von einer großen Produktionsanlage, die nach den gemachten Angaben eigentlich vorhanden sein müsste (alle Händler in Varanasi kaufen hier ein), habe ich nichts gesehen. Auch verstand der Verantwortliche kaum was von Musik, was damit begründet wurde, dass der eigentliche Besitzer alt und krank sei.

Beim Tabla-Herseller waren die Argumente mit etwas Abstand betrachtet klar zu weit hergeholt und zielten nur darauf ab, mich zum Kauf von möglichst teurer Ware zu bewegen. Sicher ist dieser Mukesch auch nur ein halber Engel…
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

So. 20.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 06:01

Am Sonntag in der Tabla-Stunde erzähle ich von meinen Eindrücken vom Vortag und meine Vermutung, dass einiges von den Verkaufsargumenten nicht der Wahrheit entspricht wird bestätigt. Der Bruder, Gesangslehrer versichert mir auch, dass er mir für 16000 ein Harmonium beschafft, wie er es verwendet und dessen Qualität er geprüft habe. Das hat auch zusätzlich noch einen Tonlagen-Wechsler, den es sonst nur für Geräte ab 25 000 Rupien gibt.

Ich vereinbare noch eine Gesangs-Stunde für morgen 19 Uhr und eile zum Dasaswamed-Ghat, wo mich die Mädchen wieder einmal versetzen. Da ich ihnen alle Hoffnung genommen habe, von mir noch groß was zu bekommen und ich gestern auch nicht fürs Essen bezahlt habe, scheint ihnen alle Motivation benommen. Doch mir widerstrebt es vollkommen, denen noch mehr zu geben (obwohl der Umgang mit ihnen auch ganz reizvoll ist), denn sie haben ganz offensichtlich genug Geld und wissen aber nicht damit umzugehen: sie haben alle paar Tage ein anderes Handy….

So nehme ich, ich das Angebot eines Riksha-Fahrers an mich für 50 Rupien die Stunde zu einigen Plätzen zu bringen (das ist jedoch noch sonntags sinnvoll, da man bei dem Verkehrschaos in Varanasi unter der Woche zu Fuß fast am schnellsten ist), die ich noch nicht gesehen habe (Bharat-Mandir-Tempel, ein bestimmtes Moslem-Viertel) und so drehe ich mit ihm bis es Zeit ist für die Sitar-Stunde eine kurzweilige Runde. Er zeigt mir auch wieder Sari-Pruktionsstätten, führt mich in eine primitive Handwerksstätte, verhindert jedoch, dass ich mir eine der mechanischen Werkstätten anschaue, die allerorten rattern. Die halten einen hier alle für blöd. Die Stadt scheint außer dieser Stoffe nichts zu produzieren und das auf einem Niveau, das schon längst veraltet ist. Ein zwei moderne Produktionsanlagen, würden hier Tausende Menschen Arbeitslos machen. Noch ein Ikea und einige Aldi-Filialen, ein gescheites Verkehrskonzept und öffentliche Verkehrsmittel und 95 % der Leute hier sind arbeitslos. Natürlich ist dann wohl auch der Scharm der Stadt flöten. Doch die Stadt wird sich sicher nicht ewig einem gründlichen Strukturwandel entziehen können.

Der Rikisha-Fahrer ist mir anfangs sehr symphatisch, doch auch das bekommt einen zweifelhaften Beigeschmack, als er anfängt, andere schlecht zu machen, nur um dann selbst mehrmals unauffällig zu versuchen, mich in Buden mit dem hier produzierten Stoff-Ramsch zu schleusen und mir zum Einkauf zu drängen. Meist wird mir aber erst nach einiger Zeit oder am Tag danach bewusst, was da alles läuft.

In der Sitar-Stunde wird der Unterschied zwischen Mishra und dem hier schnell klar. Der angekündigte Professor ist ein Student (trotzdem als Guruji vorgestellt), der ständig an seinem Smart-Phone herummacht und bei mir an Dingen rumhackt, die bei einem Anfänger völlig normal sind. So verliere ich schnell die Geduld, da mir für einen derartigen Unterricht 300 Rupien zu schade sind. Und ich werde ich auch ganz deutlich, will mir auch die Werkstatt zeigen lassen. Außer einigen verstaubten Werkzeugen und verstaubten halbfertige Sitars ist jedoch nichts vorhanden….
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Mo. 21. Jan. 2013 2 Monate Indien

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 06:14

Mit meinem Amazon Kindle hab ich keine Freude mehr. Schon Anfang Dezember hat es begonnen, dass die Verbindung zum Computer über USB nicht mehr richtig klappte und damit auch das Laden der Batterie schwierig ist (vielleicht liegt es daran, dass ich nicht das Originalkabel dabei hab). Ständig ist nun die Batterie leer und auch wenn mal angezeigt wird, dass die Batterie voll ist, scheint sie sich von alleine wieder zu entladen.

