Zur Überwachungsphobie anlässlich PRISM

Mit Blick durch die spirituelle Brille

Zur Überwachungsphobie anlässlich PRISM

Beitragvon kashiraja am Fr 14.06.2013 12:05

Schreiben an den Deutschlandfunk zu einer Sendung zur Überwachung am 9.6.2013:

Erstens wollte ich anmerken, dass der Moderater parteiisch aufgetreten ist und so sicher auch die Tendenz der Anrufenden beeinflusst hat. Ich habe nicht die ganze Sendung verfolgen könnnen, weil ich im Auto unterwegs war und aus dem Sendebereich herausfuhr, doch ich habe keinerlei Zustimmung zu Überwachung gehört und da will ich doch mal meine ziemlich entgegengesetzte Meinung zu dem, was über Radio in den Äther gesendet wurde, zu Gehör bringen.

Ich komme von einem 6-monatigen Indienaufenthalt zurück und meine Erfahrungen zu der dort fehlenden Überwachung unterstreichen meine schon von jeher gehegte positive Einstellung zu dieser. Denn entgegen der Meinung die auch in ihrer Sendung geäußert wurde, dass Indien zu einer vergleichbaren Überwachung wie USA oder China fähig wäre, wurde ich dort vom Gegenteil überzeugt. Die informationstechnische Ausstattung der Polizei und anderer Behörden ist kümmerlich und informationstechnische Strukturen nicht vorhanden. Stattdessen muss man hunderte Formulare ausfüllen und hunderte Mal seinen Pass vorzeigen. Aufgrund dieser nicht vorhandenen informationstechnischen Infrastruktur ist es Betrügern und Dieben und natürlich auch Terroristen sehr leicht möglich ihr Unwesen zu treiben. Letzteres führt zu sehr viel paranoideren Reaktionen des Staates, als das von der USA her bekannt ist, wo man wenigstens nicht so sehr mit dem ständigen Ausfüllen von Formularen etc. geplagt wird. Die Auswirkungen dieser „polizeilichen Mangelerscheinungen“ hab ich auch am eigenen Leib erfahren. Ich hatte z.B. ein sehr gutes Foto von jemandem, der mich bestohlen hat, einen Namen und einen Wohnort. In einem fortschrittlichem Land ein sehr guter Fahndungsansatz. In Indien jedoch völlig wertlos, weil die Polizei nicht fähig ist, etwas damit anzufangen. Meine Erfahrungen in Indien deuten also eindeutig darauf hin, dass mit Nutzung der Informationstechnik zur Verbrechensbekämpfung die Kriminalitätsrate geringer ist, weil es den Kriminellen schwieriger gemacht wird, ihr Unwesen zu treiben und man ist auch mehr von bürokratischem Aufwand verschont, wenn in der Verbrechensbekämpfung ausreichend Informationstechnik zum Einsatz kommt.

Grundsätzlich halte ich die Überwachungsphobie für eine dünkelhafte Furcht von meist sehr intelligenten Ignoranten, die sich schon mal einer Tatsache nicht bewusst sind: Wir sind sowieso alle überwacht bis hin zu unseren intimsten Persönlichkeitsbereichen und zwar in Form der allwissenden Intelligenz Gottes, die auch wirksam ist, wenn jemand den Glauben an einen Gott ablehnt, genauso wie die Überwachung der staatlichen Informationsdienste vorhanden ist, auch wenn man nicht an sie glaubt. Diese erste vollständige Überwachung ist jedoch deshalb völlig unproblematisch, weil hinter der Überwachung eine äußerst wohlwollende Intelligenz steht, die die Überwachungsinformationen ausschließlich zu unserem Vorteil (was aber leider auch viele nicht glauben) verwendet.

Möglichst umfassende staatliche Überwachung ist also in meinen Augen notwendig, alles andere ist hysterischer Anachronismus. Das einzige was wir von den überwachenden Institutionen fordern müssen, dass sie ihre Motive und Maßnahmen immer mehr dem ultimativen wohltätigen Überwacher angleichen und die Überwachung nur in den Dienst der harmonischen Weiterentwicklung aller Bürger stellt und da wir ja alle nicht ohne Fehler sind, nicht mit dem Ziel einer Strafe zu überwachen sondern mit dem der Therapie.

Die Überwachung ist heute noch nicht perfekt, doch viele Intellektuelle meinen, sie müssten das Kind mit dem Bade ausschütten.

In Deutschland wurden bisher mehrere Anschläge verhindert, weil die Überwachung funktionierte. Ich begrüße deshalb eine vollständige Überwachung, fordere jedoch nur, dass die Überwachenden mehr als Erzieher und wohlwollende Helfer auftreten, anstatt als strafende Diktatoren. Solange dies noch nicht erreicht ist, ist es selbstverständlich auch gut und notwendig, das Treiben der Überwachenden zu kontrollieren.

Ich sehe so Horrorgeschichten wie Guantanamo und den Fall Mollath als Resultat einer fehlenden Überwachung und bin grundsätzlich nur da nicht bereit, auch Intimstes offen zu legen, wo man deswegen unnötigerweise kriminalisiert oder diskriminiert wird. Hätte man im Fall Mollath alle Überwachungsinformationen, könnte man schnell Licht in die wahren Umstände bringen und gegebenenfalls müsste nicht ein Unschuldiger sitzen, während die wahren Straftäter mit gutem staatlichem Salär frei herumlaufen.
Wenn du Freiheit willst, gib sie zuerst.
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