11 Uhr bei Shankar Vyas. Es ist auch ein Großvater, der früher bei der Polizei war und nur Hindi spricht, mit seinen zwei Enkeln da. Ich bleibe fast 90 Minuten und komme auch öfter mal dazu, Fragen zu stellen. Von den Gesprächen in Hindi verstehe ich nun einige Worte, mehr jedoch auch nicht.

Shankar Vyas fährt morgen nach Allahabad, doch nicht zum Kumbha Mela sondern nur, um Schüler zu besuchen. Er hält von dem Trubel nichts auch nichts von der traditionellen Religiosität der Inder, von der er sagt, sie sei inzwischen ziemlich kommerzialisiert. Auf meine Einwendung, dass der goldene Tempel doch ein ziemlicher Kraftort sei, meint er, nur in uns werden wir fündig. Er sagt auch, dass in Indien die große Masse ebenfalls nur die Asanas assoziiert…

Allerdings dürfte man ihm dann auch nicht nachlaufen… Zum Abschied mache ich es den Indern nach, die ihre Stirn auf die gekreuzten Beine des Gurus drücken und so etwas verweilen. Während dem lockeren Gespräch mit Guruji habe ich nichts besonderes gespürt. Am Abend bin ich ziemlich mit Energie aufgeladen, was von dieser Verneigung stammen könnte…

Gestern bei der Stadtrundfahrt mit der Riksha hatte ich einen Sony-Shop entdeckt und auch den Weg zum Servic-Center erfahren. Dort sagt man mir, dass das Teil hinüber ist (das Gerät ist gerade mal 13 Monate alt, Garantie nur 12 Monate) und ich kaufe das Xolo A800 (Indische Marke mit Intel Prozessor) für 12 000 Rupien.

Dann mit Mukesh zum Tabla-Bauer, wo ich meinen Auftrag storniere. Mumtasch macht nun einen sehr kulanten Eindruck, er würde mir auch das Geld wiedergeben. Ich vereinbare morgen zu ihm zu kommen.

19 Uhr schöne Gesangsstunde beim Bruder von Pradip (Tabla-Lehrer). Die beiden kommen im September auf Tournee nach Frankreich und Deutschland. Die scheinen mir ziemlich in Ordnung, außerdem erhoffen sie sich von meinem Kontakt zu profitieren. Er will sich das Harmonium für 8000 und die Sitar am Mittwoch bei der nächsten Stunde anschauen und mir ein non plus ultra Harmonium für 16 000 Rupien beschaffen.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Di. 22.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 06:29

Seit ein paar Tagen hab ich einen etwas verdorbenen Magen und fühle Sehnsucht endlich mal wieder aus der Stadt herauszukommen. Deshalb mache ich mich nach einer Rückfrage beim Smartphonverkäufer (offensichtlich war aber nur wieder mal die Internetverbindung im Resthouse unzureichend) um 13 Uhr mit dem Rad auf den Weg über die südliche Brücke (kann so auch gleich den Weg für nächste Woche auskundschaften) und lege mich in der Nähe eines Dorfes am Gangesufer in die Sonne. Dort ist es zwar ganz schön, doch liege ich offensichtlich auf dem Weg zur Freilichttoilette weiter unten am Ganges. Später erfahre ich auch, dass 2 Meter neben meinem Liegeplatz die Toten des Ortes verbrannt werden, wohl nur alle paar Monate. Meine Hindi-Kenntnisse sind zwar noch recht bruchstückhaft, doch etwas von der einheimischen Sprache zu verstehen ist doch was sehr Schönes.

Auf dem Rückweg komme ich beim Ramnagar Fort an einer Werkstätte vorbei, wo die Lochkarten für die Webstühle per Hand gestanzt werden und verspreche einen Ausdruck des Photos vorbeizubringen, das ich dort machte.

Am Assi-Ghat mach ich Computer-Pause, Kleine Gangeskerzenverkäuferin bittet um Computer-Spiele, Benares-Photograph bittet mich, einem anderen seine ausgewählten Bilder auf seinem USB-Stick zeigen zu dürfen. Beeindruckende Sammlung. Arati am Assi Ghat, traditionelles indisches Vokal-Konzert.

Kurz vor der Ankunft im Resthouse ist der Reifen wieder platt ….
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Mi. 23.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 17:58

Einen FlottenOtto hatte ich schon mehrmals, das verging immer nach 1-2 Tagen. Nun muss ich mir was Hartnäckigeres eingehandelt haben, oder irgendetwas, was ich im Zimmer zum Knabbern habe, ist nicht ganz sauber – Nüsse, Obst, Datteln. Mit gerösteten Erdnüssen hab ich schon öfter schlechte Erfahrungen gemacht. Da es hier ja keine Lebensmittelkontrolle gibt (kann ich mir zumindest nicht vorstellen) und die Leute doch ziemlich korrupt sind, ist das auch kein Wunder. Mit Chemikalien verseuchtes Obst geht hier sicher überall durch… Nachdem ich letzte Woche schon ein paar Probleme hatte, verstärkte es sich am Sonntag wieder, als ich wohl nicht ganz gut abgekochte Milch zu mir nahm... Doch auch wenn ich eine Guave esse bekomme ich in letzter Zeit Probleme….

Gestern Abend hab ich noch mehrere Mandarinen und zwei Datteln gegessen. Das läuft einfach so durch. In der Nacht muss ich mehrmals auf Toilette und fühle mich am Morgen sehr schwach, so dass ich bis fast um 12:00 Uhr schlafe und dann gleich in die Tabla-Stunde gehe, wo ich Video-Aufnahmen mache, um zu Hause eine bessere Gedächtnisstütze zu haben.

Ich trau mir kaum was zu mir zu nehmen, weil alles nur durchzumarschieren scheint und braue mir dann wegen starken Durstes ein Salzwasser. Obwohl ich mich recht schwach fühle, bin ich fast den ganzen Tag unterwegs, vereinbare die nächste Hindi-Stunde für Morgen, gehe zum Tabla-Bauer Mumtasch, hole das Harmonium für 8000 und bringe es zu meinem Gesangslehrer. Dann mache ich mich noch mal auf, Sunil ausfindig zu machen und kehre auf dem Weg zu ihm (obwohl ich keinen Hunger habe, doch wegen der Schwäche) in dem Lokal ein, wo mein Magen bisher mit dem Thali dort immer wieder gut in Ordnung gekommen ist.

Sunil ist natürlich nicht bereit für Vicki einzustehen. In seinem Geschäft, wo alles so günstig zu haben sein soll, sehe ich vor allem überteuerten Ramsch.

Bevor ich um 7 zu meinem Gesangslehrer gehe, ruhe ich noch etwas im Zimmer.

Die Harmonia, die Manoj hat bringen lassen, stammen aus Kolkatta und ich erkenne, dass diese bei gleichem Preisniveau um einiges besser sind, als was mir Mumtasch anbietet. Die ganze Stunde vergeht mit Geschäftsangelegenheiten und ich beschließe, mich gleich noch zu Mumtasch auf den Weg zu machen, um das Harmonium zurückzugeben und meine 8000 Rupien Pfand, wie ich es nun auslege, zurückzufordern. Der Chef ist schon zu Hause, doch gibt er sich am Telefon kulant, ich solle Morgen noch mal zu ihm kommen.

Mein Magen fühlt sich zwar nicht besonders gut an, doch das Thali verursacht erst Mal keine Probleme. Durch das viele Laufen wurde die Verdauung wohl auch gut befördert.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Do 24.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 26.01.2013 18:18

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Voll bei Kräften bin ich immer noch nicht, ich schlafe wieder lange und werde um 11 zumindest mit einer halbwegs guten Meditation fertig.

Ich wage es die noch vom Kauf übrig gebliebene Mandarine zu essen und sofort beginnt der Magen wieder zu protestieren. Für das Obst (Guave, Bananen) und Gemüse (Tomaten, Möhren, Gurke) das ich im Zimmer habe, empfinde ich nur noch Abneigung.

Heute sind Bunam und Dipa mal wieder da und das ganze entwickelt sich mehr und mehr zu einer Leseübungsstunde für die beiden. Für ihre kümmerliche Leistung erwartet Bunam sogar noch Lob, das ich freizügig gewähre. Danach geht’s wieder zum Nudelwirt, wo ich zuschaue und zahle.

Dann zum Tabla-Bauer Mumtasch und danach in ein Musik-Geschäft wegen einem besserem Koffer für die Sitar, um 6 Uhr in den Sitar Unterricht im Nebenraum eines Tempels mit einem älteren Herren, der jedoch gut Englisch spricht. Mir gefällt der Unterricht und ich zahle für drei Stunden. Anschließend direkt zu Manoj in die Gesangsstunde, zwei Häuser weiter. Er hat auch noch mal eine Tabla gebracht und erklärt mir einiges dazu. Da ich bereits eine Tabla zu Hause hab, schwindet angesichts der Haltbarkeit der Lederbespannung (2-4 Jahre) das Kaufinteresse.

Dann singe ich einen Abend-Raga nach und Manoj beginnt mir den Banish-Raga beizubringen. Raga ist eine besondere Tonleiter, innerhalb der improvisiert wird und innerhalb der es auch feste Melodien gibt. Verschiedene Tageszeiten gibt es verschiedene Ragas.

Als ich in mein Zimmer komme, ist es schon nach 9 und zu spät, noch auf die Moslem-Festlichkeit zu schaun, die heute beginnt. Mumtasch hat mich dazu eingeladen. Morgen ist ein muslimischer Festtag und im ganzen Land Feiertag.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Fr. 25.1.2013 Besuch beim Patenkind

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 17:41

Da ich gestern kaum was gegessen habe, macht sich der Magen in der Nacht nicht bemerkbar und ich bin um 9 Uhr bereit vom Plan-Mitarbeiter abgeholt zu werden.

Als um 10:00 Uhr noch niemand da war, prüfe ich E-Mails und sehe dass der Plan-Mitarbeiter eine E-Mail nach Deutschland geschrieben hat, ich sei in keinem der Guest-Häuser in der Gegend auffindbar.

An der Rezeption erfahre ich, es seien zwei Frauen da gewesen, die nach drei Deutschen gefragt hätten und die gesuchten Namen nicht in der Gästeliste gefunden hätten. Gestern hatte ich an der Rezeption Bescheid gegeben, dass mich heute um 9 Uhr jemand abholen würde, ich erwarte nicht mehr, dass noch jemand kommen würde und mache meinem Ärger Luft …

Um 11:3ß Uhr kommen die Plan-Mitarbeiter Gott doch wieder ins Guest-House und wir fahren mit einem Tata-Landrover ins Planbüro Richtung Allahabad. Dort wird mir zunächst in einem Vortrag auf Hindi mit Übersetzung ins Englische die Arbeit von Plan erklärt.

Plan arbeitet hier mit einer lokalen (Selbsthilfe-)Organisation zusammen und diese übernimmt vornehmlich die Aufgaben, für die bei uns der Staat zuständig ist. Denn auf dem Gebiet der Gemeindeentwicklung scheint der indische Staat zu versagen. Es gibt zwar Bürgermeister und Gemeinderat, diese verstehen ihre Ämter aber vor allem als Mittel zu Selbstbereicherung (Ein Bürgermeister baut erst mal für sich ein Haus…). Der Staat soll zwar Leute für verschiedene soziale Dienste (Gesundheitsaufklärung, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Gemeindeentwicklung) bezahlen. Diese sollen aber nur das Geld einstecken, überhaupt keine Ausbildung für ihre Aufgaben haben und sonst nichts tun. Da stiert Plan hinein und kümmert sich um die Ausbildung dieser Sozial-Arbeiter und arbeitet dabei auch mit dem Staat zusammen. Dabei liegt der Schwerpunkt von Plan auf die Förderung von Kindern (und insbesondere der Mädchen), Verbesserung von deren Lebenssituation und deren gesellschaftlicher Stellung sowie Rechte (z.B. keine Körperstrafen in den Schulen, wie das noch weit verbreitet und ganz üblich ist).

Hört sich alles ganz gut an.

Doch erst mal gibt es ein reiches Mittagsmahl mit gut zubereitetem Puri, Dalsuppe, Curry und ich lange kräftig zu.

Als wir dann in das nahe gelegene Dorf von Mahak fahren, relativiert sich das Angekündigte ziemlich. Denn das Niveau der Ausgangslage liegt ziemlich niedrig.

In den Schulräumen gibt es kaum Licht, die Öffnungen für die Fenster sind im Winter zugebrettert und die Ausstattung mit Schulmaterialien oder so einfachen Dingen wie Büchern für eine kleine Bibliothek ist äußerst dürftig.

Mahaks Familie lebt in einer Lehmhütte ohne Fenster, das Dach ist mit Ästen und Stroh gedeckt und es regnet hinein. Wir bleiben einige Zeit in der Hütte und bekommen noch mal zu Essen. Mir werden Blumen und ein Stück Papier mit Happy New Year 2013 von Mahaks Mutter und der kleinen überreicht und ich übereiche meine Geschenke (Seidenpapier-Sari für die Mutter, Federballspiel für Mahak und Fußball für den Bruder…). Auf dem mir zugesandten Foto sah sie größer aus. Das jedoch nur, weil ihre Mutter auch sehr klein ist. Sie ist jetzt gerade 7 und fragt, wann ich wieder komme und ich solle ihr schreiben. Ich verspreche es, doch eigentlich habe ich ja die Plan-Mitgliedschaft gekündigt und muss noch überlegen, was ich da mache…

Dann geht es in die nur 100 m entfernte Nachbaransiedlung wo sich die Jugendgruppe versammelt, ein Rollenspiel aufführt und Fragen und Antworten zwischen mir den Plan-Mitarbeitern und den Kindern ausgetauscht werden. Der Gruppenraum ist nur ein Teil einer Lehmhütte ohne Licht mit ein paar Broschüren aber sonst vollkommen karger Ausstattung. Welch ein Vergleich zu den Unterrichtsmaterialen und Materialien für Selbstunterricht der Kinder in Deutschland. Englisch soll zwar unterrichtet werden, doch Kenntnisse sind auch bei den größeren Kindern kaum vorhanden….

Ich überreiche meine Geschenke (eine Baseball-Ausrüstung und einen Volleyball) und sehe die Enttäuschung der Mädchen, da fast nur Mädchen anwesend sind und sie da doch etwas zu kurz kommen, doch ich war auch von nur einer Gemeinde ausgegangen und nicht von zweien.

Dann geht’s auch schon wieder zurück nach Varanasi.

Dort mache ich mich noch auf zu einer Runde den Ganges entlang, wieder mal zum Manikarnika-Ghat (die Temperaturen sind auch wieder deutlich gefallen). Auf der Suche des Moslem-Viertels komme ich danach an vielen kleinen Tempeln vorbei, die heute alle fein geschmückt sind, die Hindus stehen Schlange, hier und dort zu opfern oder ihre Verehrung darzubringen. Musik aus Lautsprechern.

Im Moslemviertel ist alles bunt beleuchtet und geschmückt, die Geschäftsstraße, wo nach Vickis Angaben die Callgirls (Prostitiution ist in Indien verboten und hier in Varanasi fast kaum vorhanden, hab ich inzwischen erfahren) zu finden seien, ist Hauptschauplatz alle 50 Meter eine Gesangsdarbietung von vermutlich Koranschülern.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Samstag, 26. Jan. 2013

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 18:03

Morgen im Rest-House. Gespräch mit meinem Zimmernachbarn, einem Fotographen aus Deutschland, der zu den Hauptbadetagen immer nach Allahabad fährt und in Varanasi dazwischen ausruht. Er sagt, am Sangam sei es ganz schön und nur zu den Hauptbadetagen sei viel Trubel.

Ich gehe um 1 zur letzten Hindi-Stunde, das Thema ist mit den Mädels ziemlich ausgereizt. Danach noch mal zum Essen. Um das Fahrrad für morgen fit zu machen, gehe ich damit auf eine Hauptstraße. Die üblichen Fahrradwerkstätten haben auch heute geöffnet, ich lasse das Rad gleich für die nächsten Wochen auf Fordermann zu bringen – neues Schloss, neue Klingel, Bremsen ausbessern und nachstellen – gerade mal 120 Rupien. Einiges ist hier sehr billig, anderes, wie Nüsse und mir scheint auch verschiedene Stoffe und Kleidung, wenn sie wirklich Qualität haben, teurer als in Deutschland. Das ist auch kein Wunder bei den unproduktiven Herstellungsmethoden hier.

18:00 Uhr Sitar-Stunde, ich mache wieder Aufnahmen um eine bessere Gedächtnisstütze zu haben. Danach mit Mukesch wegen der Sitar-Box zum Sharda Music-Center, wo ich die Sitar gekauft habe, Der Vater ist nun aus dem Krankenhaus zurück, hat doch einen Tumor gehabt, nur der Sohn scheint etwas missraten zu sein. Ich spreche mit der Mutter, die alles erklärt und es mir etwas übel nimmt, dass ich die Fiberglas-Box woanders gekauft habe. Ich könne die andere Box zurückbringen und würde dafür das Geld zurückbekommen.

Das nächste Problem ist die Sendung nach Deutschland, die am Montag über die Bühne gehen soll, die jedoch ziemlich teuer zu werden scheint… und verschiedene Angelegenheiten, die Mukesch noch am Herzen liegen…. (Schuhe für ihn, das Sony-Ericsson-Smartphone oder nochmalige Schulspende Kleidung für den Saraswati-Tag, ich mache mir etwas Luft: die Kinder haben kaum die geringsten Mittel, ordentlich Unterricht zu halten und was zu lernen, doch für diesen Saraswati-Tag scheint ein Großteil des jährlichen Budgets draufzugehen….
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Sonntag, 27.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 18:32

Schon gestern Abend hat sich mein Magen wieder besser angefühlt, heute scheint er schon wieder alles brav zu schlucken….
12:00 Uhr die letzte Tabla-Stunde, Videoaufnahmen.

Dann geht’s gleich zum Ramnager-Fort, doch zuerst versuche ich für mein defektes Telefon noch etwas herauszuschlagen und stelle mich dabei nicht besonders geschickt an. Ich erzähle dem Wirt, der wegen des Kumbha-Melas zur Zeit ziemliche Einnahmen hat, von den Spenden für die Schule, er könne da auch Mal 4-5000 Rupien spenden, er lässt sich von mir nicht überzeugen, bietet mir 1000 Rupien und ich gehe gleich darauf ein. Auch meine ausstehende Mietszahlung lege ich nur ganz passiv in die Wagschale und bekomme gerade mal 100 Rupien Nachlass.

Das Ramnagar Fort ist eine eindrucksvolle Anlage, doch sehr heruntergekommen. Ein beträchtlicher Teil der Räumlichkeiten und Gebäude wird als Wohnraum genutzt. Die Ausstellungstücke, Kutschen, alte Autos, Sänften, Waffen, ein paar Bilder sind teilweise interessant, doch auch verstaubt. Ich halte mich noch etwas in der Tempelanlage des Fort zum Gangesufer hin auf, wo man aufgrund der aufwendigen Fassadengestaltung etwas von dem früheren Reichtum der einstigen Residenten spürt und umrunde den ganzen Komplex dann noch von außen.

Um 18:00 Uhr zur Sitar-Stunde bin ich wieder zurück, auch das soll die letzte Stunde sein, ich lerne zwei Melodien aus zwei verschiedenen Ragas und bin etwas überfordert.

Auf dem Rückweg zum Resthouse sehe ich in der Lahiri-Mahasaya-Gedächtnisstätte gleich neben dem Haus meines Tabla-Lehrers Licht brennen und gehe hinein. Drei Männer sitzen drin und ich werde hereingebeten. Einer erklärt mir, dass dies früher der Wohnsitz von Lahiri Mahasayas Enkel war und dass dessen Sohn nun die Linie der Kriya-Lehrer weiterführt. Davon war in „Footsteps to Freedom“ nichts gestanden. Er führt mich noch weiter herum, auch in den ersten Stock, in den Raum den Satyacharan Lahiri bewohnt hat, dort hängen viele Bilder, auch die Original-Photographie von Lahiri Mahasaya.

Er erzählt weiter dass der Urenkel Lahiri Mahasayas, Shibendu Lahiri am 31. Januar hierher nach Varanasi kommen würde, dass er Vorträge halten, einweihen würde und viele Schüler anwesend sein würden. Das hört sich alles sehr interessant an, ich erkundige mich über den genauen Ablauf und neige schnell dazu, meinen Aufenthalt in Varanasi noch bis zum 6. Februar auszudehnen, dann wird auch Shibendu Lahiri nach Allahabad fahren und dort ein Programm abhalten.

Ich kaufe noch etwas Lektüre, spende und lasse mir die Internetadresse geben: http://www.kriyayogalahiri.com/htmlde/messages.htm

Von Shibendu Lahiri hatte ich bisher noch nichts gehört, doch scheint er in der ganzen Welt sehr aktiv zu sein und war wohl auch schon öfter in Deutschland.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Mo. 28.1.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 18:46

Den Morgen verbringe ich wieder im Zimmer und nachdem die Telefonverbindung mit Mukesch nicht klappt mache ich mich alleine auf den Weg, meine Sachen zu erledigen. Ich gehe zum Manoj, dem Gesangslehrer, bezahle das Harmonium für 9000 Rupien und mache mich damit auf den weg, einen geeigneten Karton zu suchen und das Ding zu wiegen. Im Zimmer, sehe ich dass in dem Karton noch viel Platz ist.

Dann gehe ich mit dem alten Sitar-Koffer zu dem Sitarbauer (auf dem Weg zu ihm komme ich auch endlich an Lahiri Mahasayas Haus vorbei), der erzählt mir von seiner prekären Situation. Seit November ist er krank, hat kein Geld, mein Kauf hat ihn aus einer Notlage befreit, das Geld für den Koffer habe er nicht und müsse es sich leihen, erst mal 1000 Rupien, später der Rest. Während seine Frau das Geld holen geht, erklärt er weiter, die Sitar hätte ich nur aus Irrtum so billig bekommen, sonst würde sie mindestens 1000 Rupien kosten. Das klingt alles sehr echt. Solange man hier in Indien bei Kräften ist, kann man sich irgendwie durchschlagen, doch wenn man in Schwierigkeiten kommt, wie dieser einfache Handwerker, der zwar genügend Aufträge hätte, aber zur Zeit nicht fähig ist zu arbeiten, dann gibt es keine staatliche Stelle, an die man sich wenden kann.

Als seine Frau mit dem Geld kommt, sage ich also, er brauche mir kein Geld für den Koffer zu geben und sie bitten mich nur, Mukesch nichts zu sagen, weil der nur wieder Geld fordern würde, ich solle doch immer alleine kommen und sie geben mir noch ihre Visitenkarten mit, die ich an Sitar-Interessierte verteilen solle…
Von dort zu Mishra (dem ersten Sitar-Lehrer, zu dem mich Vicke führte), erzähle die Geschichte mit dem Kokusnussöl und sage, sie sollen mir entweder das Öl oder das Geld geben. Sie geben mir den Rest des Öls…
Auf dem Weg zu Mumtash sehe ich in einem Geschäft die langen Inderhemden (die Sukadev nun immer trägt) und kaufe ordentlich ein, weil das gleichzeitig die ziemlich großen Harmonium-Kartons füllen soll.

Mumtash lässt sich zunächst viel Zeit, lässt Tee holen, unterhält sich mit mir. Auf meine Frage, was er denn an dem muslimischen Feiertag gemacht habe, erzählt er, von Donnerstag Abend bis Freitag früh hätten die Muslime durchgebetet und dann den ganzen Freitag geschlafen…. Er klagt auch über sein hartes Geschäft.

Ich versuche ihn auf die kümmerliche Arbeitsorganisation in seinen vielen kleinen Handwerksstätten hinzuweisen, das kommt jedoch nicht an. Schließlich gibt er mir wirklich die restlichen 5000 Rupien.

Auf dem Rückweg eine kleine Klettertour über Motorräder, Fahrräder, Lastfahrräder und Fahrradrikschas, weil der Verkehr wieder mal zum erliegen gekommen ist. Das scheint regelmäßig der Fall zu sein, wenn mal einer der kleinen Schulbusse durch eine der Straßen fährt. Dann weichen viele Motorräder und andere Gefährte auf die kleinen Nebengässchen aus und es dauert nicht lange, bis auch dort alles steht…

In der Poststelle in der Nähe meiner Unterkunft mache ich mich nun einmal selbst über die Versandbedingungen schlau, nachdem ich von verschiedenen Leuten bereits alles Mögliche dazu vernommen habe und ich merke, dass in diesem Fall die Hilfe Mukeshs nicht so hilfreich war. In vielem Hin- und Her bin ich mit ihm diesbezüglich noch zu keinem richtigen Ergebnis gekommen. Hier scheint alles günstig und einfach. Mukesh ruft im Laufe des Tages mehrmals an, die Verbindung ist jedoch schlecht und ich bin froh, dass ich ihn mir vom Leib halten kann.

Am Abend noch Gesangsstunde, Test der Haromonia und Probepacken.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Di. 29.2.2013

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 19:02

Den Morgen wieder im Zimmer. 12:00 Uhr wollte ich mich eigentlich mit Mukesh treffen, er erscheit jedoch nicht, ich esse Thali, hebe Geld ab und gönne mir dann noch ein gutes Eis in einem vornehmeren Lokal. Den Nachmittag bin ich dann mit der Versendung des ersten Pakets beschäftigt. Der Mann vom Expressdienst hat außer mir keinen Kunden und wir sind zusammen rund 2 Stunden zu Werke. 21 kg, 5200 Rupien.

Danach Treffen mit Mukesh, dem ich erkläre, dass ich für die Schule nichts mehr spenden würde, wenn ich sie nicht vorher einmal in Aktion erleben könne. Das scheint jedoch nicht möglich, weil es eine staatliche Schule sei, die es mit dem Schule-Ausfallen sehr ernst nimmt. Diese Beamtenmentalität in Indien muss schon was ganz besonderes sein.

Ich gebe Mukesh 500 Rupien und Morgen, wenn er mir die zweite reparierte Battarie zurückgibt soll er noch mal dasselbe bekommen.

Am Abend wieder mal zum Arati, wo ich das erste Mal sehe, dass da Life-Musik ist, aber dann meditiere.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Do. 31.1.2013 Shibendu Lahiri

Beitragvon kashiraja am Sa 02.02.2013 19:14

Meditation bis 10:00 Uhr.

13:00 Hindi-Stunde, die zwei prüden bringen mir schmutzige Wörter bei.

15:00 Uhr gehe ich in den Lahiri Mandir und erfahre, dass es erst um 16:00 Uhr losgehen soll. Starke Energie. Es sind schon mehrere Leute dort. Ich meditiere. Um 18:00 Uhr eine Art Mantra-Rezitatation. Es sind mittlerweile auch einige Russen eingetroffen. Dann erscheint auch Shibendu. Er begrüßt uns und sagt, die Ausländer seien alle auf die Hochzeit der Nichte eines Devotees eingeladen. Er selbst brauche Ruhe. (Dieser Körper braucht Ruhe).

Die Russen kamen direkt vom Flughafen und hatten ihr Gepäck in einem Vorraum abgestellt. Als sie wieder herauskommen, stellt eine Russin fest, dass ihre kleine Tasche mit allen Ausweisen und Geld fehlt….

Auf die Hochzeit gehen nur Mark (ein Engländer und zwei in Kannada lebende Bulgarien mit. Die Hochzeit ist wie eine Gartenpartie mit Catering-Service organisiert. Es gibt reichliches und gutes Essen, als wir nach 22:00 Uhr eintreffen bauen die ersten Stände schon wieder ab. Ich esse mich nach der etwas einseitigen Kost der letzen Wochen wieder mal richtig voll und habe bei der Rückkunft zum Dasaswamedh Ghat kein Lust zum Schlafen.

Am Manikarnika-Ghat kann ich mich davon überzeugen, dass der Betrieb wirklich die ganze Nacht über aufrecht gehalten wird, auch Nachts treffen Leichen ein. Vor allem am Dasaswamed Ghat liegen viele Obdachlose in Behelfslagern, auch eine Frau mit Kleinkind…

Ich lege mich um 3:30 Uhr in ein Boot und wache schon um 5:00 Uhr wieder auf.

Um 6:30 Uhr bin ich wieder im Zimmer.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Fr. 1.2.2013 Satyalog

Beitragvon kashiraja am Di 05.02.2013 15:48

Essen brauche ich heute erst mal keins. 17:00 Uhr Satya-Log. Der Meister kommt gegen 19:00 Uhr hält eine Rede auf Hindi und Englisch. Es sind rund 50 – 70 Leute dort. Ich spüre eine sehr starke Energie, meditiere gut, bleibe in Kechari Mudra 2. Danach gibt es noch was zu Essen.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

Sa. 2.3.2013 Satyalog

Beitragvon kashiraja am Di 05.02.2013 17:41

In korrigierter und stark erweiterter Form ist diese Reisebeschreibung inzwischen als eBook erschienen: "Pilgerreise durch Indien" auf allen eBook-Plattformen erhältlich und besonders hier: http://www.fyue.de/shop

Heute steht eigentlich nur Versenden des dritten Paketes auf dem Programm. Ich mache noch ein paar kleine Einkäufe und begebe mich dann in das Straßengewühl, noch einmal Geld abzuheben. Nach drei Geldautomaten, die meine Maestro-Karte nicht akzeptieren, schwant mir schon nichts Gutes. Ich probiere noch mal zwei, wo ich sonst immer problemlos Geld bekommen habe. Meine Karte wird nicht mehr akzeptiert. Ich habe kaum noch Bargeld. Die Visa-Karte liegt noch zu Hause… Die Möglichkeit, eine Express-Visa-Karte für 50 Euro aus Indien wollte ich nur im Notfall nutzen…

Heute, Samstag hat meine Bank natürlich geschlossen. Also erst mal abwarten und Tee trinken.
Am Abend wieder in Satyalog. Die Meditation ist wieder gut, sehr starke Energie, doch was da als vorbereitender „Talk“ angekündigt ist, ist nicht besonders gehaltvoll.

Um neun gibt es wieder gutes Essen.

Ich will den Abend noch etwas Internet nutzen, doch auf was man sich in Varanasi wirklich verlassen kann, ist die Unzuverlässigkeit von Strom- und Internetversorgung. Das ist natürlich für jeden Unternehmer eine riesige Hypothek, kein Wunder, dass hier (scheinbar) nur Juweliere, Gewürzverkäufer und Stoffhändler reich werden können… und dass es an jeder Infrastrukturentwicklung mangelt.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
Benutzeravatar
kashiraja
 
Beiträge: 403
Registriert: Do 24.09.2009 00:26
Plz/Ort: Kreis Eichstätt

VorherigeNächste

Zurück zu Yogi meets Yogi

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron